RAHNSDORF. Der Beschluss kam noch rechtzeitig vor dem Bagger: Per einstweiliger Verfügung hat das Landgericht den Abriss des Rettungsturms im Strandbad Müggelsee gestoppt. "Von dem Turm aus kann der ganze See überblickt werden, was wichtig ist für die Sicherheit", sagt Walter Kaczmarczyk, Chef des Bezirkssportbundes Treptow-Köpenick.Der Gerichtsbeschluss ist vorläufiger Höhepunkt eines erbitterten Streits zwischen Bezirk und Bezirkssportbund um die Zukunft des 80-jährigen Traditionsbades am Nordufer des Müggelsees. Das teilweise denkmalgeschützte Strandbad ist das einzige in Berlin, das ganzjährig geöffnet ist - bei kostenfreiem Eintritt. Doch dieses Angebot ist gefährdet, und die daran Beteiligten sind heillos zerstritten.Dabei hatte vor dreieinhalb Jahren alles erfolgversprechend begonnen: Als die Bäderbetriebe das Traditionsbad schließen wollten, griff der Bezirk zu. Er pachtete das 12 000 Quadratmeter große Areal und beauftragte den Bezirkssportbund mit der Betreuung. Seither sorgen Ein-Euro-Jobber dort für Ordnung. Einen Bademeister gibt es zwar nicht mehr, dafür wird auch kein Eintrittsgeld erhoben. Dieses Angebot wird jedes Jahr von mehr als 100 000 Besuchern genutzt. Doch das Strandbad muss dringend saniert werden. Ein Interessenbekundungsverfahren, mit dem der Bezirk Investoren suchte, scheiterte. Die denkmalgeschützten Gebäude wie die Kegelbahn und die weitläufige Terrassenanlage verrotten.Seit Wochen lässt das Bezirksamt alte, nicht geschützte Gebäude abreißen. Die benötige man nicht mehr, sagt Immobilienstadtrat Michael Schneider (Linke). "Denn das Gelände ist eine Grünfläche, auf der Sport getrieben wird, so wie an jeder anderen Badestelle auch." Eine gewidmete Sportanlage sei das Bad nicht. Betonierte Wege wurden renaturiert, alte Kioske und Baracken sind schon weg. Asbest sei dort verbaut worden, was in der Trinkwasserzone II unzulässig sei, so Schneider. Auch im Berliner Flächennutzungsplan ist das Gelände als "Waldfläche mit überwiegend sportlicher Nutzung" ausgewiesen.Für den Bezirkssportbund ist das Bad jedoch eine Sportstätte. Eine Änderung sei nur per Parlamentsbeschluss möglich, sagt Vereinschef Kaczmarczyk. Unterstützung erhält er von der Senatssportverwaltung; auch dort wird von einer "öffentlichen Sportanlage" gesprochen. Die Abrissarbeiten des Bezirks bezeichnet Kaczmarczyk als "behördlichen Vandalismus" und droht mit weiteren juristischen Schritten.Um auch künftig den kostenlosen Zutritt zu gewährleisten, will der Sportbund die Sanierung ehrenamtlich übernehmen. Entsprechende Vorschläge lägen seit Wochen im Bezirksamt - unbeantwortet. Im Bezirksparlament wird heute über einen Antrag der Linksfraktion beraten, das Strandbad in den Bereich des Sportstadtrats zu geben.Immobilienstadtrat Schneider ist die Debatte leid. Es sei vielleicht das Beste, wenn der Bezirk sein Engagement im Strandbad beende, sagt er. Dann könne der Sportbund mit dem Eigentümer der Fläche, den Berliner Forsten, einen neuen Vertrag schließen. Schneider: "Dass etwas Gutes so eklig politisch endet, ist ärgerlich."------------------------------Foto: Der Rettungsturm im Strandbad Müggelsee ist seit gut drei Jahren verwaist, denn Rettungsschwimmer gibt es dort nicht mehr. Deshalb will der Bezirk ihn abreißen. Der Bezirkssportbund will den Turm erhalten. Bei Veranstaltungen im Strandbad sollen dort Ehrenamtliche wachen.
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