Geldhändler leiden unter der Euro-Einführung

Wechselstuben bricht das Geschäft weg

Mandy Götze
2 Min

BERLIN, 16. Dezember. Kassierer in Wechselstuben haben manchmal einen recht einsamen Job. Sie sitzen hinter ihren geputzten Schalterfenstern und warten. Sie warten auf Touristen, die ihre Dollar, Pfund oder Yen in Euro tauschen wollen. Mit der Einführung des Euro haben Wechselstuben nämlich viele ihrer Kunden verloren. Denn die neue Währung macht das Hin- und Herwechseln von Geld in Europa überflüssig. "Ich rechne für 2002 mit einem Umsatzeinbruch von etwa 30 Prozent", sagt Stephan von Schmude, Inhaber der beiden AGW-Wechselstuben in der Joachimsthaler Straße in Berlin.Dabei fing das Jahr gut an. "In den ersten drei Monaten kamen viele Leute, um übriggebliebene Schillinge oder Lire in Euro zu tauschen", so von Schmude. Andere, die sich die Warteschlangen bei der Landeszentralbank sparen wollten, tauschten ihre D-Mark in Euro. Doch in der Ferienzeit kam der Einbruch. Denn Touristen aus den Euro-Ländern mussten ihr Geld nun nicht mehr tauschen. Dabei machte das Geschäft mit Francs, Peseten und anderen EU-Währungen bisher fast ein Drittel des Umsatzes der Wechselstuben aus. Sammler-HoffnungManchmal allerdings verirren sich auch Kunden in die Wechselstuben, die offensichtlich noch nicht realisiert haben, dass sie mit ihren heimischen Euro auch in Deutschland bezahlen können: "Es kamen Kunden, die ihre französischen Euro in deutsche Euro tauschen wollten", erzählt von Schmude. Ein anderer Urlauber wollte Euro in portugiesische Escudos tauschen. "Es war ihm sichtlich peinlich, als wir ihm sagen mussten, dass auch Portugal den Euro hat", so der Wechselstubenbesitzer. Bisweilen suchen auch Sammler die Wechselstuben auf, die ihre einheimischen Euro-Münzen gegen die begehrten selteneren Euro-Münzen aus Finnland, Portugal oder Luxemburg eintauschen wollen. Doch die bringen keinen Umsatz: "Wir sind kein Münzsammelgeschäft", so von Schmude." Vor 30 Jahren ist von Schmudes Vater mit der Allgemeinen Geldwechsel GmbH und co KG (AGW) an den Start gegangen. Damals war noch kein Euro in Sicht. Heute beschäftigt von Schmude acht Mitarbeiter - genauso viele wie vor der Euro-Umstellung: "Weniger geht nicht. Sonst könnte der Betrieb nicht aufrecht erhalten bleiben". Seine Hoffnung, das wegfallende Geschäft durch Reiseschecks und internationalen Reisetransfer aufzufangen, hat sich nicht erfüllt. Auch die Nachfrage nach osteuropäischen Währungen hält sich in Grenzen. Jetzt setzt von Schmude darauf, dass die Großbanken als Konkurrenten wegfallen. "Die ziehen sich immer mehr aus dem Sortenhandel zurück". Eine Chance für die Wechselstuben.

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