Dem Programm seiner ersten Spielzeit hat Udo Zimmermann, der kommende Intendant der Deutschen Oper Berlin, ein Vorwort gegeben. Zimmermanns neue Deutsche Oper will "die besten Traditionen bewahren", "höchsten Kunstanspruch" setzen, Abende "voller Sensibilität, voller Freude und Schmerz und voller aufregender Abenteuer" möglich machen.Das wird schön, wenn es klappt; ohne Ideale ist ja nichts zu erreichen. Auch was die wirtschaftliche Seite des Spielplans anbelangt, will die Deutsche Oper viel: Von September bis Juni stehen neun Premieren auf dem Programm, sechs in der Oper, drei im Ballett, dazu kommen zwei Produktionen neuer Opernkonzepte in der Akademie der Künste sowie drei Musiktheater-Produktionen für Kinder. Dass es dafür weniger Repertoire geben wird, liegt auf der Hand. Zimmermann beschwört die Traditionen, die es an der Deutschen Oper zu erhalten gebe, aber natürlich kann es nur weitergehen, wenn etwas Neues erarbeitet wird. Ohnehin sind nicht wenige Wiederaufnahmen von fraglicher Qualität; Donizettis "Lucia di Lammermoor" ist inakzeptabel, "Daphne" schien uns nutzlos, bei dem alten "Don Giovanni" ist die Frage, ob man sich nicht eine Neuproduktion vornehmen sollte.Für die Deutsche Oper, für Berlin ist es gut, dass Zimmermann Ziele und Maßstäbe gesetzt hat. Messiaens "Saint François d Assise" von Daniel Libeskind inszenieren zu lassen, ist gerade in dieser Stadt eine richtig gute Idee. Man darf und muss hoffen, dass die Zuschauer-Zahlen der Deutschen Oper weiter steigen und dass sich auch für die guten Ideen ein Publikum findet.Einen richtigen Neuanfang, wie er bei der Ernennung Zimmermanns verkündet worden ist, gibt es an der Deutschen Oper dennoch nicht. Das liegt am Personal. Nachdem der designierte Generalmusikdirektor Luisi hinausgeekelt worden war, hat Zimmermann die aufgerissenen Löcher bei den geplanten Dirigaten flicken müssen. Das wird man den Produktionen anmerken, denn gute Oper kann es nur geben, wenn Regisseure, Musiker und Dirigenten über das Handwerksmäßige hinaus zusammenarbeiten. Ungeheuer ist es, dass der Generalmusikdirektor Christian Thielemann nur sechs Repertoireaufführungen in der ganzen Spielzeit dirigiert - keine einzige Premiere, nicht einmal eine Wiederaufnahme, und im Übrigen nur seine Steckenpferde von Wagner und Strauss. Da wird auch ein Geist, eine Vorstellung von Verantwortung, eine Prägekraft sichtbar, aber mit den Zielen und Idealen Zimmermanns hat das nichts zu tun. Thielemann ist gewaltsam und gegen den Willen des Intendanten ins Amt gehoben worden von den Verantwortlichen dieser Stadt. Heute kann man schon sagen, die Grenzen der Neuen Deutschen Oper sind die Fehler dieser Stadt.
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