Zeitungspolizei

„Gib Gas, Ali!“: Wir meckern über die BVG und die Uber-Fahrer meckern über uns

Hier kommt die Antwort auf die Frage, warum Uber-Fahrer keinen einfachen Job haben und unsere hektische Kollegin auch Karriere bei der Polizei machen könnte.

Patricia Hempel
Patricia Hempel
3 Min
Uber-Fahrer haben ein großes Problem: Fahrgäste!

Uber-Fahrer haben ein großes Problem: Fahrgäste!

© Sue Dorfman/imago

Ich stehe im tiefsten Westen der Stadt an einer überfüllten Bushaltestelle, die mir sagt: Der Bus kam schon länger nicht. Verdammt, ich muss zum Kudamm! Dort ist ein wichtiger Pressetermin in einem Kino und natürlich fängt der in 25 Minuten an.

Ich zücke mein Handy und rufe ein Uber. Mein Fahrer wird gefunden. Es ist Ali Z., der mich in vier Minuten von den Lasten der BVG befreien wird. Doch Ali findet mich nicht. Ich sehe das kleine Auto-Icon auf dem Tracking-Fenster der App durch die engsten Gassen dieses Bezirks gurken, vor und zurück, dann biegt es wieder falsch ab. Ich muss ihm entgegenlaufen.

„Ali, wo bist du!?“

Ich rufe den Fahrer entnervt an: „Du fährst gerade auf eine Kreuzung zu. Fahr dort rechts ran!“ Ich renne zur Kreuzung, Ali hält, ich springe auf den Rücksitz und sehe ihm an, dass er vor mir Angst hat. „Du musst so schnell fahren wie möglich!“ Wir beschleunigen von 0 auf 65, während ich immer wieder sage: „Komm, gib Gas!“

Ich dirigiere ihn an den Steglitzer Verkehrsknackpunkten vorbei. „Wir müssen in 15 Minuten da sein! Fahr nicht Richtung Südkreuz, da ist alles dicht.“ Endlich spricht er: „Woher weißt du das?“ – „Fahr! Ich gebe dir zehn Euro Trinkgeld“, ich schreie fast.

Ich lasse ihn gelbe Ampeln überfahren, zwinge ihn zu illegalen Überholmanövern und auf Busspuren. West-Berlin im Schnelldurchlauf. „Was, wenn hier irgendwo ein Blitzer steht?“ Ali wirkt nervös. „An der Güntzelstraße gibt es einen“, fällt mir ein, „da lieber bremsen.“

„Du bist doch von der Polizei!“

„Was, wenn uns die Polizei anhält?“ – „Das regele ich dann schon“, sage ich. „Alter, du bist Zivi! Das ist eine Testfahrt, oder?“ Jetzt muss ich lachen. Ob ich denn so aussehen würde wie eine verdeckt ermittelnde Polizistin. Tue ich, sagt Ali.

Und woher hätte ich sonst wissen können, dass er auf eine Kreuzung zufährt, ohne selbst im Wagen zu sitzen? Wo gerade Stau ist, wo alle Blitzer stehen. Warum würde ich sonst keine Angst vor der Polizei haben? Und das mit dem Trinkgeld, war das ein vorgetäuschter Bestechungsversuch?

„Warum soll ich dich so schnell ins Kino fahren – hättest du Krankenhaus gesagt, okay. Das ist doch verdächtig.“ Ich lache noch mehr und zeige ihm meinen Presseausweis. „Der ist doch Fake!“ Auch er muss lachen.

Endspurt Kantstraße. Wir erreichen das Ziel ohne Unfall. Zum Abschied zwinkert Ali mir zu: „Ich glaube dir immer noch nicht.“ Vor dem Kino habe ich noch fünf Minuten, um zu verdauen, dass ich die Ausstrahlung einer Polizistin besitze und gerade den Führerschein einer anderen Person riskiert habe. Zehn Euro Trinkgeld waren viel zu wenig.

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