DUISBURG. Die Mitarbeiter von Deutschlands größtem Stahlkonzern ThyssenKrupp sind fassungslos: "Wir haben von der großen Sauerei aus den Nachrichtenagenturen erfahren", sagt Bernd Kruse, Betriebsrat der Stahlarbeiter bei ThyssenKrupp zur Berliner Zeitung. Die große Sauerei - das sind bis zu dreitausend Arbeitsplätze, die laut Medienberichten im Stahl-, im Schiffbau und im Autozuliefergeschäft auf dem Spiel stehen.Stahlsparte verliert an BedeutungThyssenKrupp hatte erst am Donnerstag einen fundamentalen Umbau verkündet: Die Sparten Stahl, Edelstahl und Services sollen zukünftig zusammen gefasst werden. Die Chefs der Bereiche Stahl, Karl-Ulrich Köhler, und Edelstahl, Jürgen H. Fechter, sollen bereits Ende März ausscheiden. Das bedeutet auch: Der bislang so lukrative Stahl-Bereich, der die Macht der Familien Thyssen und Krupp einst begründete, wird an Bedeutung verlieren. Durch die Sparten-Fusion sollen jährlich 500 Millionen Euro eingespart werden."Der ThyssenKrupp-Konzern muss sich entscheiden, ob er mit oder gegen die Mitarbeiter sein Unternehmen neu ausrichten will", sagt Detlef Wetzel, Vizechef der IG-Metall. "Betriebsbedingte Kündigungen werden wir in keinem Fall mittragen." Die Sicherung der Standorte und Arbeitsplätze sowie der Mitbestimmung habe Priorität.Wetzel spielt auf das so genannte Montan-Mitbestimmungsgesetz an, das den Mitarbeitern in der Stahlbranche bislang besondere Mitspracherechte im Aufsichtsrat garantiert. Von der Neuausrichtung des Konzerns hat die Führungsspitze die Betriebsräte allerdings nicht informiert. Nun fordert Wetzel für die Aufsichtsratssitzung am 27. März konkrete Zukunftspläne. "Einfache Kostensenkungen sind noch lange kein Konzept", so Wetzel.Schon im vergangenen Februar hatte Konzernchef Ekkehard Schulz einen nicht näher bezifferten Personalabbau angekündigt. Im Zeitraum von Anfang Oktober bis Ende Februar seien in dem Konzern weltweit bereits 3 000 Stellen gestrichen worden, so Schulz damals. 2 000 davon waren Leiharbeiter, die von einem Tag auf den anderen vor die Tür gesetzt werden können. Schulz schloss schon damals einen weiteren Stellenabbau nicht aus. Seit Februar fuhr der Konzern Kurzarbeit für zehntausend Mitarbeiter in Duisburg.Grund für die schlechten Zahlen des Konzerns sind aus dem Ruder gelaufene internationale Investitionen und sinkende Auftragszahlen. Die weltweite Stahlproduktion ist allein im Februar im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als ein Fünftel gesunken. Insgesamt seien 84 Millionen Tonnen Rohstahl produziert worden, teilte der Weltstahlverband Worldsteel am Freitag mit.Bislang will sich ThyssenKrupp zu möglichen Stelleinstreichungen nicht äußern. Diese sollen erst in der Aufsichtsratssitzung konkretisiert werden. Nach dem Aus von Nokia und der drohenden Schließung des Bochumer Opel-Standortes wäre dies die dritte Massenentlassung im Ruhrgebiet. ThyssenKrupp-Betriebsrat Kruse sagt: "Dies wäre eine Katastrophe für die Region. Sollen wir aus dem Ruhrgebiet einen Landschaftspark machen?"------------------------------Foto: Absatz-Einbruch: Stahlarbeiter von ThyssenKrupp im Werk Duisburg.
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