Sicherheitspolitik

Großbritannien und Polen unterzeichnen neuen Verteidigungspakt

London und Warschau schließen ein umfassendes Sicherheitsabkommen gegen die Bedrohung aus dem Ausland. Der Vertrag soll Rüstungskooperation, Cyberabwehr und Grenzschutz ausbauen.

3 Min
Polens Premierminister Donald Tusk

Polens Premierminister Donald Tusk

© Wojtek Radwanski/AFP

Großbritannien und Polen unterzeichnen an diesem Mittwoch in London einen neuen Verteidigungs- und Sicherheitsvertrag. Wie die britische Regierung mitteilte, wollen Premierminister Keir Starmer und sein polnischer Amtskollege Donald Tusk damit die Zusammenarbeit beider Länder angesichts wachsender Bedrohungen in Europa vertiefen. Das Abkommen reiht sich in ähnliche Verträge ein, die London zuvor mit Frankreich und Deutschland geschlossen hatte.

„Dieser Vertrag ist der größte Fortschritt in unseren Verteidigungs- und Sicherheitsbeziehungen mit Polen seit einer Generation“, erklärte Starmer laut einer Mitteilung aus der Downing Street. Er ermögliche es, modernen Sicherheitsbedrohungen zu begegnen, „die weniger sichtbar, aber nicht weniger gefährlich“ seien.

Tusk sagte vor seiner Abreise nach London laut der Nachrichtenagentur Reuters, beide Seiten betonten, dass Russland eine „strategische und langfristige Bedrohung für Polen, Großbritannien und die Nato“ darstelle. Die Zusammenarbeit solle daher auf die Absicherung beider Länder gegen die russische Bedrohung ausgerichtet sein. Die Unterzeichnung bezeichnete er bei einer Regierungssitzung am Dienstag als „historischen Moment“.

Rüstungsprojekte, Migration und Drohnenabwehr

Nach Angaben der britischen Regierung sehen die Vereinbarungen unter anderem die gemeinsame Entwicklung komplexer Waffensysteme vor, darunter die Ko-Produktion einer Luftabwehrrakete mittlerer Reichweite. Zudem seien groß angelegte gemeinsame Übungen geplant. Auch die Grenzsicherung und der Kampf gegen organisierte Kriminalität sollen ausgebaut werden, wie es in der Mitteilung der Downing Street heißt.

Teil des Abkommens ist nach Angaben der Downing Street auch ein gemeinsamer Aktionsplan gegen irreguläre Migration. Damit wollen beide Länder Schleusernetzwerke gezielter bekämpfen, den Austausch nachrichtendienstlicher Informationen ausbauen und neue Technologien zur Grenzüberwachung einsetzen. Im militärischen Bereich sieht der Vertrag den verstärkten Einsatz unbemannter Systeme zur Sicherung der Nato-Ostflanke vor. Gemeinsame Landstreitkräfte sollen in groß angelegten Übungen die Zusammenarbeit bei Drohnenabwehr, elektronischer Kriegsführung und Pioniereinsätzen vertiefen, wie es in der Mitteilung aus London hieß.

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Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Abwehr sogenannter hybrider Angriffe. Dazu zählen laut der britischen Regierung von Russland in Auftrag gegebene Brandanschläge in London und anderen europäischen Städten sowie Cyberattacken und Spionage. Tusk erklärte gegenüber Reportern, ein bedeutender Teil des Vertrags konzentriere sich auf Cybersicherheit. Polen sehe sich aufgrund seiner Rolle als Drehkreuz für Militärhilfen an die Ukraine als zentrales Ziel russischer Spionage, Cyberangriffe und Desinformation.

Beide Länder gehören zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine im Krieg gegen Russland. Europa steht zugleich unter Druck der US-Regierung von Präsident Donald Trump, mehr Verantwortung für die eigene Verteidigung zu übernehmen. Polen hatte bereits 2025 ein Verteidigungsabkommen mit Frankreich geschlossen und arbeitet an einem ähnlichen Vertrag mit Deutschland.

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