Strandung

Gestrandeter Buckelwal vor Poel: Tierschützer lehnen Bergung mit Lastkahn ab

Eine absenkbare Barge soll den Meeressäuger aus der Wismarbucht bringen. Die Organisation WDC warnt vor zusätzlichem Leid für das Tier.

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Helfer besprühen den Wal mit Wasser.

Helfer besprühen den Wal mit Wasser.

© Philip Dulian/dpa

Tierschützer haben die Überlegungen zur Bergung des vor der Ostseeinsel Poel gestrandeten Buckelwals mit einer absenkbaren Barge zurückgewiesen. Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) hält das Vorgehen für ungeeignet und befürchtet zusätzliches Leid für das Tier.

„Das ist aus unserer Sicht nicht als minimalinvasiv einzuschätzen und kann zu Stress für den Wal führen – das halten wir nicht für zielführend“, sagte WDC-Sprecherin Bianca König. Da ihr das konkrete Konzept nicht vorliege, könne sie das Prozedere allerdings nur aus der Ferne bewerten.

Zu befürchten seien Leid und Stress für das Tier, sagte König weiter. Auch nach einem solchen Transport sei der Wal nicht gerettet. Die Organisation sprach sich dafür aus, das Tier in Ruhe zu lassen und allenfalls palliative Maßnahmen zu ergreifen. Zudem solle mit Hilfe internationaler Fachleute erneut geprüft werden, wie der Wal von seinem Leid erlöst werden könne.

Wal liegt regungslos auf Sandbank

An der Lage des seit dreieinhalb Wochen in einer flachen Bucht vor Poel festliegenden Buckelwals hat sich am Donnerstag zunächst nichts geändert. Auf Livebildern war zu sehen, dass das Tier praktisch regungslos auf einer Sandbank nahe dem Ausgang der Bucht lag. Größere Aktivitäten der privaten Rettungsinitiative waren zunächst nicht zu sehen, zeitweise war ein Helfer bei dem Meeressäuger.

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Die Behörden dulden den Rettungsversuch der privaten Initiative für das von Fachleuten bereits aufgegebene und mutmaßlich schwerkranke Tier. Der Wal war seit Anfang März vor der Ostseeküste umhergeirrt und dabei wiederholt gestrandet. Ursprünglich sah das Konzept vor, ihn mit einem System aus Luftkissen und Pontons zu heben und in die Nordsee zu schleppen. Nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) ist dieser Plan inzwischen nicht mehr aktuell. „Wir brauchen jetzt einen neuen Plan – daran wird gearbeitet“, sagte er am Mittwoch.

Absenkbarer Lastkahn auf dem Weg

Für den Transport des rund zwölf Meter langen Buckelwals wird nun der Einsatz einer etwa 15 Meter breiten, absenkbaren Barge erwogen. Dabei handelt es sich um eine Art nicht selbstfahrenden Lastkahn, der von Schleppern gezogen wird. Das Konzept sehe den Einsatz von zwei Schleppern vor Ort vor, hieß es aus der Rettungsinitiative.

„Ich möchte das Tier endlich verbringen“, sagte die Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die gemeinsam mit Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz das Projekt finanziert. Man arbeite „weiter mit Hochdruck“ an der Rettung.

Der Chef des von der Initiative beauftragten Baggerunternehmens, Fred Babbel, kündigte an, dass vom jetzigen Liegeplatz des Wals eine 110 Meter lange, zehn Meter breite und zwei Meter tiefe Rinne zum Fahrwasser freigebaggert werden soll: „Das müssten wir in gut zwei Tagen schaffen.“ Ein weiterer Bagger, der bei der Strandung vor Timmendorfer Strand im Einsatz war, solle „heute oder morgen früh“ eintreffen.

Die Barge sei aus dem Hamburger Raum in Richtung Wismarbucht unterwegs, sagte ein Mitglied der Initiative. Wann sie eintreffe, sei nicht klar. Die Anfahrt brauche Zeit, da der Lastkahn nur mit einer Geschwindigkeit von fünf Knoten – etwa neun Kilometern in der Stunde – fahre und den Nord-Ostsee-Kanal passieren müsse. Allein dies werde rund einen Tag in Anspruch nehmen. Geplant sei zudem ein Zwischenstopp in einer Werft in Wismar. Beim Umweltministerium wollte man sich vor einer Lagebesprechung nicht zu Details äußern.

Auch die Umweltschutzorganisation Nabu hatte die Rettungsaktion am Mittwoch kritisiert. Der Wal sei „zu geschwächt und zu krank“, erklärte der Verband. Viele Fachleute bezweifeln, dass dem Tier angesichts massiver gesundheitlicher Probleme noch geholfen werden kann.

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