Nach der winterlichen Glätte in den letzten Monaten ziehen die Berliner Krankenhäuser eine verheerende Bilanz. Der Winter brachte Berlin an die Belastungsgrenze. Die Fallzahlen für Stürze in Folge von Glätte nahmen drastisch zu.
Allein in den Kliniken des kommunalen Krankenhauskonzerns Vivantes verzeichneten zwischen 20 und 30 Prozent mehr Verletzungen als im Vergleichszeitraum. Noch drastischer fiel die Bilanz beim Johannesstift Diakonie aus: Dort stieg die Zahl der behandelten Patienten nach Glätteunfällen auf das Sechsfache. Teilweise mussten Verletzte in andere Häuser verlegt werden, weil die Kapazitäten nicht ausreichten.
Löschfahrzeuge als Krankentransporter
Besonders angespannt war die Lage am 30. Januar. Ein Sprecher des Johannesstift Diakonie beschrieb dramatische Szenen. „Die Feuerwehr brachte Verletzte mit Löschfahrzeugen in die Kliniken. Und sogar Polizei-Fahrzeuge brachten Menschen in die Notaufnahmen.“
Die Charité behandelte allein zwischen dem 16. Januar und dem 1. Februar 630 Patienten in der Notaufnahme wegen Glätteunfällen. In der Unfallchirurgie mussten teilweise täglich bis zu zehn zusätzliche Operationen durchgeführt werden, wie das Krankenhaus mitteilte. „Seit Jahresbeginn ist daher ein zusätzlicher OP-Saal nahezu durchgehend in Betrieb, um die benötigten OP-Kapazitäten zu sichern. Dadurch kommt es teilweise auch zu Verschiebungen anderer geplanter Operationen.“
Nebenstraßen und Gehwege blieben ungeräumt
Ein wesentlicher Grund für die hohe Unfallzahl lag in der lückenhaften Räumung. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) streute zwar auf Hauptstraßen und Radwegen, doch in Nebenstraßen und auf den meisten Gehwegen passierte oft nichts. Dazu waren lange Zeit Streumittel rar. Insbesondere bei Streusalz zeigten sich erhebliche Versorgungsprobleme inklusive eines unverständlichen politischen Hickhacks.
Die Folgekosten der Unfälle sind erheblich: Nach Berechnungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin verursacht ein einzelner Arbeitsunfall im Schnitt Kosten von rund 10.000 bis 20.000 Euro – durch Behandlung, Rehabilitation und Produktionsausfall.
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