Chinesische Genetiker haben die Evolution des Sars-Erregers im Verlauf der letztjährigen Epidemie analysiert und dabei beobachtet, wie sich das Virus an den Menschen angepasst hat. Sie fanden zahlreiche Belege für die Vermutung, dass die Epidemie von der südostasiatischen Schleichkatzenart Paguma larvata (Larvenroller) ausging. Die Studie ist als Online-Publikation des Fachblatts Science erschienen.Unter der Leitung von Guoping Zhao vom Chinese National Human Genome Center sequenzierten die Wissenschaftler das Genom von 63 Sars-Coronavirus-Stämmen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten während der Epidemie isoliert worden waren. Bereits vor Beginn der genetischen Analysen hatten die chinesischen Forscher den Verlauf der Epidemie in drei Phasen eingeteilt. Die frühe Phase ist gekennzeichnet von sporadischen, voneinander offenbar unabhängigen Sars-Fällen in der Provinz Kanton, die sich mehrheitlich auf Tierkontakte zurückführen lassen. Die mittlere Phase, die durch die Weitergabe des Virus von Mensch zu Mensch gekennzeichnet ist, beginnt mit dem ersten Superspreader - dem ersten Sars-Patienten also, der das Virus besonders effektiv an andere verteilt hat. Den Beginn der späten Phase der Epidemie markiert ein Ausbruch in einem Hotel in Hongkong. In dieser Phase waren die Erkrankungszahlen bereits deutlich zurückgegangen.Spuren im ErbgutWie Zhaos Laboruntersuchungen nun zeigen, spiegeln sich die Phasen der Epidemie deutlich im Erbgut der Coronaviren wider. Die Viren der frühen Phase wiesen noch einige genetische Merkmale auf, die sonst nur von Sars-ähnlichen Tierviren bekannt sind. Mit dem Beginn der mittleren Phase gingen diese Kennzeichen verloren und es traten erstmals veränderte Formen des S-Proteins auf. Das Ankermolekül dient dem Virus dazu, sich an die Wirtszellen anzuheften und sich Zutritt zum Zellinneren zu verschaffen. Die neuen S-Proteine waren wesentlich besser an das menschliche Kopplungsmolekül angepasst als die frühere Variante. In der späten Phase reduzierte sich die Virenvielfalt stark; die Mutationsrate nahm ab, und es trat ein vorherrschender Virustyp auf. "Wir konnten beobachten, wie das Virus Feinabstimmungen vornimmt, um seinen Zugang zu seinem neuen Wirt, dem Menschen, zu verbessern", schreiben die chinesischen Forscher. "Es ist unheimlich zu beobachten, wie das Virus sich verbessert, wie es lernt, sich von Mensch zu Mensch zu verbreiten, und wie es dann an der effektivsten Version festhält."Die Erreger der neuen Sars-Fälle in in diesem Winter ähneln wieder sehr stark den aus Larvenrollern isolierten Viren - auch ihr S-Protein zählt nicht zu den an den Menschen angepassten Varianten. (beh.)Science, Online-Ausgabe vom 29. Januar
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]