Für Reisende in Ostdeutschland bleiben direkte Ryanair-Flüge von Leipzig/Halle und Dresden auch im Sommer 2027 ein Wunschtraum. Entsprechende Gespräche über den Sommerflugplan 2027 sind ohne Einigung beendet worden. Das bestätigten sowohl die Fluggesellschaft als auch die Mitteldeutsche Flughafen AG (MFAG). Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.
Bis März 2025 hatte Ryanair Leipzig/Halle mit London und Dresden mit Mallorca verbunden. Ob die Strecken zurückkehren, ist offen. Die Airline teilte mit, sie sei weiter im Gespräch über mögliche Flüge im Winter 2027/28. Konkrete Ziele oder Zusagen gebe es aber nicht.
Zu Beginn der 2000er Jahre flog die irische Fluggesellschaft mit der gelben Harfe im Firmenlogo auch noch ab Magdeburg-Cochstedt und Leipzig-Altenburg nach London, Edinburgh, Girona, Alicante oder Gran Canaria. Klein war damals „fine“ – per Shuttlebus ging es von Altenburg-Nobis beispielsweise zum Leipziger Hauptbahnhof. Provinz war damals kein Nachteil, sondern Kostenvorteil. Tatsächlich ließ sich Firmengründer Michael O'Leary seine Flieger am Zielflughafen immer gut bezahlen.
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MehrAllerdings entschied die Europäische Kommission im Oktober 2014, dass die finanziellen Zuwendungen und Marketingzuschüsse an die Fluggesellschaft gegen EU-Beihilferecht verstießen. Ryanair machte den Abflug, steuerte Halle/Leipzig stattdessen an. Doch auch dort war am 1. April letzten Jahres wieder Schluss mit der Verbindung nach London-Stansted.
Streit um Standortkosten
Für die gescheiterten Verhandlungen machen beide Seiten vor allem die Kosten am Standort verantwortlich. Die MFAG erklärte, sie sei mit ihrem Angebot wirtschaftlich „bis an ihre Grenze“ gegangen. Für eine Airline seien aber auch staatlich bestimmte Kosten und Luftsicherheitskosten entscheidend, auf die ein Flughafenbetreiber keinen oder nur begrenzten Einfluss habe. Insgesamt seien die Konditionen nicht wettbewerbsfähig genug gewesen, um Ryanair für 2027 zu gewinnen, so ein Flughafensprecher gegenüber der dpa.
Ein Ryanair-Sprecher verwies unter anderem auf die deutsche Luftverkehrsteuer. Sie beträgt bei Flügen innerhalb Europas rund 13 Euro je Passagier und wird beim Abflug von einem deutschen Flughafen fällig. Hinzu kämen hohe Sicherheits- und Flughafenentgelte. Bei einem durchschnittlichen Ryanair-Ticketpreis von 46 Euro im europäischen Streckennetz sei das Gesamtpaket zu teuer.
Gähnende Leere am Flughafen Dresden - kein Geschäftsmodell für Ryanair.
© Daniel Scholz für Ostdeutsche Allgemeine
Kein Einzelfall, sondern Strategie
Der Rückzug aus Mitteldeutschland ist Teil eines längeren Kurses. Schon im August 2025 kündigte Ryanair an, im Winterflugplan 800.000 Sitzplätze und 24 Strecken an neun deutschen Flughäfen zu streichen, darunter Berlin-Brandenburg, Hamburg und Köln/Bonn. Dortmund, Dresden und Leipzig wollte die Airline weiterhin nicht anfliegen. Im Winter 2024/25 hatte Ryanair nach eigenen Angaben rund 7,2 Millionen Fluggäste in Deutschland. Die Kürzungen verband das Unternehmen offen mit Kritik an der Bundesregierung, die die hohen Zugangskosten nicht senke.
Inzwischen hat Berlin reagiert: Die Luftverkehrsteuer ist seit Juli 2026 gesenkt, die Flugsicherungsgebühren werden eingefroren. Ryanair stockte daraufhin das Angebot für den Sommer 2026 um 300.000 Sitzplätze auf und nahm Saarbrücken und Friedrichshafen neu ins Netz.
Profitiert haben vor allem kleinere Flughäfen, die laut Airline mit ihr an Kostensenkungen gearbeitet haben, etwa Köln/Bonn, Weeze, Memmingen und Bremen. Die angebotenen Kostensenkungen in Leipzig/Halle und Dresden hingegen reichten nicht aus. Die irische Airline fliegt nicht auf den Osten.
An teuren Standorten wie Berlin und Hamburg kürzt Ryanair weiter. Die Gesamtkapazität in Deutschland liegt im Sommer 2026 um 220.000 Sitze unter dem Vorjahr.
Ryanair-Chef Michael O'Leary posiert 2013 am Flughafen Leipzig/Halle freizügig für die Fotografen. Damals ging der erste Ryanair-Flug ab Leipzig/Halle in die Welt.
© Jan Woitas/dpa
Ryanair kann sich den Verzicht leisten
Dass die Airline auf Märkte verzichtet, liegt auch an ihrer Stärke. Im Geschäftsjahr bis März 2026 stieg der Gewinn nach Steuern um 40 Prozent auf den Rekordwert von 2,26 Milliarden Euro, der Umsatz um 11 Prozent auf 15,54 Milliarden Euro.
Die Passagierzahl wuchs um 4 Prozent auf 208,4 Millionen. Im Juni 2026 meldete Ryanair mit 21,2 Millionen Fluggästen einen neuen Monatsrekord. In ganz Deutschland befördert Ryanair nur rund 7 Millionen Passagiere, ist also global eher ein kleiner Markt.
Daraus folgt: Ryanair kann es sich leisten, auf Deutschland zu verzichten, weil Boeing-Lieferungen und Flugzeuge knapp sind und die Airline ihre Kapazitäten dorthin verlagert, wo es weniger kostet. Sie nennt das selbst Umschichtung in Märkte mit niedrigeren Steuern.
Sachsen-Flughäfen erstmals mit Überschuss
Die Mitteldeutsche Flughafen AG, zu der die Airports in Dresden und Leipzig/Halle gehören, fährt seit Jahren Millionenverluste ein und konnte nur mit Finanzspritzen des Freistaats Sachsen überleben, der auch Mitgesellschafter der MFAG ist.
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Im letzten Jahr wurde erstmals bei einem Umsatz von über 200 Millionen Euro ein Überschuss von 10,5 Millionen Euro erwirtschaftet, so die MFAG. Im Vorjahr fuhr die Gesellschaft mit 53,5 Millionen Euro noch den höchsten Verlust ihrer Geschichte ein. Ein Sparprogramm mit knapp 200 Entlassungen war die Folge.
Die Sanierung wurde im Juli nach Angaben des Unternehmens früher als geplant abgeschlossen. Die nach wie vor bestehende Finanzierungslücke von rund 145 Mio. Euro wurde mit neuen Bankkrediten und Gesellschafterzuschüssen geschlossen. Nun sei die Finanzierung bis 2038 gesichert.
Die Gesellschaft bedauerte die Entscheidung, will aber weiter um Ryanair im Winterflugplan 2027/28 werben. Ziel müsse sein, die Standortkosten für den Luftverkehr in Deutschland deutlich zu senken.
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