Frankreich

Greta Thunberg demonstriert bei Schülerprotesten: „Die ganze Welt schaut voller Bewunderung zu“

In Frankreich demonstrieren Jugendliche gegen Lehrermangel und marode Schulen. Die Aktivistin wirft der Polizei ein gewalttätiges Vorgehen gegen Demonstranten vor.

5 Min
Greta Thunberg spricht am 13. Oktober 2026 vor dem Gymnasium Paul-Éluard in Saint-Denis mit Journalisten.

Greta Thunberg spricht am 13. Oktober 2026 vor dem Gymnasium Paul-Éluard in Saint-Denis mit Journalisten.

© Sadak Souici/imago

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat sich den seit Wochen andauernden Schülerprotesten in Frankreich angeschlossen und den Demonstrierenden ihre Unterstützung zugesichert. „Die ganze Welt schaut voller Bewunderung zu“, sagte die 23-Jährige am Dienstag vor dem Gymnasium Paul-Éluard in Saint-Denis, einem Vorort von Paris. Das berichtet die Nachrichtenagentur Associated Press (AP).

Thunberg, die 2018 mit ihren Schulstreiks für mehr Klimaschutz weltweit bekannt wurde, stellt sich damit hinter eine Protestbewegung, die Frankreich seit Wochen beschäftigt und mittlerweile auch von schweren Ausschreitungen überschattet wird. Zehntausende Schüler und Studenten demonstrieren gegen Lehrermangel, überfüllte Klassenzimmer und marode Schulgebäude. Immer wieder werden Schulen und Universitäten blockiert.

Greta Thunberg: „Unsere Zukunft wird uns gestohlen“

Vor dem Gymnasium Paul-Éluard, einem der Ausgangspunkte der Protestbewegung, hatten sich am Dienstagmorgen mehr als 100 Jugendliche versammelt. Thunberg stellte sich unter die Demonstrierenden und kritisierte den Umgang der Politik mit der jungen Generation.

„Junge Menschen werden nicht in die Gespräche einbezogen. Unsere Zukunft wird uns gestohlen“, sagte sie nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP. Die Schulen erhielten nicht die Investitionen, die sie dringend benötigten. Dies vermittle jungen Menschen das Gefühl, in der Gesellschaft keine Priorität zu haben.

Doch aufgeben wollten die Jugendlichen nicht. „Deshalb bin ich unglaublich stolz auf die französischen Schüler“, erklärte die Aktivistin.

In einem vom französischen Sender TF1 veröffentlichten Video fragte Thunberg: „Was sollen wir also tun? Einfach aufgeben? Natürlich nicht.“ Die Jugendlichen würden weiter für die Zukunft kämpfen, die ihnen genommen werde.

Gegenüber AP erklärte sie, die französischen Schüler seien zu einem Vorbild für junge Menschen in anderen Ländern geworden. Die Generation Z habe gezeigt, dass sie ihre Rechte nicht kampflos aufgeben werde. Wenn Erwachsene die junge Generation nicht ausreichend schützten, müsse diese selbst handeln.

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Greta Thunberg erhebt schwere Vorwürfe gegen Frankreichs Polizei

Scharfe Kritik übte Thunberg auch am Vorgehen der französischen Sicherheitskräfte. Sie warf der Polizei ein „extrem gewalttätiges“ Auftreten gegenüber jungen Demonstrierenden vor. „Eigentlich sollten sie junge Menschen schützen. Eigentlich sollten sie deren Menschenrechte schützen“, sagte die Aktivistin.

Die Polizeieinsätze stehen wegen mehrerer schwerer Verletzungen in der Kritik. Ein Jugendlicher verlor Anfang Oktober durch eine Polizeigranate eine Hand. Die französische Regierung setzte daraufhin den Einsatz dieses Granatentyps bei den Protesten aus, wie Reuters berichtet.

Nach Angaben des Innenministeriums untersucht die Polizeiaufsicht inzwischen 24 Fälle möglicher Polizeigewalt gegen Demonstranten.

Greta Thunberg posiert am 13. Oktober 2026 vor dem Gymnasium Paul-Éluard in Saint-Denis bei Paris mit Jugendlichen für ein Selfie.

