Grenzregionen locken mit Steuerprivilegien

"Im Ostgeschäft stecken enorme Chancen"

Uta Alexander
3 Min

BERLIN, 31. Juli. "Die Berliner Wirtschaft hat enorme Chancen im Ostgeschäft, nutzt sie aber zu wenig", sagt Zenon Kosiniak-Kamysz, Handelsrat der polnischen Botschaft. Unternehmer engagierten sich zu wenig in den grenznahen Gebieten Küstrin und Slubice. Diese Regionen seien als Sonderwirtschaftszonen bevorzugt. Investoren genießen dort für längere Zeit erhebliche Steuerprivilegien. Auch das Interesse am Standort Stettin, der über Wasserstraßen und Autobahn gut an Berlin angebunden ist, sei noch viel zu gering, beschwert sich Kosiniak-Kamysz. Dabei gibt es gute Erfahrungen. Beispielsweise bereut die Berliner Eternit AG nicht ihre Investition von 15 Millionen Mark (7,7 Millionen Euro) in Olkusz bei Krakau. Dort steht eines der modernsten Dachsteinwerke Europas. Die Produktion der Fabrik reicht kaum für den Export. Das Werk beliefert ausschließlich den polnischen Markt. Die Manager sind begeistert. Eternit-Chef Werner Rüberg: "Wegen großer Nachfrage denken wir sogar an weitere Standorte in Polen."Das Land ist inzwischen der wichtigste Außenhandelspartner Berlins. Waren im Wert von 544,4 Millionen Mark gingen im vergangenen Jahr in das Nachbarland. Dies ist gegenüber 1999 eine Steigerung um 14 Prozent. Auch die Importe nahmen zu. Sie liegen gegenwärtig bei knapp 880 Millionen Mark. Damit ist Berlin keineswegs Spitze, obwohl es sich immer gern als Tor zum Osten bezeichnet. Spitzenreiter im deutsch-polnischen Handel sind Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Brandenburg.Trotz größerem Engagement in Russland sind auch dort die Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft. Auf dem beinahe als Fass ohne Boden geltenden Markt tummelt sich internationale Konkurrenz, besonders Amerikaner und Japaner, aber auch Italiener, Franzosen, Türken und Araber. Sie bringen oftmals eigene Finanzierungslinien mit. "Das ist ein Wettbewerbsvorteil, den wir deutschen Mittelständler nicht haben", sagt Jan Taube von der Ost-West-Handelsgesellschaft Taube in Berlin-Kaulsdorf. Nach seinen Erfahrungen brauchen Geschäfte mit russischen Partnern eine lange Anlaufphase, vor allem, wenn vor Ort produziert werden soll. Daran seien russische, kasachische und usbekische Vertragspartner besonders interessiert. "Berlin hilft uns immerhin mit Lobbyarbeit", sagt Taube. Aber auf den langen finanziellen Durststrecken sei der Mittelstand allein. Der Senat finanziere über das Außenwirtschaftsförderprogramm lediglich zwei Dienstreisen im Jahr zu 50 Prozent. "Dies ist zu wenig", so Taube."Man muss einen langen Atem haben", bestätigt Peter Mecke, Teamleiter der Projektgruppe Russland/GUS bei Knorr-Bremse. Entscheidungen in Moskau dauerten ihre Zeit, auch wenn Verträge bereits angebahnt seien.An Mittelstand interessiertSowohl Polen als auch Russland setzten Zeichen, dass sie an Wirtschaftsbeziehungen mit deutschen Unternehmen, speziell mittelständischen interessiert sind. Anfang 2001 traten in Polen mehrere neue Gesetze und Vorschriften in Kraft, die die Handels- und Wirtschaftstätigkeit erleichtern. Rechtliche Hürden für die Ansiedlung ausländischer Unternehmen wurden drastisch gesenkt. So sind bei Neugründungen einer Gesellschaft alle Rechtsformen möglich.Russland will schrittweise Hemmnisse für ausländische Investoren abbauen, die vor allem in bürokratischen Vorschriften und einer gewissen Rechtsunsicherheit liegen. Der Wirtschaftsminister kündigte die Verabschiedung eines veränderten Steuerkodex und weitere gesetzgeberische Vorhaben an.Steigender Handel // Polen: Das Nachbarland gewährt Investoren Steuererleichterungen. Polen ist inzwischen der wichtigste Außenhandelspartner von Berlin. Waren im Wert von 544,4 Millionen Mark wurden im vergangenen Jahr nach Polen verkauft. Eine Steigerung gegenüber 1999 von 14 Prozent.Russland: Auf dem russischen Markt erzielte die Berliner Wirtschaft im Jahr 2000 eine Wachstumsrate von 22,9 Prozent. Nach dem Einbruch während der Russlandkrise 1997 bis 1999 gewinnt jetzt das Exportgeschäft wieder an Dynamik. Berliner Unternehmen registrieren ein Anwachsen der Nachfrage von russischer Seite. Möglichkeiten für Investoren sind noch nicht ausgeschöpft.

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