Geschmacksgrenzgängerin

Andreas Kurtz
3 Min

Das besinnliche Wort zu den Abendnachrichten kommt diesmal von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse: "Nur immer mal mit schlechtem Gewissen abendliche Fernsehnachrichten zu sehen, das reicht nicht." Und der Mahner Thierse lässt uns nicht mit diesem Vorwurf allein, er zeigt auch den Weg zur Erleichterung des Gewissens: "Terre des hommes gibt uns die Chance, Gutes zu tun." Diese Worte fielen - zur besonderern Freude der versammelten Chefetage der Hilfsorganisation - am Montagabend bei der Benefizgala "Lernen fürs Leben" im Tipi am Kanzleramt. Die wurde von der ehemaligen Tagesschau-Frau Dagmar Berghoff gemeinsam mit dem Sportmoderator und Comedy-Fachmann Oliver Welke moderiert. Künstler wie der Komödiant Eckart von Hirschhausen, Schauspieler Christian Brückner, das Ensemble des Kabaretts "Die Distel", Pianist Rolf Hammermüller und Zauberer Ralf Berge sorgten für Unterhaltung. Und Christiane Gräfin zu Rantzau, die Chefin der Hamburger Niederlassung des Auktionshauses Christie's, versuchte mit Schmeicheleien und Publikumsbeschimpfungen die Gebote bei der Versteigerung von 40 gespendeten Dingen oder Gelegenheiten in die Höhe zu treiben. Wobei es leider auch zu Entgleisungen kam. So pries sie eine Führung durch das Museum Berggruen mit persönlicher Begrüßung durch den Sammler Heinz Berggruen mit Geschmacksgrenzen überschreitenden Worten an: "Eine einmalige Gelegenheit - der Mann ist 90 Jahre."TV-Moderatorin Barbara Schöneberger ("Blondes Gift") sollte eigentlich nur ein Abendkleid der Designerin Anna von Griesheim vorführen, ließ sich dann aber zur Abgabe eines eigenen Gebots hinreißen. Nach ihrem "800 Euro!" sprach Welke leicht hinterlistig zum Publikum: "Sie dürfen ihr jetzt keinen Streich spielen!" Am Ende ging das Kleid an die Sängerin Gitte Haenning. Die war zuvor durch lautes Schwatzen unangenehm aufgefallen und bot nach der Ermahnung durch die Auktionatorin vor Schreck mit, was sie um ein Anna-von-Griesheim-Kleid nach ihren Maßen (die mit denen von Barbara Schöneberger nicht so viel zu tun haben) reicher und 1 300 Euro ärmer hinterließ.----Es gibt Wörter, die einander magnetisch anziehen. Zum Beispiel Märchen und Prinz. Und so passt es natürlich ganz hervorragend, dass in Vorbereitung des 200. Geburtstages des dänischen Märchendichters Hans Christian Andersen nicht irgendwer die deutschen Hans-Christian-Andersen-Botschafter (darunter Nina Hagen, Sandra Maischberger und Katja Riemann) ernennt, sondern Kronprinz Frederik von Dänemark. Der reist dafür am 8. November extra nach Berlin. Und weil er seine Kronprinzessin Mary auch gleich mitbringt, haben monarchistische Fähnchenschwenker, von denen es in Berlin erstaunlich viele gibt, am 8. November ab 10.30 Uhr vor dem Roten Rathaus viel zu gucken und zu bejubeln.------------------------------Foto: Barbara Schöneberger in einem Kleid von Anna von Griesheim------------------------------Foto: Christiane Gräfin zu Rantzau, Auktionatorin

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