Ein Babybett steht in einem abgedunkelten Raum, die Möbel stehen dicht beieinander. Ein Bild aus einer der wenigen Notunterkünfte für Männer in Deutschland wird bei einer Fachtagung an die Wand geworfen. Bundesweit gibt es zwölf Einrichtungen und gerade einmal 43 Plätze in Schutzeinrichtungen für Männer, die es zu Hause nicht mehr aushalten. Keine einzige davon in Berlin.
Bei der Fachtagung „Von der Scham zur Hilfe – Männer als Betroffene häuslicher Gewalt“ im Refugio Neukölln geht es um diesen Notstand. Der Weiße Ring Berlin, die Opferhilfe Berlin e.V. und das Bündnis Berlin gegen Gewalt haben sich getroffen. Zwar fehlten auch mehr Hilfsangebote für Frauen – trotzdem müsse man sich auch um die Männer kümmern, die von Gewalt betroffen sind. Sie machen 20 Prozent der Opfer aus.
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Es gibt Statistiken, doch die Studienlage ist dünn. 2025 soll es in Niedersachsen eine neue Dunkelfeldstudie geben. Das Methodendesign soll sowohl Männer als auch Frauen in den Blick nehmen, damit die Zahlen vergleichbar sind.
Von Gewalt betroffen seien Männer nicht nur im partnerschaftlichen Kontext, wie mehrere Referenten klarstellen. Vor allem Jungs seien oft betroffen und die Gewalt gehe auch von anderen Männern aus. Die bundesweiten Hilfsangebote würden aber eher auf häusliche Gewalt bezogen wahr- und angenommen.
Hilfstelefon gegen Gewalt an Männern bisher nur mit zwei Leitungen
Das Hilfetelefon gegen Gewalt an Männern bietet bundesweit eine erste Anlaufstelle – auch für andere Formen der Gewalt wie Zwangsheirat, Gewalt unter Männern und durch Verwandte. Die Sprechzeiten sind begrenzt und es gibt bisher nur zwei Leitungen. „Da ist jemand, der Gewalt erfahren hat und ruft sogar an“, sagt Björn Süfke von Man-o-mann Bielefeld. „Und wir können nicht rangehen.“ Er seufzt schwer, bevor er seinen Vortrag fortsetzt.
Die Beratungsangebote müssten ausgebaut werden. Gerade in der Hauptstadt, das ist bereits bei der Begrüßung Thema. „In Berlin gibt es keine belastbaren Daten und keine Hilfestrukturen“, sagt Klaus Zuch, Leiter der Abteilung für Öffentliche Sicherheit und Ordnung im Berliner Senat. Hilfsangebote seien auch Gewaltprävention, da Opfer zu Tätern werden. „Die Hürde ist hoch, die Taten anzuzeigen“, sagt Zuch. Er vermutet dahinter ein „lähmendes Rollenverständnis“ und Scham.
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Die meisten Gewalttaten bleiben ungezählt. Männer brauchen oft Jahre, bis sie in Krisensituationen um Hilfe bitten. Im Schnitt 69 Monate bei psychischen Problemen und 22 Monate in Bezug auf die Schutzeinrichtungen. Zum Vergleich: Bei Frauen dauert es im Schnitt neun Monate, bis sie sich bei psychischen Problemen Hilfe suchen.
Ein Redner fordert, Gewalt gegenüber Männern in die Istanbul-Konvention aufzunehmen und die Förderung auszubauen. Bislang bekämpft das internationale Abkommen geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Hilfsangebote hätten zudem eine Signalwirkung: Wenn es sie gibt, wissen Betroffene, dass sie nicht allein sind.
Hilfetelefon für Männer:
0800 123 99 00
Freitag 8 bis 15 Uhr
Chatberatung Montag bis Donnerstagnachmittag
https://www.maennerhilfetelefon.de/
[email protected]
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