Gemeinde Schlaubetal entschärft umstrittene Verordnung - einschlägige Bußgelder sind künftig unwahrscheinlich

Freiluftsex-Verbot aufgehoben

Martin Klesmann
2 Min

SCHLAUBETAL. Endlich einmal war die Gemeinde Schlaubetal in Ostbrandenburg, laut Eigenwerbung lieg hier "Deutschlands schönstes Bachtal", bundesweit bekannt geworden. Im Rahmen einer 13-seitigen Liste von Verordnungen "zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" hatte die Gemeinde ein Freiluftsex-Verbot in kommunalen Grünanlagen erlassen. Bei Zuwiderhandlungen sollten ertappte Pärchen gar ein Bußgeld von 35 Euro bezahlen. Das war bisher einmalig in Deutschland und lockte in den vergangenen Wochen zahlreiche Kamerateams in die idyllische Gegend rund um das Städtchen Müllrose (Oder-Spree). Besonders engagierte Reporter befragten dort auch einheimische Senioren nach ihrem Sexualleben. Daraufhin wurde es der Amtsverwaltung um Detlef Meine zu bunt: Sie erklärte nun ganz offiziell im örtlichen Amtsblatt, Seite 4: "Kein Sexverbot im Amt Schlaubetal." Die Verordnung habe nur bezwecken sollen, dass "die schönste Nebensache der Welt nicht zu einem allgemeinen öffentlichen ,Schauobjekt' wird", teilte Frank Felske vom Ordnungsamt nun per Amtsblatt mit. "Eine Vereinnahmung von Verwarnungsgeldern oder gar Bußgeldern gilt als unwahrscheinlich." Ursprünglich hatte die Gemeinde das Freiluftsex-Verbot erlassen, weil es am Rande von Open-Air-Veranstaltungen zu spontanen Paarungsszenarien gekommen war. "Wir wollten das den Kindern nicht zumuten", sagte Felske. Zwar wertet auch das Strafgesetzbuch die "Erregung öffentlichen Ärgernisses" als Straftatbestand. "Wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt", heißt es da. Doch Amtsleiter Detlef Meine hatte diese Formulierung zunächst als zu schwammig angesehen.Jetzt zeigt sich das Amt sexhungrigen Paaren gegenüber deutlich versöhnlicher: "Es geht um die Wahl eines dem Liebesspiel angemessenen ,Fleckchens'", heißt es nun im Amtsblatt ganz fürsorglich. Und dann sogar ein kleiner Tipp: "Für ,Angelegenheiten' in den Wäldern ist das Ordnungsamt überhaupt nicht zuständig."Allerdings bleiben laut Amt öffentlich wahrnehmbare sexuelle Handlungen auf Straßen und in Anlagen untersagt. Obgleich dies kaum gezielt nachgeprüft werde.In dem erklärten Wunsch, eine der ordentlichsten Regionen Deutschlands zu werden, hat das umtriebige Amt Schlaubetal noch weiteres Tun untersagt: Dazu gehören nun das Kaugummi-Ausspucken, das Ausschütteln von Bettzeug auf der Straße sowie das Aufstellen von provisorischen Skate- board-Rampen.------------------------------"Es geht um die Wahl eines dem Liebesspiel angemessenen ,Fleckchens'." Ordnungsamt

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