Grips-Theater zeigt Stück über Abschiebungen

Schicksal einer Familie kommt auf die Bühne

Marlies Emmerich
3 Min

Der Vater und die Schwester von Tanja Ristic sind im August 2004 nach Bosnien abgeschoben worden. Dass die 14-jährige Tanja Ristic und ihre erkrankte Mutter nach jahrelangem Aufenthalt noch in Berlin leben, verdanken beide nur dem Einsatz der Schüler der Neuköllner Fritz-Karsen-Schule. Die Mitschüler verhinderten deren Abschiebung in letzter Minute. Das Schicksal der Familie wird am 2. Mai mit einer Premierenaufführung im Grips-Theater gezeigt.Die jungen Ristics stehen, wie Grips-Chef Volker Ludwig am Dienstag sagte, stellvertretend für alle, die jahrelang in Deutschland aufgewachsen, teilweise sogar geboren sind und dennoch kein Aufenthaltsrecht bekommen. Allein in Berlin würden mehr als 6 000 Kinder und Jugendliche in ständiger Angst vor Abschiebung leben.Deshalb startet das Theater zusammen mit dem Flüchtlingsrat, pro Asyl und der GEW aus Anlass des 13. Jahrestages der Ratifizierung der UN-Kinderrechtskonvention eine große Kampagne mit dem Titel "Hier geblieben". Neben Theateraufführungen sind Postkartenaktionen und Unterrichtsprojekte geplant. Erreicht werden soll, dass die Länder-Innenminister sich Ende Juni zu Gunsten eines Bleiberechtes minderjähriger Flüchtlinge aussprechen. Neben Schulaufführungen will das Grips-Theater sein Stück vor der Ministertagung in Stuttgart zeigen. "Das Zuwanderungsgesetz hat an der Situation von Kinderflüchtlingen praktisch nichts geändert", kritisierte Heiko Kaufmann von pro Asyl. In einigen Fällen wird der Ausländerbehörde vorgeworfen, Familien nachts um fünf Uhr abgeholt zu haben.Der von Schülern entworfene Appell an die Politiker für ein Bleiberecht wird von zahlreichen Prominenten wie den Schriftstellern Günther Wallraff, Inge Deutschkron, Christa Wolf und den Sängerinnen Katja Ebstein und Bettina Wegner unterstützt sowie von vielen weiteren Künstlern.Schülerengagement geehrtDie Fritz-Karsen-Schüler sind inzwischen mehrfach für ihr Engagement ausgezeichnet worden. Die Schüler überreichten am Dienstag 1 000 Euro - von ihnen gesammelt - an den Flüchtlingsrat. Ende letzten Jahres haben sie den Mete-Eksi-Preis der GEW erhalten, der an ein tödliches Opfer ausländerfeindlicher Auseinandersetzungen erinnert. In diesem Jahr sollen die jungen Leute den Förderpreis "Demokratisch handeln" erhalten. Der Flüchtlingsrat verwies nicht ohne Ironie darauf, dass "Demokratisch handeln" von zahllosen Bundeseinrichtungen unterstützt wird - darunter auch vom Bundesforschungsministerium. Das möglicherweise der zivildemokratische Einsatz nicht erfolglos bleibt, zeigte Tanja Ristic selbst. Ihr Asylantrag läuft. "Es ist noch nicht entschieden, ob Vater und Schwester zurückkommen", sagte die 14-Jährige im vollbesetzten Theater. Es bestehe aber durchaus eine Chance.------------------------------Ausländerrecht // In der UN-Kinderrechtskonvention verpflichten sich Staaten, dass ein Flüchtlingskind "angemessenen Schutz und humanitäre Hilfe bei der Wahrnehmung der Rechte" erhält. Das gilt unabhängig davon, ob sich Kinder in Begleitung der Eltern oder anderer Personen befinden.In der Bundesrepublik ist die im November 1989 unterzeichnete Konvention im April 1992 in Kraft getreten. Allerdings mit der Einschränkung, dass das Ausländerrecht davon unberührt bleibt.Rund 200 000 Flüchtlinge müssen bundesweit auch nach dem neuen Zuwanderungsgesetz mit Abschiebungen rechnen - darunter rund 50 000 Kinder.------------------------------Foto: Tanja Ristic darf vorerst bleiben.

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