Konflikte

„Grönländer sind keine Versuchsobjekte“: Wut über US-Arzt in Trump-Delegation

Donald Trumps Sondergesandter Jeff Landry ist in Nuuk eingetroffen – im Schlepptau ein US-Arzt, der den medizinischen Bedarf der Insel „einschätzen“ soll.

Lea Brüggemann
Lea Brüggemann
3 Min
Der US-Sondergesandte Jeff Landry ist gemeinsam mit einem amerikanischen Arzt nach Grönland gereist.

Der US-Sondergesandte Jeff Landry ist gemeinsam mit einem amerikanischen Arzt nach Grönland gereist.

© Gage Skidmore/imago

Die grönländische Gesundheitsministerin Anna Wangenheim hat scharfe Kritik daran geübt, dass mit der US-Delegation um Donald Trumps Sondergesandten Jeff Landry auch ein amerikanischer Arzt nach Nuuk gereist ist. Joseph Griffin erklärte laut dem Guardian, er sei als Freiwilliger mitgekommen, um den medizinischen Bedarf der Insel einzuschätzen. Wangenheim nannte dies „zutiefst problematisch“ und betonte: „Grönländer sind keine Versuchsobjekte in einem geopolitischen Projekt“, wie der Guardian und die Nachrichtenagentur AFP berichten.

Die Ministerin verwies laut demnach auf historische Übergriffe im grönländischen Gesundheitswesen. Besonders schwer wiegt der sogenannte IUD-Skandal: Zwischen 1966 und 1970 wurden tausenden Frauen und Mädchen, einige erst zwölf Jahre alt, ohne ihr Wissen Spiralen eingesetzt, offenbar um die Bevölkerung zu reduzieren. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen entschuldigte sich im vergangenen Jahr offiziell und richtete einen Versöhnungsfonds ein. „Unser Gesundheitssystem muss durch respektvolle Zusammenarbeit und grönländische Selbstbestimmung weiterentwickelt werden, nicht durch politische Gesandte mit verborgenen strategischen Interessen“, erklärte Wangenheim laut Guardian.

Auch Regierungschef Jens-Frederik Nielsen kritisierte laut Guardian die Anwesenheit des Arztes: „Wenn man etwas über die Gesundheitsbedingungen in Grönland erfahren will, muss man Grönland über die richtigen Kanäle kontaktieren.“ Bereits im Februar hatte Trump nach Angaben der Zeitung ein Krankenhausschiff angekündigt, das Nuuk ablehnte und das nie eintraf. Laut AFP umfasst die aktuelle Delegation rund zehn Personen.

„Grönländer stehen nicht zum Verkauf“

Politisch blieb das Treffen zwischen Nielsen, Außenminister Múte B. Egede, Landry und US-Botschafter Kenneth Howery am Montag ohne Annäherung. Nielsen bezeichnete das Gespräch gegenüber AFP zwar als „konstruktiv“, sah jedoch „kein Anzeichen, dass sich etwas geändert hat“ an der US-Position. „Wir haben deutlich wiederholt, dass die Grönländer nicht zum Verkauf stehen“, sagte er. Egede ergänzte laut AFP: „Wir haben unsere rote Linie. Der Ausgangspunkt der Amerikaner hat sich ebenfalls nicht geändert.“

Landry, zugleich Gouverneur von Louisiana, traf am Sonntagnachmittag in Nuuk ein. Laut der grönländischen Zeitung Sermitsiaq wurde er von einigen Grönländern empfangen, die mit der Nationalflagge Erfalasorput protestierten. Anwohnerin Nina Møller sagte der Zeitung: „Was wollen sie von uns? Sie sind vor allem daran interessiert, mit unserem Land Geld zu verdienen.“ Gegenüber dem dänischen Sender TV2 sagte Landry, Trump habe ihm aufgetragen: „Geh rüber und mach eine Menge neuer Freunde.“

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Landry und Howery nehmen nach Angaben von Sermitsiaq an der Wirtschaftskonferenz Future Greenland teil, zu der Landry laut Veranstalter Christian Keldsen nicht eingeladen wurde, sondern als regulärer Gast erscheint. Am Donnerstag soll Howery das neue US-Konsulat in Nuuk eröffnen. Die IA-Folketingsabgeordnete Naaja H. Nathanielsen lehnte laut Sermitsiaq Einladungen des Konsulats ab: „Der Dialog muss über die Diplomatie laufen.“ Trump begründet seine Forderung nach Kontrolle über Grönland laut AFP weiterhin mit nationalen Sicherheitsinteressen und der Sorge, die Insel könne sonst unter chinesischen oder russischen Einfluss geraten.

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