Görlitz, auch bekannt als „Görliwood“, hat sich als beliebter Drehort für internationale Filmproduktionen etabliert. Streifen wie The Grand Budapest Hotel, Inglourious Basterds oder Der Vorleser wurden in der Stadt an der Neiße gedreht. Doch um auch in Zukunft als Filmstadt attraktiv zu bleiben, setzt Görlitz auf gezielte Initiativen wie die Sächsische Filmakademie und internationale Werbekampagnen.
Die Sächsische Filmakademie, die seit 2024 als GmbH firmiert, bietet spezielle Weiterbildungen für sogenannte Set-Berufe an. Gesellschafter sind der Verein Allianz Deutscher Produzenten – Film und Fernsehen, die Hochschule Zittau/Görlitz und die Görlitzer Wirtschaftsförderung. „Es gibt für Set-Berufe keine eigene Ausbildung“, erklärt Grit Wißkirchen, Leiterin der Akademie. Durch praxisnahe Fortbildungen sollen Quereinsteiger für die Arbeit am Filmset qualifiziert werden. „Wir richten unseren Blick auf Leute, die schon einen Beruf oder ein Studium haben und sich neu orientieren möchten“, so Wißkirchen. Die Kurse vermitteln Grundlagenwissen und decken auch fachspezifische Themen ab, etwa Kamera- und Lichtassistenz oder den Einsatz von künstlicher Intelligenz bei der Produktionsvorbereitung.
„Set-Etikette“ ist entscheidend
Die Resonanz auf das Angebot sei groß, berichtet Wißkirchen: „Wir bieten jetzt das zweite Jahr Kurse an und haben schon eine ganze Menge auf die Beine gestellt.“ Teilnehmer kommen aus den unterschiedlichsten Berufen – von Zahntechnikern über Friseurmeisterinnen bis hin zu Kulturmanagern. Die Kurse sind mit Praktika gekoppelt, um den Teilnehmern Einblicke in die Arbeit am Set zu ermöglichen. Besonders wichtig sei es, die „Set-Etikette“ zu erlernen, betont Wißkirchen: „Jedem muss klar sein, dass nicht seine eigene Stimme entscheidend ist, sondern Teamarbeit zählt.“
Parallel zur Ausbildung setzt Görlitz verstärkt auf Werbung, um neue Produktionen in die Stadt zu holen. Im November 2025 veröffentlichten die Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH (EGZ) und das Filmbüro Görlitz einen neuen Trailer, der die Stadt als vielseitige Filmkulisse präsentiert. Zu sehen sind markante Drehorte wie der Untermarkt, das Freisebad und die Landskron Brau-Manufaktur. „Wir wollen Filmschaffende weltweit inspirieren, ihre Geschichten hier in Görlitz zu erzählen – in einer Stadt, die mit ihrer einzigartigen Kulisse, perfekten Infrastruktur und engagierter Unterstützung des Filmbüros vor Ort jede Produktion möglich macht“, erklärte Eva Wittig, Geschäftsführerin der EGZ.
Im April 2025 lud das Filmbüro Görlitz außerdem sieben Locationscouts aus Berlin und Umgebung zu einer Besichtigungstour ein. Gezeigt wurden unter anderem die Görlitzer Synagoge, das Barockhaus Neißstraße 30 und das Kühlhaus mit einer beeindruckenden Aussicht vom Dach der Maschinenhalle. „Unser Ziel war es, die enorme Bandbreite an potenziellen Drehorten zu präsentieren – und den besonderen Service, den Görlitz Filmschaffenden bietet“, sagte Wittig. Die Resonanz der Scouts war durchweg positiv. Einer der Teilnehmer, Martin Zillger, lobte: „Mir hat Görlitz sehr als Drehort und Stadt gefallen – ich werde versuchen, Projekte künftig hierher zu holen.“
Filmakademie als Standortvorteil
Für Görlitz ist die Kombination aus Ausbildung, Werbung und gezielter Unterstützung von Filmteams ein wichtiger Schritt, um die Stadt als festen Bestandteil der internationalen Filmwirtschaft zu etablieren. Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) sieht dabei auch die Arbeit der Filmakademie als entscheidend an: „Wir haben festgestellt, dass Produktionen, die zu uns nach Görlitz kommen, großen Bedarf in dieser Richtung haben.“ Die Stadt unterstützt Produktionen mit einem eigenen Filmbüro, das Drehgenehmigungen unbürokratisch bearbeiten und regionale Partner vermitteln soll.
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Mit diesen Maßnahmen möchte Görlitz seine Position als Filmstadt weiter ausbauen und zugleich den Fachkräftemangel in der Branche bekämpfen. „Die Vorbereitungszeiten werden eingekürzt, die Gelder sind nicht mehr so üppig vorhanden wie früher“, erklärt Wißkirchen. „Auf die damit einhergehenden Herausforderungen müssen wir die Teilnehmenden in unseren Weiterbildungen vorbereiten und ihnen die Fähigkeit vermitteln, damit positiv umzugehen.“ Görlitz will so zeigen, dass man bereit ist für die Zukunft der Filmproduktion – auf lokaler und internationaler Ebene. (mit dpa)
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