Der geplante Abriss der Westtribüne im Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg verzögert sich weiter. Das Berliner Verwaltungsgericht entschied am 13. Februar 2025, dass der Abriss frühestens ab Oktober 2025 beginnen darf. Der Berliner Senat hatte zuvor versucht, die Arbeiten noch vor der Brutzeit von Haussperlingen und Fledermäusen zu starten, doch das Gericht lehnte diesen Antrag ab. Hintergrund der Entscheidung sind vehemente Einwände von Umweltverbänden und Bürgerinitiativen, die die Ersatzmaßnahmen für betroffene Tierarten als unzureichend bewerten.
Insbesondere kritisierte das Gericht das von der Senatsverwaltung vorgelegte Konzept für Ersatzniststätten. Dieses reiche nicht aus, um den geforderten Artenschutz zu garantieren. Obwohl der Senat kurzfristig Holzgerüste mit Nistkästen aufstellen ließ, sah das Gericht diese Maßnahmen als nicht ausreichend an. Die Richter bemängelten, dass die „hohe Annahmewahrscheinlichkeit“ der neuen Nistplätze nicht gegeben sei, da diese erst kurz vor dem geplanten Abriss errichtet wurden. Laut Umweltverbänden habe der Senat versäumt, ein überzeugendes Ausgleichskonzept vorzulegen.
Die Bürgerinitiative Jahnsportpark und die NaturFreunde Berlin begrüßen das Urteil und sehen es als bedeutenden Erfolg für den Artenschutz. Sie kritisierten den Senat scharf dafür, rechtzeitig adäquate Ersatzmaßnahmen zu planen. Das Auftreten der Senatsverwaltung wurde als „beschämend“ bezeichnet. Vertreter der Initiativen lobten das Urteil als klares Signal, dass Naturschutzrecht nicht ignoriert werden dürfe. Uwe Hiksch von den NaturFreunden betonte, dass weder Investoren noch Senatsverwaltungen Planungen an europäischem und nationalem Naturschutzrecht vorbeiführen dürften.
Die Bürgerinitiative Jahnsportpark schreibt zu dem Urteil: „Im Tauziehen um den Artenschutz im Jahn-Sportpark konnte der nächste Vernichtungsschlag abgewendet werden: Ende Januar hatte die Senatsverwaltung den Antrag gestellt, doch noch schnell vor Beginn der Brutzeit im März die Westtribüne abzureißen, was zu einer Zerstörung der Niststätten der größten Sperlingskolonie und aller Fledermausquartiere im Stadion geführt hätte.“ Erneut habe Senator Gaebler versucht, „zusammen mit dem beauftragten Gutachterbüro das vorgeschriebene Prüfverfahren der Naturschutzbehörde zu übergehen und mit dem Abriss vollendete Fakten zu schaffen“. Wieder sollte – wie so oft in Berlin – der Artenschutz hinter angebliche Bauzwängen zurückstehen: „Hektischer Aktionismus und wildes Rumgemurkse mit Holzbrettern konnten aber auch das Gericht nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Senat es jahrelang versäumt hat, rechtzeitig geeignete und den gesetzlichen Vorgaben entsprechende Ersatzmaßnahmen bereitzustellen.“ Bürgerinitiative und die NaturFreunde lehnen das „überdimensionierte Prestigeprojekt ab und fordern stattdessen einen komplett neuen Planungsansatz“. Die Planungen des Senats seien„ klima- und finanzpolitisch vollkommen aus der Zeit gefallen, die Prioritäten bei der Finanzmittelallokation mehr als fragwürdig“.
Trotz des gerichtlichen Entscheids hält der Berliner Senat an seinen Plänen für einen Neubau des Stadions fest. Gegner dieses Projekts kritisieren die für das Vorhaben veranschlagten Kosten von rund 200 Millionen Euro, sowie die negativen Auswirkungen auf das Stadtklima, die aus ihrer Sicht durch mangelnde Nachhaltigkeit entstehen. Zudem sehen sie das Projekt in Konflikt mit städtischen Umweltstrategien, wie dem Berliner Stadtgrün-Konzept und dem Schwammstadtkonzept. Die Bürgerinitiative argumentiert, dass die Versiegelung von Flächen und der Verlust von Nistplätzen nicht hinreichend berücksichtigt wurden.
Die Senatsverwaltung erhält Unterstützung vom Landessportbund Berlin, der das Projekt „im Sinne der Inklusion“ vorantreiben möchte. Es wird erwartet, dass der Senat gegen das Urteil Beschwerde einlegt, um den Abriss und den Neubau des Stadions voranzutreiben. Gleichzeitig setzen sich Umweltverbände und Anwohner für eine umweltfreundlichere Alternative ein. Ob das Stadionprojekt ab Oktober 2025 wie geplant umgesetzt wird oder eine neue Planung erforderlich ist, bleibt abzuwarten.
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