Es entsprach nicht gerade den Gepflogenheiten, was die White-House-Journalisten über einen guten Freund von US-Präsident George W. Bush zu lesen bekamen. Silvio Berlusconi, hieß es in der Pressemappe, die in der Air Force One auf dem Weg zum G8-Gipfel in Japan verteilt wurde, sei einer der "kontroversesten Politiker in der Geschichte eines Landes, das bekannt ist für Korruption und seine lasterhaften Regierungen". Damit nicht genug, wird der 71-jährige italienische Regierungschef als Politiker zweifelhaften Rufes dargestellt, als "politischer Dilettant", der nur deshalb so mächtig sei, weil er über ungebührlich viel Einfluss in den Medien verfüge. Schon als Kind habe Berlusconi eine Leidenschaft für Geld entwickelt und mit Eintrittskarten für Marionettentheater viel verdient, später als Student gegen Geld Seminararbeiten verfasst und sich als Sänger auf Kreuzfahrtschiffen verdingt. Heute werde er von vielen Italienern gehasst, viele bewunderten ihn aber auch, weil er immer eine "gute Figur" mache.Der Skandal ließ nicht lange auf sich warten, nachdem ein Journalist der italienischen Nachrichtenagentur Ansa auf das Papier aufmerksam geworden war. Eilends musste der stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses, Tony Fratto, der selbst italienische Wurzeln hat, eine schriftliche Entschuldigung verfassen. Die Darstellung Berlusconis, heißt es dort, sei keine "offizielle Biografie" und entspreche weder der Sichtweise des Präsidenten noch der des amerikanischen Volkes. Bush hatte seinen Freund aus Italien, noch ehe die Presse den Lapsus genüsslich ausschlachtete, im fernen Toyako schon seiner Sympathie versichert. "Ich habe gehört, dass dir die Gerichte wieder Ärger machen", sagte Bush in Anspielung auf ein Korruptionsverfahren gegen Berlusconi - und wähnte sich dabei in dem Glauben, die Mikrofone seien abgeschaltet. "Immer" konterte der Italiener. "Das ist unglaublich", soll Bush gesagt haben.Jetzt wird in Washington der Schuldige für den peinlichen Fehler gesucht. Offenbar hat ein Mitarbeiter des Presseamtes den Text wörtlich der "Encyclopedia of World Biography" entnommen. Seine Stelle dürfte er wohl bald los sein. Da geht es ihm nicht anders als dem Präsidenten.------------------------------Foto : Sein schlechter Ruf eilt ihm voraus.
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