Die Polizei hat im Fall zweier getöteter Babys aus Schwarzenberg und dem tschechischen Rotava erneut die Bevölkerung um Mithilfe gebeten. In der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst International“ rückten die Ermittler den Fall wieder ins Blickfeld, der rund 14 Jahre zurückreicht.
Die Babyleichen von Schwarzenberg geben den Kriminalisten bis heute Rätsel auf. Wer sind die Eltern der beiden Jungen, und unter welchen Umständen starben die Brüder? Nach Angaben der Polizeidirektion Zwickau gibt es derzeit keine neuen Erkenntnisse.
Zwei getötete Jungen, ein DNA-Treffer: Was die Fälle verbindet
Auf den ersten Blick wirkte es wie zwei getrennte Fälle: rund 30 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt, über die Grenze hinweg. Eine DNA-Analyse brachte den Zusammenhang ans Licht – bei den beiden getöteten Jungen handelt es sich um Brüder.
Laut Polizei Sachsen stimmt nicht nur das genetische Profil der Mutter überein, sondern höchstwahrscheinlich auch das des Vaters. Wo die Mutter lebt, ist offen. Die Ermittler vermuten sie allerdings in der Nähe des Fundorts in Schwarzenberg.
Fund im Kleidercontainer: Was am 19. Januar 2011 geschah
Den ersten Jungen entdeckte der Fahrer einer Entsorgungsfirma am 19. Januar 2011 im Schwarzenberger Stadtteil Sonnenleithe. Beim Sortieren fand er in einem Altkleidercontainer einen Plastikbeutel – darin die Leiche eines Babys.
Der Container stand auf dem Parkplatz eines Frischmarkts an der Sachsenfelder Straße. Eingewickelt war das Kind in eine Tüte mit Weihnachtsmotiven.
Rechtsmedizinisch ließ sich belegen, dass das Neugeborene nach der Geburt zumindest für kurze Zeit am Leben war, ehe es erstickt wurde. Später wurde der Junge unter dem Namen Max Winter beerdigt.
Zweiter Fund in Rotava: der Bruder im Straßengraben
Gut ein Jahr später kam der zweite Fund. Am 2. Juni 2012 lag die Leiche des zweiten Jungen in einem Straßengraben der S 210 zwischen dem tschechischen Rotava und Kraslice, unweit von Karlovy Vary (Karlsbad). Auch dieses Baby lebte nach Angaben der Ermittler nur wenige Stunden und wurde unmittelbar nach der Geburt getötet.
An einem der Fundorte sicherten die Ermittler Teile der Nabelschnur. Daraus ließ sich laut Polizei das vollständige DNA-Profil der Mutter erstellen – gespeichert in einer europaweit abrufbaren Datei.
„Die ist europaweit verfügbar, also wenn die Mutter europaweit irgendwo mit ihrer DNA auffällig wird, dann erfahren wir davon“, erklärte Polizeioberkommissar Christian Schünemann im MDR-Format „Kripo live“.
Wie dieser Abgleich funktioniert, zeigte ein anderer Fall: Ende Dezember 2020 wurde in Karlovy Vary eine getötete Babyleiche gefunden, im Januar 2021 eine 33-jährige Frau aus dem Baltikum festgenommen. Die Analyse ergab jedoch keine Verbindung zur Mutter der Schwarzenberg-Brüder.
Phantombild einer unbekannten Frau: Wen die Polizei sucht
Schon im Dezember 2019 veröffentlichten die Ermittler ein Phantombild. Ein Zeuge hatte zwischen dem 4. und 19. Januar 2011 auf dem Parkplatz des damaligen Frischemarkts eine Frau beobachtet, die einen Beutel in den Altkleidercontainer warf.
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Beschrieben wird sie als etwa 40 bis 45 Jahre alt, 160 bis 165 Zentimeter groß und schlank. Auffällig sind die glatten, schulterlangen, schwarz getönten Haare mit Pony und mehreren roten Strähnchen vorn rechts. Ob die Frau mit der Tat zu tun hat, ist offen. Nach Darstellung der Polizei ließe sich das über einen DNA-Test zweifelsfrei klären.
Massen-Gentests und tausende Hinweise: Warum der Fall offen ist
Die Suche nach der Mutter läuft seit Jahren mit großem Aufwand. Zwei Massen-Gentests an rund 2600 Frauen aus der Region blieben ohne Ergebnis. Mehreren tausend Hinweisen sind die Kriminalisten bereits nachgegangen. Eine heiße Spur war bislang nicht darunter.
Bei einem früheren Appell im MDR-Format „Kripo live“ zeigte die Polizei zudem erstmals ein Handtuch, das beim Leichnam in Schwarzenberg gefunden worden war.
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