Als Stadttheater für Berlin hat sich das Maxim Gorki Theater in dieser Spielzeit das Motto "Korrekturen - die Geschichte ist nicht zu Ende" auf die Fahne geschrieben. Ein Jahr lang soll es um die jüngste deutsche Geschichte gehen. Im Spiegel literarischer Texte der letzten 60 Jahre wird ein Bild der Geschichte zusammengesetzt, ein Bild, das Vorurteile und Klischees korrigiert und zugleich auf die Korrekturbedürftigkeit der Gegenwart hinweist.Mit ihrem Kinderroman-Zyklus "Tintenherz" hat Cornelia Funke die korrigierende Kraft von Büchern zum Thema gemacht. Dass Geschichten die Welt verändern können, erfährt Meggie am eigenen Leib. Ihr Vater, der Buchbinder Mo, verfügt über die seltene Gabe, erfundene Gestalten zum Leben zu "erlesen". Die Figuren der Geschichten werden lebendig. Nach der erfolgreichen Inszenierung des ersten Teils in der vergangenen Spielzeit kommt nun im Maxim Gorki Theater mit "Tintenblut" der zweite Teil der Trilogie auf die Bühne. Diesmal führt der Weg mit Meggie, Mo und ihren Gefährten tief in die abenteuerliche Tintenwelt hinein. Der Zauber des Buches "Tintenherz" lässt Meggie nicht los. Als der Gaukler Staubfinger, den Meggies Vater Mo einst aus der Geschichte herausgelesen hat, in die Tintenwelt zurückkehrt, folgt sie ihm. Sie möchte den Weglosen Wald durchwandern, dem schönen Prinzen Cosimo begegnen und endlich einmal echte Feen sehen. Vor allem aber will sie Staubfinger warnen, denn auch der grausame Basta ist nicht weit. Doch die Welt, die Meggie vorfindet, hat wenig Ähnlichkeit mit dem Land ihrer Fantasie. Prinz Cosimo ist tot, sein Vater, der Speckfürst, liegt im Sterben und der dunkle Fürst Natternkopf greift nach der Macht. Da findet sich selbst der Dichter Fenoglio in seinem eigenen Buch nicht mehr zurecht.Der junge Regisseur Sascha Hargesheimer inszeniert "Tintenblut" für das Maxim Gorki Theater. Mit "Die Geschichte vom Blauen Planeten" konnte er bereits in der vergangenen Spielzeit sein Talent im Umgang mit Theater für junge und jüngste Zuschauer unter Beweis stellen."KORREKTUREN"Während es in "Tintenblut" um die Macht der Literatur geht, erfundene Geschichten zur Realität werden zu lassen, arbeitet die Reihe zum Spielzeitmotto "Korrekturen" an der Geschichte: in kleineren Inszenierungen, szenischen Lesungen und Performances sollen Brücken zwischen gestern und heute geschlagen werden. Im Februar stellte das Maxim Gorki Theater bereits einige dieser Arbeiten in einem thematischen Theaterspektakel vor, das begeisterten Zuspruch fand. Im März wird Frank Abts Adaption des Films "Sieben Brüder" zu sehen sein, der die Lebensläufe von sieben Brüdern aus dem Ruhrgebiet portraitiert. Mit Ulrich Plenzdorfs "kein runter kein fern" zeigt Ronny Jakubaschk anhand einer kleinen Geschichte die großen Spannungen der DDR der achtziger Jahre, der musikalisch-lyrische Abend "All die toten Albaner auf meinem Surfbrett" portraitiert den viel zu früh verstorbenen Dichter der DDR-Punk-Szene Matthias BAADER-Holst, und mit "Der Fremde" von Albert Camus in einer Inszenierung des französischen Regisseurs Mikaël Serre erweitert die Reihe ihren Blick in Richtung der europäischen Grenzen.Cornelia Funkes "Tintenblut" fragt nach Lebensmöglichkeiten jenseits des Lebens, das wir führen. Der Blick zurück ist in diesem Sinne immer auch ein Blick auf uns selbst. Dass die Geschichte nicht zu Ende ist, soll kein Hinderungsgrund sein, doch noch ein vorläufiges Ende anzukündigen. Am 25. März wird Uschi Werner zum letzten Mal in dieser Spielzeit ihre famose Interpretation der Mutter Wolffen in Gerhart Hauptmanns "Der Biberpelz" zum Besten geben. Inszeniert als kerniger Ost-Western wurde diese Komödie am Maxim Gorki Theater zur Inszenierung der Herzen, die zeigt, dass die Auseinandersetzung mit Korrekturen weder das Gegenteil von lustig noch von unterhaltsam sein muss. Viel Spaß. ------------------------------Tintenblut von Cornelia Funke.Theaterfassung von Robert Koall.Ein Familienstück für alle ab 10 Jahren.Regie: Sascha Hargesheimer, Bühne und Kostüme: Julia Ries, Musik: Tilmann Dehnhard.Es spielen: Diana Neumann, Iringó Réti, Miriam Wagner; Ulrich Anschütz, Thomas Fränzel, Christian Kerepeszki.PREMIERE am 28. März.7 Brüdernach dem gleichnamigen Film von Sebastian Winkels.Regie: Frank Abt, Bühne und Kostüm: Julia Ries.Es spielt: Jörg Kleemann.PREMIERE am 20. März, weitere Vorstellung am 22. März im Gorki Studio.Kein runter kein fernvon Ulrich Plenzdorf.Regie: Ronny Jakubaschk, Bühne und Kostüm: Karoline Bierner, Musik: Sebastian Bandt.Es spielen: Andreas Leupold, Arthur Romanowski.PREMIERE am 22. März, weitere Vorstellung am 24. März im Foyer.All die toten Albaner auf dem Surfbrett - PerformanceTexte von Matthias BAADER Holst.Regie: Armin Petras, Bühne: Ulrike Siegrist, Kostüm: Dorothee Scheiffarth, Musik: Tatjana, Trötsch, Benno Verch.Es spielen: Christina Große; Gunnar Teuber.Am 29. März.Der Fremdevon Albert Camus.Regie: Mikaël Serre, Bühne und Kostüm: Vera Koch.Es spielen: Johannes Kühn, Leon Ullrich.PREMIERE am 29. März im Foyer.Der Biberpelzvon Gerhart Hauptmann.Regie: Armin Petras, Ronny Jakubaschk, Bühne: Annette Riedel, Kostüme: Hanne Günther.Es spielen: Anika Baumann, Britta Hammelstein, Ursula Werner; Michael Klammer, Horst Kotterba, Robert Kuchenbuch, Andreas Leupold, Tim Hoffmann, Wolfgang Hosfeld, Gunnar Teuber.ZUM LETZTEN MAL in dieser Spielzeit am 25. März.MAXIM GORKI THEATER BERLINAm Festungsgraben 2, 10117 BerlinKarten und Informationen unter Telefon: (030) 20 22 11 15www.gorki.de------------------------------Foto: Am 25. März zum letzten Mal in dieser Spielzeit: Der Biberpelz von Gerhart Hauptmann. Mit Ursula Werner als Mutter Wolffen, Michael Klammer, Wolfgang Hosfeld u. v. a.
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