Wenige Wochen vor Beginn ihrer ersten Spielzeit trifft es die neue Intendantin des Gorki-Theaters Çağla Ilk hart: Bei unvereinbarten Sanierungsarbeiten im Marmorsaal des Palais am Festungsgraben – einer zentralen neuen Spielstätte unter Ilks Intendanz – soll ein Schwammbefall im Boden entdeckt worden sein. Dies bestätigte Ilk auf Anfrage der Berliner Zeitung. Am 9. Oktober hätte die Spielstätte eröffnet werden sollen, dies kann nun so nicht stattfinden.
Vorwurf: Vereinbarung gebrochen
Nach Darstellung Ilks wurde der Boden des Saals geöffnet, ohne dass sie oder ihr Team vorab darüber informiert wurden – und das, obwohl die Beschränkung auf reine Türsanierungen im Marmorsaal nach ihren Angaben „Verhandlungsgrundlage“ für ihre Zusage war, das Palais künftig als zweite Spielstätte zu bespielen.
Ilk, die selbst Architektur studiert hat und über entsprechende Kenntnisse und Erfahrungen verfügt, hat geahnt, dass eine tiefergehende Sanierung Probleme zutage fördern würde. Deshalb habe sie sicherstellen und protokollieren lassen, dass ein gefahrloser Spielbetrieb im Status quo möglich gewesen wäre. Die Bauherrin, die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), habe diese Bedingungen akzeptiert und zugesagt.
Der Eingang des Palais am Festungsgraben direkt neben dem Gorki
© Jürgen Ritter/IMAGO
„Es war alles in Sack und Tüten, und dann hat sich die BIM nicht an die Absprache gehalten, den Boden aufgemacht – damit war der ganze Plan umgeworfen“, sagt Ilk. Offiziell sei sie erst am Freitag vergangener Woche informiert worden. Für eine provisorische Ertüchtigung des Saals in dieser Spielzeit sieht sie schwarz. „Egal was für Laborergebnisse noch kommen – sie haben es einmal geöffnet. Jetzt muss man es genau wissen, denn kein Statiker erteilt eine Freigabe, bevor nicht alles bis in die letzte Ecke untersucht wurde“, sagt Ilk.
„Ich sage nichts ab“
Eine Absage von Produktionen schließt Ilk aus: „Ich sage nichts ab.“ Die betroffenen Inszenierungen und Diskursveranstaltungen sollen stattdessen im Gorki-Studio gezeigt werden. Ab November will Ilk nach eigenen Angaben mit einem angepassten Plan wieder regulär spielen. Am Mittwoch ist ein Gespräch mit der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt angesetzt.
Bauarbeiten begannen nach Möhrings Tod
Die Bauarbeiten am Marmorsaal begannen nach Ilks Angaben nur wenige Tage nach dem Tod der langjährigen BIM-Geschäftsführerin Birgit Möhring am 15. August. Die Geschäftsführung der BIM ist seither vakant; der Aufsichtsrat arbeitet nach eigenen Angaben an einer Neuaufstellung. Die Pressestellen von BIM und Senatsverwaltung teilten auf Anfrage mit, dass sie noch etwas Zeit brauchen, um ihre Stellungnahmen abstimmen zu können.
Nicht die erste Hürde für die neue Intendanz
Der Streit um den Marmorsaal reiht sich in eine Serie von Belastungen ein, mit denen Ilk schon vor ihrem offiziellen Amtsantritt konfrontiert war. So wurde die Zuwendung für das Gorki-Theater im Doppelhaushalt 2026/27 um rund 870.000 Euro pro Jahr gekürzt – überproportional im Vergleich zu anderen Berliner Bühnen. Hinzu kommt eine drohende Mieterhöhung für die Gorki-Werkstätten beim landeseigenen Bühnenservice, was jährliche Mehrkosten von bis zu 160.000 Euro bedeuten würde. Auch diese Summe ist im bisherigen Wirtschaftsplan nicht eingepreist.
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Der Senat bestätigte zudem, dass die Rücklagen des Theaters, die Ende 2024 noch bei rund zwei Millionen Euro lagen, zum Jahreswechsel 2025/26 auf nur noch 21.000 Euro geschrumpft waren – nachdem das vorläufige Jahresergebnis 2025 deutlich negativer ausfiel als erwartet. Die damalige Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson hatte im Februar im Kulturausschuss dennoch Entwarnung gegeben und erklärt, dass das Vorbereitungsbudget für Ilks Intendanz sowie ihr Anteil am Jahresbudget 2026 nicht gefährdet seien.
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