Gläubiger verzichten auf 75 Prozent ihrer Forderungen / Baubeginn für zwei Gebäude verschoben

Checkpoint Charlie-Center vorm Konkurs gerettet

Mechthild Henneke
2 Min

Nicht Erleichterung, sondern Bitterkeit hat am Donnerstag die Nachricht von der gelungenen Rettung des Business Centers "Checkpoint Charlie" in Mitte begleitet. Abraham Rosenthal, Geschäftsführer des Centers, nahm seinen öffentlichen Auftritt vor allem zum Anlaß, sich bei den Gläubigern zu entschuldigen. Auf drei Viertel ihrer Ansprüche haben sie verzichtet, weil sie ansonsten wahrscheinlich nicht einmal die nun verbleibenden 25 Prozent bekommen hätten. Das 500 Millionen-Projekt an der einstigen Ost-West-Schnittstelle befand sich vor der Pleite."Bis vor wenigen Stunden stand alles auf Messers Schneide", sagte Göran Berger, Rechtsanwalt aus der Kanzlei der Heidelberger Sanierungs-Experten, Jobst Wellensiek. Berger half bei der Rettung des Projekts. Rund 100 Unternehmer, vor allem aus Berlin und den alten Bundesländern, mußten überzeugt werden, auf den größten Teil ihrer Forderungen zu verzichten. Nach Aussagen von Rosenthal ist aber kein Gläubiger in den Konkurs getrieben worden. Bereits Ende 1996 geriet das Projekt ins Strudeln. Der Komplex, der insgesamt aus fünf großen Bauten besteht, war 1992 als "American Business Center" angekündigt worden. Der milliardenschwere, amerikanische Kosmetik-Erbe Ronald Lauder war einer der Hauptinvestoren. Am früheren Grenzübergang Checkpoint Charlie, wo Amerikaner einst Pässe kontrollierten, sollten sie in Zukunft Geschäfte machen. "Am 20. Juli 1991 hat Helmut Kohl versprochen, daß die Regierung in vier Jahren in Berlin ist", klagte Rosenthal am Donnerstag. Mit dem Bundeskanzler und den Bonner Beamten blieben auch die potenten Business-Men aus den Vereinigten Staaten fern, so daß Lauder Ende 1996 das Handtuch warf und Rosenthals Grund-Wert-Gruppe gezwungen war, die freiwerdenden Anteile zu übernehmen.Damit brachte er sein Immobilienunternehmen offenbar an seine Grenzen. Denn als sich nach der Fertigstellung der ersten Bauten keine Mieter fanden, drohte der Schuldenberg Rosenthal zu erstikken. Rund 23 Millionen Mark fehlten ihm, um seine Verpflichtungen zu begleichen. Doch die Gläubiger hatten ein Einsehen, und auch die Geldinstitute gaben noch einmal Kredite. "Vor allem die Berliner Volksbank und die DG Bank trugen zur Sanierung bei", erklärte Rosenthal. Er sieht das Bauprojekt nun bis über das Jahr 2000 hinaus gesichert an. Drei Gebäude sind bereits errichtet. Zwei weitere werden warten müssen, bis sich die Lage auf dem Berliner Immobilienmarkt gebessert hat. Rosenthal ist optimistisch, daß dies bald der Fall ist. Das Bürohaus an der Friedrichstraße ist noch nicht bezugsfertig, und dennoch hätte er bereits Anfragen für rund 50 Prozent der Flächen.

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