Es ist ein Novum in der Geschichte der Academy Awards: Der Vatikan bereitet die Einreichung eines eigenen Films für die Oscar-Verleihung vor. Wie das US-Branchenmagazin Variety zuerst berichtete, soll der Dokumentarkurzfilm „Green Lava“ in der Kategorie „Bester Dokumentarkurzfilm“ ins Rennen gehen.
Noch nie zuvor hat eine vom Vatikan produzierte Arbeit den Weg zur Academy of Motion Picture Arts and Sciences gefunden. Offiziell vertritt der Film den Kirchenstaat dabei aber nicht – anders als bei der Kategorie „Bester Internationaler Film“ ist bei Kurzfilmen keine offizielle Nominierung durch eine Regierung oder ein Länderkomitee nötig.
Worum es in „Green Lava“ geht
Im Zentrum des 39-minütigen Films steht der junge Italiener Giacomo Mattivi, der mit Duchenne-Muskeldystrophie lebt – einer seltenen, genetisch bedingten Erkrankung, die zu fortschreitendem Muskelschwund führt.
Der Film begleitet Giacomo dabei, wie er nach dem Tod seines Bruders Mattia, der an derselben Krankheit litt, seinen Alltag neu ordnet. Trotz der Einschränkungen durch seine eigene Erkrankung findet er Halt in seiner Dorfgemeinschaft und in der Natur der Dolomiten, vor deren Kulisse der Film spielt.
Regie führten Lia Beltrami und Ali Aksu. Produziert wurde „Green Lava“ von Beltramis Firma Emotions to Generate Change, in Zusammenarbeit mit Vatican News, Radio Vaticana und Vatican Media.
Eine persönliche Verbindung zur Regisseurin
Beltrami lebt im selben Dorf wie Giacomo und seine Familie. Laut Variety beschreibt sie die Menschen in den Dolomiten als besonders fürsorglich gegenüber ihren Angehörigen und ihrer Gemeinschaft. Sie hofft, dass der Film Zuschauer weltweit dazu anregt, anderen mit ähnlicher Offenheit und Rücksicht zu begegnen.
Wie die argentinische Online-Zeitung Infobae vermeldet, gab es bereits im Januar 2025 eine private Vorführung von „Green Lava“ im Vatikan, bei der Giacomo gemeinsam mit Familie und Freunden anwesend war.
Der Weg zur Oscar-Einreichung
Bevor der Film offiziell zur Prüfung durch die Academy eingereicht werden kann, muss er zunächst die Zulassungsbedingungen erfüllen. Dafür läuft „Green Lava“ vom 18. bis 24. September in der Lumiere Music Hall in Beverly Hills. Erst nach diesem Kinolauf will das Produktionsteam die nötigen Unterlagen für die Oscar-Einreichung vorlegen, wie eine Pressesprecherin des Films gegenüber Variety bestätigte.
Paolo Ruffini, der als Präfekt des vatikanischen Dikasteriums für Kommunikation unter anderem für Fernsehen, Radio, Online-Auftritte und die Publikationen des Kirchenstaats verantwortlich ist, äußerte sich gegenüber Variety erfreut über die Chance, Giacomos Geschichte einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Er betonte auch den Wert, den Menschen mit Erkrankungen wie Giacomo für ihr Umfeld haben können.
Keine Garantie auf eine Nominierung
Die Einreichung bedeutet noch keine automatische Nominierung. „Green Lava“ muss sich zunächst gegen zahlreiche andere Kurzfilme in der Vorauswahl der Academy durchsetzen. Die Nominierungen für die 99. Oscar-Verleihung werden im Januar 2027 bekannt gegeben, die Zeremonie selbst findet im März 2027 im Dolby Theater in Los Angeles statt.
Unabhängig vom Ausgang markiert allein die Einreichung einen bemerkenswerten Moment: Erstmals tritt eine Produktion mit direktem Bezug zur vatikanischen Medienstruktur in den Wettbewerb um die bedeutendste Auszeichnung der Filmbranche.
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