Schwere Kriegserfahrungen in der frühen Kindheit führen nicht zwangsläufig zu lebenslangen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Das ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung der Universität Greifswald, die im Fachblatt Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht wurde.
Menschen, die als Kinder stark von den Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs in Deutschland betroffen waren, unterscheiden sich im höheren Erwachsenenalter weder in ihrer psychischen noch in ihrer körperlichen Gesundheit von weniger betroffenen Gleichaltrigen. Auch bei deren erwachsenen Kindern fanden die Forscher vom Institut für Psychologie keine Anzeichen für eine Weitergabe negativer Folgen.
„Unsere Ergebnisse sprechen für eine überraschend hohe Resilienz der damaligen Kinder“, sagte Studienleiterin Theresa Entringer. Sie gäben Hoffnung, dass frühe und extrem belastende Erfahrungen nicht zwangsläufig zu dauerhaften Beeinträchtigungen führen müssten.
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Historische Daten wurden mit Langzeitstudie verknüpft
Für die Untersuchung verzichtete das Team auf rückblickende Befragungen, die für Erinnerungsverzerrungen anfällig sind. Stattdessen verknüpfte es historische Zerstörungsdaten von rund 1.700 Gemeinden mit dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), einer der größten Langzeitstudien weltweit. Das Ausmaß der Bombardierungen am jeweiligen Wohnort diente als objektives Maß für die Kriegserfahrung.
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Befragt wurden 2012 rund 2.000 Kriegskinder, die bei den Bombardierungen zwischen null und 15 Jahre alt waren, sowie 1.800 ihrer damals etwa 52-jährigen Kinder. In einer Teilgruppe berichteten stärker vom Krieg betroffene Personen sogar von einer leicht besseren psychischen Gesundheit. Menschen aus stärker zerstörten Regionen waren laut Studie später zudem tendenziell besser ausgebildet und erzielten ein höheres Einkommen.
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Nachkriegsbedingungen waren bedeutend
Die Forscher führten die Ergebnisse auch auf eine mögliche „Überlebenskultur“ in stark bombardierten Gemeinden zurück. Engerer sozialer Zusammenhalt sowie finanzielle Mittel für Wiederaufbau und Bildung könnten langfristig förderliche Bedingungen geschaffen haben.
Relevant sind die Ergebnisse auch deshalb, weil auch heute fast jedes fünfte Kind in Krisen- und Konfliktgebieten aufwachse. Die akuten Traumata des Krieges würden durch die Untersuchung nicht relativiert, betonten die Forscher. Sie stellt jedoch die Annahme infrage, dass schwere frühe Kriegserfahrungen zwangsläufig zu lebenslangen Schäden führen müssen, die an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. „Entscheidend sind Nachkriegsbedingungen wie Unterstützung, Bildung und Sicherheit“, sagte Entringer.
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