Große Teile des Bundeskabinetts tanzten mit 2 500 Gästen auf dem Bundespresseball im Interconti

Beschlussfähig am Rande der Tanzfläche

Andreas Kurtz
4 Min

Einfach nur feiern und nicht über die Arbeit sprechen - wer mit diesem Plan am Freitagabend nach einer anstrengenden Woche zum Bundespresseball ins Hotel Intercontinental kam, der hatte keine Chance. Schließlich sorgte das Durcheinander bei der Wiederwahl von Klaus Wowereit zum Regierenden Bürgermeister von Berlin am Tag vor dem Ball für jede Menge Gesprächsstoff. Aber wenigstens Wowereit musste sich die Bemerkungen zu seinem Fehlstart nicht anhören - er hatte aus Unzufriedenheit mit den Platzierungen vergangener Jahre diesmal ganz auf einen Ballbesuch verzichtet.Ganz selbstverständlich dabei war dagegen wieder Bundespräsident Horst Köhler, dem schon traditionell der beste Platz am besten Tisch im Saal und der erste Tanz des Abends zusteht. Zu seiner exklusiven Tafelrunde gehörten diesmal die Vorstandsvorsitzenden Gunther Thielen (Bertelsmann) und Utz Claassen (EnBW) sowie RBB-Intendantin Dagmar Reim.Aus der Bundespolitik kamen Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, Außenamtschef Frank-Walter Steinmeier und Justizministerin und Ball-Stammgast Brigitte Zypries, die wahrscheinlich stark übermüdet war, warum sonst hätte sie, angesprochen auf das Ballmotto "Zauberwelten", sagen sollen: "Da fällt mir ein schönes großes Bett ein." Ihr Kabinettskollege Franz-Josef Jung (Verteidigung) besuchte den Ball im Interconti zum ersten Mal: "Ich habe lange Landespolitik gemacht - da gab es andere Bälle." Jetzt als politischer Chef der Bundeswehr findet er sich oft auf dem Tanzparkett bei Truppenbällen: "Da wird sehr ausdauernd getanzt." Seine Frau Beate bestätigt ihm die notwendigen Fähig- und Zähigkeiten: "Mein Mann ist ein sehr guter Tänzer. Besonders Walzer und Foxtrott machen mit ihm Spaß." Ganz abschalten konnte der Herr Verteidigungsminister übrigens nicht. Er war jedenfalls bereit, am Rande der Tanzfläche mit seinen Kabinettskollegen zu tagen: "Wir sollen ja hier neun Minister sein, damit wären wir beschlussfähig."Ebenfalls Bundespresseball-Debütant: Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff. Er besuchte den Ball in Begleitung seiner Freundin Bettina Körner und konnte gut erklären, warum er bisher gefehlt hat: "Ich hatte zunächst mal vieles im Land zu regeln. Jetzt haben wir dort alles im Griff und können uns zwischen der Bundesratssitzung und dem CDU-Parteitag so einen schönen Ball gönnen." Auch in diesem Jahr konnte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel wieder nicht zum Besuch des Bundespresseballs durchringen. Man hörte, nach ihrem einjährigen Amtsjubiläum wäre sie selbst gar nicht so abgeneigt gewesen, sie wollte aber ihrem Gatten den unvermeidlichen Rummel ersparen.Ex-Schwimmstar Franziska van Almsick ließ sich von ihrem Freund, dem Unternehmer Jürgen B. Harder zum Ball führen. Beide erwarten ein Baby, was man inzwischen wirklich nicht mehr übersehen kann. Ihren Sinn fürs Praktische bewies die künftige Mutter im Gespräch mit einem Tischnachbarn, dem sie erklärte, wie sie das Wallewalle-Umstandskleid weiternutzen will: "Das kann ich dann ja am Strand anziehen!" Ex-Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert, der in den vergangenen Jahren Ausdauer auf dem Tanzparkett bewiesen hat, bedauerte, dass heutige Orchester kaum noch einen ordentlichen Charleston spielen können. Für Finanzminister Peer Steinbrück ist die Musik schnurz: "Ich kann sowieso nur Marineeinheitsschritt!"Das Motto "Zauberwelten" ließ die Fantasie der Dekorateure mal wieder durchgehen: Der Ballsaal war als Zauberwald gestaltet und auf den Tischen fanden sich 1 000 in Eisblöcke eingefrorene Orchideen.Erst früh am Morgen nach der Ballnacht, als die meisten Gäste schon wieder in ihren Betten lagen, hatte Alfred Gertler Gelegenheit, ein Glas Champagner auf ein Jubiläum zu trinken. Er leitete die Ballorganisation in diesem Jahr schon zum zehnten Mal. Nach zwei Bundespressebällen im Maritim-Hotel in Bonn (geübt wird nun mal in der Provinz!) zog er mit der ganzen Unternehmung im Schlepptau der Bundesregierung nach Berlin um.------------------------------Foto (4): Bundespräsident Horst Köhler und Ursula Gößling, Ehefrau des Vorsitzenden der Bundespressekonferenz, tanzten wie immer den Ball im Interconti an.Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff war mit Lebensgefährtin Bettina Körner zum Feiern gekommen.Schauspielerin Veronica Ferres (l.) legte den Arm um Ex-Schwimmerin Franziska van Almsick.Hofften bis zuletzt auf einen Charleston: Ulrich Wickert und Julia Jäger, Stammgäste beim Bundespresseball.

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