Greta Thunberg posiert am 13. Oktober 2026 vor dem Gymnasium Paul-Éluard in Saint-Denis bei Paris mit Jugendlichen für ein Selfie.

© John Leicester/AP

Vor dem Gymnasium in Saint-Denis versammelten sich am Dienstag auch rund 20 Anwälte in ihren Roben. Sie bildeten nach eigenen Angaben eine Menschenkette, um die Schüler vor möglichen Übergriffen der Polizei zu schützen. Der Pariser Anwalt Romain Ruiz erklärte gegenüber AFP, man wolle verhindern, dass es zu weiteren schweren Verletzungen komme.

Die Dimension der Proteste zeigen die offiziellen Zahlen: Nach Angaben des französischen Justizministeriums wurden bis zum 8. Oktober insgesamt 6877 Menschen in Polizeigewahrsam genommen. 86 Prozent davon waren minderjährig. Gegen 2376 Personen wurden Strafverfahren eingeleitet.

Die Proteste verliefen vielerorts friedlich. Am Dienstag kam es jedoch in Nantes und Straßburg zu Zusammenstößen zwischen teilweise vermummten Personen und der Polizei. In Lyon beschädigten gewaltbereite Personen Geschäfte und eine Tankstelle. Die Behörden forderten die Veranstalter dort auf, den Demonstrationszug zu beenden.

Auch Beschäftigte des Bildungswesens wurden verletzt. Nach Angaben des Bildungsministeriums, über die Le Monde berichtet, erlitten seit Beginn der Proteste 147 Mitarbeiter Verletzungen.

Frankreichs Regierung verspricht 3000 zusätzliche Lehrkräfte

Die Protestbewegung fordert unter anderem einen Sofortplan über zehn Milliarden Euro für die Gymnasien. Die Schülergewerkschaft Union syndicale des lycéens verlangt außerdem die Abschaffung der zentralen Hochschulzulassungsplattform Parcoursup.

Die französische Regierung hat erste Zugeständnisse angekündigt. Bildungsminister Édouard Geffray versprach, 3000 Vertretungslehrer an besonders stark belastete Schulen zu entsenden. Zudem stellte die Regierung zusätzliche Mittel für das Bildungswesen in Aussicht.

Den Schülerorganisationen reichen diese Maßnahmen nicht. Sie verlangen grundlegende Verbesserungen der Lernbedingungen und wollen ihre Proteste fortsetzen.

Allerdings ist die Beteiligung zuletzt zurückgegangen. Nach Angaben des Bildungsministeriums waren am Dienstag noch 214 Gymnasien geschlossen, gegenüber rund 800 eine Woche zuvor. Einige Einrichtungen blieben auch aus Sicherheitsgründen geschlossen. Insgesamt waren 94,2 Prozent der Gymnasien geöffnet, wie Reuters berichtet.

Schülerproteste verschärfen politischen Streit in Frankreich

Die Auseinandersetzungen beschäftigen inzwischen auch die französische Politik. Präsident Emmanuel Macron rief zu Zurückhaltung und Gesprächen auf.

Der linke Politiker Jean-Luc Mélenchon kritisierte das Vorgehen der Polizei und forderte Erwachsene auf, sich schützend an die Seite der Jugendlichen zu stellen. Die rechtsgerichtete Politikerin Marine Le Pen verurteilte dagegen die Zerstörungen während der Demonstrationen. Sie verlangt, dass die Verantwortlichen für Schäden an Schulen aufkommen, bei minderjährigen Tätern gegebenenfalls deren Eltern.

Thunberg sieht in den französischen Protesten eine Bewegung, die weit über die Forderung nach mehr Lehrkräften hinausgeht. Im Gespräch mit Reuters zog sie Parallelen zur Klimakrise und zu sozialen Ungerechtigkeiten. Bei all diesen Themen gehe es darum, dass junge Menschen ihre Zukunft selbst in die Hand nähmen.

Dass Frankreichs Jugendliche trotz der anhaltenden Konflikte weiter auf die Straße gehen, sieht die schwedische Aktivistin als Signal an ihre gesamte Generation. Die internationale Gemeinschaft beobachte die Proteste, erklärte sie gegenüber AP. Die Schüler gingen mit ihrem Engagement voran.

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