Kampfmittelbeseitigung

Munitionsreste in der Ostsee: Taucher prüfen 250 Verdachtsobjekte vor Graal-Müritz

Spezialtaucher suchen bis Ende November in der Ostsee nach alter Munition aus den Weltkriegen. Die Räumung ermöglicht eine sichere Sandgewinnung für den Küstenschutz.

3 Min
Ein Taucher in der Ostsee an einem versenkten Munitionsrest

Ein Taucher in der Ostsee an einem versenkten Munitionsrest

© Jana Ulrich

In der Ostsee vor Graal-Müritz und Dierhagen läuft seit Anfang Oktober eine umfangreiche Suche nach alten Kampfmitteln. Rund 250 Verdachtsobjekte sollen in einem Seegebiet untersucht werden, das etwa vier bis sechs Kilometer von der Küste entfernt liegt. Bestätigte Kampfmittel sollen nach Möglichkeit geborgen und anschließend fachgerecht beseitigt werden.

Die Arbeiten sind Teil der seit 2019 laufenden Untersuchung der marinen Sandlagerstätte „Graal-Müritz“. Nach Angaben des Landes Mecklenburg-Vorpommern wurden dort bislang fast 4.000 kampfmittelrelevante Anomalien festgestellt.

Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um 4.000 bestätigte Bomben, Minen oder Granaten. Als Anomalien gelten zunächst Auffälligkeiten, die mit geophysikalischen Messverfahren auf dem Meeresboden oder im Sediment erfasst wurden. Ob es sich tatsächlich um Munition, um Metallschrott oder um andere Gegenstände handelt, lässt sich häufig erst durch eine nähere Untersuchung feststellen.

Berufstaucher kontrollieren auffällige Stellen

Mit der diesjährigen Kampagne wurde die Hamburger Hansataucher GmbH beauftragt. Qualifizierte Berufstaucher untersuchen die Verdachtspunkte und bergen identifizierte Kampfmittel, sofern deren Zustand dies zulässt. Die Arbeiten sollen spätestens Ende November abgeschlossen sein.

Zwei Drittel der Kosten von rund 680.000 Euro übernimmt der Bund, ein Drittel das Land MV.

Das Verfahren erfolgt in mehreren Schritten: Zunächst wird der Meeresboden unter anderem mit Sonar- und geomagnetischen Messsystemen abgesucht. Anschließend bewerten Fachleute die erfassten Signale. Auffällige Stellen werden danach von Tauchern kontrolliert. Erst dann lässt sich entscheiden, ob ein Objekt geborgen, vor Ort gesichert oder auf andere Weise beseitigt werden muss.

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In den vergangenen Jahren wurden in dem Gebiet bereits verschiedene Kampfmittel entdeckt. Dazu gehörten kleinkalibrige Geschosse, Munitionsschrott und großkalibrige Munition. Unter den Funden befand sich auch eine etwa 80 Zentimeter große Seemine.

Sand aus der Ostsee wird für den Küstenschutz gebraucht

Die Munitionssuche steht in direktem Zusammenhang mit dem Küstenschutz. Mecklenburg-Vorpommern benötigt nach Angaben des Umweltministeriums im Durchschnitt etwa 500.000 Kubikmeter Sand pro Jahr. Damit werden natürliche Sandverluste an der Außenküste ausgeglichen und gefährdete Strand- und Dünenabschnitte verstärkt.

Mehr als 100 Kilometer der Küste werden durch ein natürliches System aus Dünen, Stränden und vorgelagerten Flachwasserbereichen geschützt. Insgesamt sichern Küstenschutzanlagen auf einer Länge von mehr als 450 Kilometern den Lebens- und Wirtschaftsraum entlang der Ostseeküste.

Der Strand des Ostseeheilbads Graal-Müritz

Der Strand des Ostseeheilbads Graal-Müritz

© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine

Umweltminister Till Backhaus betont deshalb die Verbindung zwischen Kampfmittelräumung und Küstenschutz. Sand könne nur dann sicher gewonnen werden, wenn von den betreffenden Lagerstätten keine Gefahr durch alte Munition ausgehe. Viele der für die Sandentnahme vorgesehenen Flächen liegen jedoch innerhalb bekannter Kampfmittelverdachtsgebiete.

Altmunition bleibt eine Gefahr für Mensch und Umwelt

Die Belastung der deutschen Küstengewässer geht vor allem auf die beiden Weltkriege und die anschließende Entsorgung großer Munitionsbestände im Meer zurück. Jahrzehntelange Korrosion kann dazu führen, dass explosive und giftige Bestandteile freigesetzt werden.

Das Umweltbundesamt nennt unter anderem Sprengstoffverbindungen und Schwermetalle als mögliche Risiken. Auch die Beseitigung selbst ist anspruchsvoll: Sprengungen unter Wasser können starken Lärm verursachen und Meeressäuger sowie andere Meeresorganismen gefährden. Fachleute bevorzugen daher, soweit technisch möglich, eine kontrollierte Bergung und Entsorgung.

In Mecklenburg-Vorpommern wurden im Auftrag des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg innerhalb von zehn Jahren rund 100 Quadratkilometer Meeresboden auf Kampfmittel untersucht. Das Land stellt dafür jährlich bis zu 1,5 Millionen Euro bereit.

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