Großcanadier sind nicht elegant, aber sie stärken den Teamgeist und bieten Platz für zehn Personen

Alle in einem Boot

Jürgen Schwenkenbecher
3 Min

Die Boote aus Kunststoff sind ungefähr sieben Meter lang, ziemlich schwer und nicht unbedingt das, was man schnittig nennt. Sie liegen kieloben am Ufer der Havel in Fürstenberg und Matthias Paul von der Kanustation "Nordlicht" müht sich redlich, der ungeduldigen Ausflugsgruppe vor dem Start noch die wichtigsten Vorschriften nahe zu bringen. "Auch auf dem Wasser gibt es Ampeln", sagt Herr Paul, "vor Schleusen zum Beispiel."So geschult, kann das Boot vorsichtig in die Havel gelassen werden. Es dauert eine Weile, bis alle Insassen - zehn sind möglich - ihren Platz gefunden und die wasserdichten Packsäcke verstaut haben und der Mann am Bug sein Stechpaddel das erste Mal ins Wasser sticht. Er ist der Schlagmann, und er gibt das Signal für die Mitfahrer, es ihm gleichzutun. Langsam nimmt das Boot Fahrt auf. Einmal in Schwung gekommen, lässt es sich nur noch schwer stoppen, das Steuern verlangt einige Übung. "Der Steuermann sollte schon Kanuerfahrung haben", empfiehlt Matthias Paul.Die Großcanadier - den klassischen Indianerbooten nicht unähnlich - sind beliebt. Wer damit unterwegs ist, dem kommt es nicht auf Eleganz an. Wer mit einem solchen kleinen Ungetüm fährt, der sucht die Natur, aber nicht die Einsamkeit. "Großcanadier haben den Vorteil, dass auch eine größere Gruppe zusammenbleiben kann und sich nicht auf mehrere Booten verteilen muss", sagt Kanuverleiher Paul. Sicher sind die breiten Kähne allemal. "Wer kentern will, muss sich schon etwas einfallen lassen."So mieten vor allem Jugendgruppen und Großfamilien das ungewöhnliche Gefährt, für 83 Euro am Tag. "Die Boote sind einfach sehr kommunikativ", sagt Kanuexperte Paul. Und sie fördern den Gemeinschaftssinn, den auch Firmen bei Betriebsausflügen stärken wollen. Wir sitzen alle in einem Boot, heißt dann die Devise, und: im gleichen Takt geht es gemeinsam doch gut voran.Jedenfalls dann, wenn nicht schon einige hundert Meter weiter die Ampel an der Schleuse gerade auf Rot steht und erst nach 20 Minuten passiert werden kann. Und was heißt gleicher Takt, wenn einige der Mitfahrer nur einiger dunkler Wolken wegen das Paddel einziehen und ihre Regenjacken überstreifen. Dann weiß man, wie Ballast wirkt. Erschwerend nämlich für den aktiven Teil, der sich von einigen Regentropfen nicht schrecken lässt.Doch die Geschwindigkeit ist ohnehin nicht entscheidend für Freizeitpaddler, auch wenn die Großcanadier ziemlich schnell werden können. Gewöhnlich läuft die Tour ruhig ab. So bleibt Zeit für die Natur. Und die ist üppig an dem gekrümmten Havelstück zwischen Fürstenberg und dem Stolpsee bei Himmelpfort. Weit ragen Bäume und Büsche über das Ufer, an dem das Langboot sanft vorübergleitet. An mehreren Stellen stehen Seerosenfelder kurz vor der Blüte.Bald ist der Stolpsee erreicht. An der Südseite sei es nicht so windig, hat der Bootsvermieter als Tipp für die günstigste Fahrtroute mit auf den Weg gegeben. Nach gut zwei Stunden stoppt der Mannschaftscanadier bei Himmelpfort an einem Campingplatz. Die Arme sind weich geworden, doch viel Zeit bleibt nicht zur Erholung. Ein kurzer Imbiss, dann stehen Fahrräder für die Rückfahrt bereit. Das neue Team fällt auf dem Radweg schnell auseinander.------------------------------Foto: Gemeinsam zu neuem Teamgeist: Das Paddeln in Mannschaftsbooten macht Spaß und soll den Gemeinschaftssinn stärken.

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