Ende Januar zahlten Anleger für eine Unze Gold knapp 5600 Dollar. Nie war das Edelmetall teurer.
Am Mittwoch lag der Preis nach Daten von Trading Economics nur noch bei rund 4314 Dollar. Wer auf dem Höhepunkt eingestiegen ist, hat fast 1300 Dollar pro Unze verloren, knapp 23 Prozent.
Allein im vergangenen Monat gab Gold mehr als sieben Prozent nach.
Fed-Zinserhöhung drückt den Goldpreis
Den jüngsten Schlag versetzte die US-Notenbank. Am 16. September hob die Fed den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an, erstmals seit Juli 2023.
Fed-Chef Kevin Warsh sagte anschließend, die Inflation sei zu hoch, und zwar seit zu langer Zeit. 16 von 18 Notenbankern halten bis Jahresende ein noch höheres Zinsniveau für angemessen.
Gold wirft keine Zinsen ab. Steigen die Erträge von Anleihen und Tagesgeld, kostet es Anleger also bares Geld, ihr Vermögen in Barren zu parken.
Angeheizt hatte die Inflationssorgen zuvor der Ölpreis. Nach US-Angriffen auf iranische Raketenwerfer an der Straße von Hormus Ende August und iranischen Gegenschlägen zogen die Notierungen an.
Goldpreis in Euro: Warum viele Anleger kaum verloren haben
Für Sparer in Deutschland sieht die Bilanz überraschend anders aus. Nach Daten des Vergleichsportals Gold.de lag Gold in Euro am Dienstag gut zwei Prozent über dem Stand vom Jahresanfang. In Dollar stand dagegen praktisch eine Null.
Rechnerisch hat der Dollar gegenüber dem Euro seit Januar zugelegt. Das dämpft den Kursrutsch für alle, die in Euro rechnen.
Entscheidend ist der Einstiegszeitpunkt. Die Verluste tragen vor allem jene, die im Januar dem Rekord hinterhergekauft haben.
Altgold verkaufen: So viel ist Ihr Schmuck wert
Ein Gramm reines Gold kostet derzeit rund 122 Euro. Schmuck ist aber fast immer eine Legierung.
Der Stempel 585 bedeutet 58,5 Prozent Goldanteil, also einen Materialwert von etwa 71 Euro pro Gramm. Bei 750er-Gold sind es rund 91 Euro.
Eine zehn Gramm schwere 585er-Kette kommt damit auf gut 700 Euro. Ein Ankäufer am Kottbusser Damm in Kreuzberg bot vergangene Woche knapp 70 Euro pro Gramm für 585er-Gold.
Vor dem Verkauf lohnt es sich, den Tageswert selbst auszurechnen: Gewicht mal Feingehalt mal Grammpreis. Wer mehrere Angebote einholt, merkt schnell, wer fair zahlt.
Ab 2000 Euro müssen Händler nach dem Geldwäschegesetz einen Ausweis verlangen. Den Personalausweis also mitnehmen.
Gold verkaufen: Was die Steuer damit zu tun hat
Wer Barren oder Münzen privat verkauft, sollte auf das Kaufdatum schauen. Gewinne sind nach mehr als einem Jahr Haltedauer steuerfrei.
Für die Käufer vom Januar läuft diese Frist erst Anfang 2027 ab. Ein Verkauf mit Verlust lässt sich vorher nur mit Gewinnen aus anderen privaten Veräußerungsgeschäften verrechnen.
Goldpreis-Prognose: Die Fed hat das letzte Wort
Kurzfristig bestimmt die Zinspolitik die Richtung. Die Marke von 5000 Dollar dürfte erst bei spürbarer Entspannung an der Zinsfront wieder in Reichweite kommen.
Einen stetigen Käufer hat Gold trotzdem. Die Notenbanken der Welt erwarben im zweiten Quartal 2026 nach Angaben des World Gold Council netto rund 289 Tonnen, so viel wie noch nie in einem zweiten Quartal.
Die Schweizer Großbank UBS sieht in hohen Staatsschulden und Haushaltsdefiziten ein langfristiges Argument für Gold.
Wer jetzt aus Angst verkauft, macht aus einem Buchverlust einen echten. Den 28. Oktober sollten Goldbesitzer sich trotzdem vormerken: Dann entscheidet die Fed erneut über den Leitzins.
Dieser Text ist keine Anlage- oder Steuerberatung.
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