Der Elefant, das Maskottchen der Republikanischen Partei, wird kaum noch vorgeführt. Er ist auch ein Symbol für die großen Tiere, die ihre Wirtschaftsinteressen bei den Republikanern besser als bei den Demokraten aufgehoben wissen. George W. Bush, der republikanische Kandidat, braucht aber vor allem die Stimmen der kleinen Leute, wenn er ins Weiße Haus einziehen will. Er hat nicht vergessen, warum sein Vater 1992 bei der Bewerbung um eine zweite Amtszeit Bill Clinton unterlegen war. Bush senior galt trotz aller außenpolitischen Erfolge - er war der Sieger im Golfkrieg und mehr als Kohl der Vater der deutschen Einheit - als hartherzig gegenüber den Benachteiligten in der amerikanischen Gesellschaft, den Farbigen, den Minderheiten und Minderbemittelten sowie den Frauen.Genau diese Gruppen versucht nun der Junior zu gewinnen. Deshalb muss alles unterbleiben, was sein mit viel Geld aufgebautes neues Image als "Konservativer mit Herz" beeinträchtigen könnte. Dabei hat er es schwer genug. Der Bush-Clan entspricht dem Urbild republikanischer Politiker - wohlhabend, in der Wolle gefärbt weiß und protestantisch, für Waffenbesitz, gegen Schwangerschaftsabbruch und für die Todesstrafe. Als Gouverneur von Texas hat George W. Bush viele dieser Klischees bestätigt. Zu seinen Gunsten kann er aber auf seinen liberalen Umgang mit den Hispanos, der großen Zahl der Einwanderer aus Mexiko, verweisen. Um seinen Sinneswandel glaubwürdig erscheinen zu lassen, hat Bush einen neuen Begriff auf seine Fahnen geschrieben, den Begriff des compassionate conservatism, des mitfühlenden Konservativismus. Dieser sagt ungefähr so viel aus wie Blairs "Dritter Weg" oder Schröders "Neue Mitte", aber immerhin scheint sich trotz der geplanten Privatisierung des Sozialen Sicherheitsdienstes eine wachsende Zahl von Wählern darunter etwas Positives vorstellen zu können, insbesondere Steuersenkungen. In den Umfragen liegt Bush augenblicklich um 12 Prozentpunkte vor seinem demokratischen Gegner Al Gore. Er kämpft noch gegen ein anderes Handicap, den Ruf, nicht übermäßig intelligent zu sein. Zwar hat er Texas gut verwaltet, aber während eines Wirtschaftsbooms, spottete der Londoner "Economist", hätte auch ein "kompletter Idiot" nicht viel falsch machen können. Was ihm an Verstand fehlte, ersetzte er durch Herz, hieß es schon bei Franklin D. Roosevelt, dem Erfinder des New Deal. Dazu gehört das Gefühl für die Wünsche der Menschen und für die Wahl der richtigen Mitarbeiter. Dass er über dieses Gefühl verfügt, versucht Bush mit einem teuren Wahlkampf und einem perfekt organisierten Parteikonvent zu vermitteln. Seine Frau Laura darf das Bildungsprogramm für die Chancengleichheit minderbemittelter Kinder vorstellen. Seine Mitarbeiter Condoleeza Rice, Sicherheitsberaterin seines Vaters, und Colin Powell, Generalstabschef während des Golfkrieges, beide farbig, können den Schwarzen, die bisher zu 80 Prozent demokratisch gewählt haben, das Gefühl geben, dass Bush ihr Vertrauen verdient, zumal beide im Falle des Wahlsieges für hohe Posten vorgesehen sind. Stammwähler, denen der junge Bush bei der republikanischen Traditionspflege zu "soft" erscheint, soll sein Vizepräsidentschaftskandidat Dick Cheney, ehemals Verteidigungsminister seines Vaters, bei der Stange halten. Cheney gilt als Verteidiger der den Parteianhängern teuren "christlichen Werte" und ist den Bushs treu ergeben wie ein Haushund.In einem Punkt ist der compassionate conservatism allerdings hart: Die Rolle der USA als alleinige Weltmacht soll noch für lange Zeit erhalten bleiben. Dafür müsse ihre militärische Macht ausgebaut werden, in erster Linie durch den Aufbau eines nationalen Raketenabwehrsystems. Als außenpolitische Vordenkerin propagiert Condoleeza Rice eine härtere Gangart gegenüber China und Russland. Beider Einwände gegen die nationale Raketenabwehr lässt sie nicht gelten. Wenn Moskau nicht zur Zusammenarbeit bereit sei, könne Washington nichts von einem Alleingang abhalten. Die bisher siegesgewissen Demokraten beginnen Bush jetzt ernst zu nehmen. Dies sollten auch die Europäer tun. Die charmante Condoleeza hat ihnen bereits angekündigt, dass die USA ihre Vormachtrolle in der Nato wieder stärker wahrnehmen müssen.Die bisher siegesgewissen Demokraten beginnen Bush jetzt ernst zu nehmen. Das sollten auch die Europäer tun.
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