Tirol

Gletscherschmelze: Wanderer nach 63 Jahren wieder mit seinem Rucksack vereint

Ein Rucksack, den ein Mann bei einem Spaltensturz in den österreichischen Alpen zurücklassen musste, ist nach mehr als sechs Jahrzehnten aus dem Eis aufgetaucht. Was befand sich darin?

3 Min
Ein Wanderer im österreichischen Stubaital. In dieser Gegend hatte ein Wanderer bei einem Unfall seinen Rucksack in einer Gletscherspalte zurücklassen müssen.

Ein Wanderer im österreichischen Stubaital. In dieser Gegend hatte ein Wanderer bei einem Unfall seinen Rucksack in einer Gletscherspalte zurücklassen müssen.

© Christian Vorhofer/imago

Nach 63 Jahren ist der Rucksack eines deutschen Bergsteigers auf einem Gletscher in den österreichischen Alpen wieder aufgetaucht.

Ein Bergführer hatte im Juli auf dem Sulztalferner im österreichischen Tirol auf rund 2955 Metern Höhe einen alten Rucksack entdeckt. Rund um den Fundort lagen weitere Ausrüstungsgegenstände, darunter ein Führerpickel, eine Kamera und eine Pfeife. Wie die Tiroler Polizei mitteilte, stammten die Gegenstände offenbar aus den 1950er- oder 1960er-Jahren.

Zunächst war nicht auszuschließen, dass der Fund mit einem lange zurückliegenden Bergunfall zusammenhing. Die Alpinpolizei der Polizeiinspektion Neustift begann deshalb mit Ermittlungen.

In einer stark verwitterten Dokumentenmappe im Rucksack fanden die Beamten schließlich handschriftliche Unterlagen und Belege. Ein darauf noch erkennbarer Name führte sie zum Besitzer.

Fund führt zu 86-jährigem Besitzer

Die Spur führte nach Bayern zu Alfred Rothfischer. Der heute 86-Jährige bestätigte, dass der Rucksack und die Ausrüstung ihm gehörten. Er erinnerte sich noch gut an den Unfall, der sich im Jahr 1963 während einer Hochtour am Sulztalferner ereignet hatte.

Rothfischer war damals 23 Jahre alt und mit zwei Freunden unterwegs. Während der Überquerung des Gletschers stürzte er in eine Gletscherspalte. Die drei Männer waren angeseilt, sodass seine Begleiter ihn sichern konnten. Rothfischer versuchte anschließend, sich mit sogenannten Prusikschlingen aus der Spalte zu befreien.

Dabei wurde der Rucksack zum Problem. Um sein Gewicht zu verringern und aus der Spalte herauszukommen, warf er ihn in die Tiefe. Der Bayer konnte sich schließlich selbst befreien und überstand den Sturz nach Angaben der Polizei nur leicht verletzt. Nach dem Unfall lagen Rucksack und Ausrüstung jahrzehntelang im Eis.

Übergabe an Familie nach 63 Jahre im Gletschereis

Da Rothfischer aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst nach Tirol reisen konnte, übergab ein Alpinpolizist die Fundstücke am 25. August an seinen Sohn. Damit kehrten Rucksack, Kamera, Pfeife und weitere Ausrüstungsgegenstände nach 63 Jahren zu ihrem ursprünglichen Besitzer zurück.

Für die Familie hat der Fund eine besondere Bedeutung. Hätte sein Vater den damaligen Unfall nicht überlebt, würde es die Familie in dieser Form heute nicht geben, sagte der Sohn nach Polizeiangaben. Die Familie hatte nach Angaben der Kronen Zeitung immer wieder darüber gescherzt, dass die Ausrüstung eines Tages ähnlich wie der berühmte „Ötzi“ aus dem Eis auftauchen könnte.

Die Tiroler Polizei veröffentlichte neben Bildern der geborgenen Gegenstände auch private Aufnahmen von Rothfischers Bergtour aus dem Jahr 1963.

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