Das Wetter ist wichtig. Wenn die Sonne scheint, wird es auf der Grünen Woche richtig voll. So auch an diesem Wochenende: Schon am Sonntagvormittag, dem dritten Tag der Messe, wurde der 100 000. delikatessen- und erlebnishungrige Gast begrüßt - Gabriele Wenk aus Tegel. Am Nachmittag war schon von 120 000 Besuchern die Rede. Gabriele Wenk sagte, sie wolle sich mit ihrer Familie in Ruhe die Messe anschauen. Damit sie das kann, sind hunderte Helfer rund um die Uhr im Einsatz. Sie leiten den Verkehr, wachen darüber, dass die Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden und räumen am Ende den Müll weg. Es ist ein eingespieltes Team - und ein ehrgeiziges. "Unerwartete Probleme sind schließlich das Salz in der Suppe", sagt eine Mitarbeiterin der Messe Berlin. Und ein Kollege von einer Partnerfirma ergänzt: "Das Geschäft ist wie eine Droge. Nach ein paar Wochen ohne Messe fehlt einem was." Nur schade, dass man die Helfer kaum bemerkt. Sie fallen erst auf, wenn sie einen Fehler machen und etwas nicht funktioniert. Einige Personen, die hinter den Kulissen arbeiten, stehen hier nun mal im Vordergrund.----Stallmeister Wolfgang Klampe wohnt in der Halle 25 bei den Pferden. Zwei Wochen lang sieht der pensionierte Polizist seine Familie nicht. Seine Frau und seine Kinder lassen ihn in Ruhe. Selbst wenn sie vorbeikämen, hätte er kaum Zeit für sie. Immer wieder wird er über sein Walkie-Talkie gerufen, hilft beim Verladen der Tiere und erledigt kleinere Reparaturen. Seit 25 Jahren macht der 67-Jährige diesen Job - früher hatte der Pferdeliebhaber sogar Urlaub dafür genommen. Wenn alles ruhig ist, kann der Stallmeister auch mal fünf oder sechs Stunden durchschlafen. In der Nacht auf heute wird er aber kaum ein Auge zugetan haben. Denn 87 Kaltblutpferde mussten gegen 70 andere Pferde ausgetauscht werden. Da wurde jeder Helfer gebraucht.Rettungsassistent Hardy Häusler vom Roten Kreuz ist für die kleinen Wehwehchen und die großen Notfälle zuständig. Zu ihm und seinen 60 freiwilligen Kollegen kommen Handwerker, die sich mit dem Hammer auf den Daumen geschlagen haben, und Besucher mit Blasen an den Füßen. Manche klagen auch bloß über Kopfschmerzen und bitten um eine Tablette. "Die bekommen sie dann auch", sagt der 29-Jährige. Früher war die Weinstraße berüchtigt. Aber seit kaum noch kostenlos ausgeschenkt wird, sind weniger Betrunkene zu versorgen. Einmal pro Messe erleidet aber meist ein Besucher einen Herzinfarkt. Dann fährt der Notarzt mit Blaulicht übers Messegelände.Kontrollinspektor Robert Langrzik schaut in den Hallen 7 bis 10 nach dem Rechten. Etwa einmal pro Stunde macht er seinen Rundgang und tauscht sich mit den Ordnern und der Hallenaufsicht aus. Sollte etwas schief gehen, beispielsweise eine Feuerwehrzufahrt versperrt sein, wäre er der Erste, der Rede und Antwort stehen muss. Einen Monat hat der 23-Jährige gebraucht, bis er sich in seinem Revier auskannte. Das Finale der Grünen Woche hat er noch nicht miterlebt: Wenn am 30. Januar um 18 Uhr die Messe schließt, sammeln sich die Aussteller mit ihren LKWs in der Nordkurve der Avus. Unter Aufsicht der Polizei wird dann ein Konvoi von 200 bis 300 Lastern auf das Gelände geführt. Der Inspektor wird aber noch zehn Tage weiter seine Runden drehen, bis auch der letzte Aussteller eingepackt hat.Serviceabteilungs-Leiterin Maro Regensburger löst die Probleme der Aussteller. Bei ihr kann man seine Miete bezahlen, den Reinigungsdienst oder eine Standwache bestellen. Für alles gibt es Formulare. Und immer wieder holt die Abteilungsleiterin einen Hallenplan hervor. Der Stand kann nicht aufgebaut werden, weil ein Rohr im Weg liegt? Für einen unangemeldeten Küchenwagen ist kein Platz mehr in der Halle? Maro Regensburger greift zum Telefon und sorgt für Abhilfe.Projektleiter Hans-Henning Schmidt denkt jetzt, da er die Eröffnungsfeier und die Botschaftsempfänge hinter sich gebracht hat, schon ans nächste Jahr. Die Planungen für die Grüne Woche 2006 laufen schon. Er hat den russischen Landwirtschaftsminister eingeladen - vielleicht wird Russland ja das nächste Gastland? Und er überlegt, ob man die Blumenhalle im kommenden Jahr nicht passend zur WM herrichten sollte. Gelegentlich wird der 60-Jährige auch gerufen, um Streit zu schlichten. Dabei hilft ihm seine Erfahrung. Er sei darin geübt, Aussteller wieder von der Palme runterzuholen, sagt er. Seit 1978 ist er schon bei der Grünen Woche.Einsatzleiter Uwe Schulz organisiert den Reinigungsdienst. Das Schlimmste hat er schon hinter sich: die so genannte Nullnacht vor der Eröffnung. Zwischen 18 und 8 Uhr wird dann nicht nur geputzt, es müssen auch 10 000 Quadratmeter Teppichfliesen in den Gängen verlegt werden. Alle fünf Minuten klingelt an diesem Abend das Handy des 44-Jährigen. Tagsüber steht in jeder Halle eine Person bereit, um Essensreste, Scherben und Erbrochenes zu beseitigen. Bei der Grünen Woche fällt besonders viel Dreck an. Aber auch bei Bällen kann es vorkommen, dass in den Sälen ganz schön viel Müll zurückgelassen wird, sagt er.Veranstaltungsmeister Michael Hille sorgt für die Sicherheit der Besucher. Mit seinen fünf Kollegen nimmt er die Stände aller Aussteller unter die Lupe wie ein TÜV und beaufsichtigt jeden Umbau. Nicht immer sehen die Aussteller ein, dass sie die Vorschriften einhalten müssen. Aber in diesem Jahr gab es kaum etwas zu beanstanden. Seinen prüfenden Blick wird der 37-Jährige inzwischen nicht mehr los. Er sieht sofort, wenn im Kaufhaus die Notausgänge verstellt sind. "In solchen Gebäuden fühle ich mich nicht wohl", sagt er. Richtig Angst hat er aber vor dem Tag, an dem er darauf bestehen muss, dass eine Veranstaltung abgesagt wird. Noch ist das nicht vorgekommen. Bislang hat er nur mal einen wackeligen Stand mit Brettern zunageln und bei Sturm ein Zelt abbauen lassen. Von den Besuchern hat das vermutlich kaum jemand bemerkt.------------------------------Foto (5): Amtstierarzt Manfred Becker (64) prüft die Gesundheitszeugnisse von jedem Tier, das auf die Grüne Woche kommt. Fünf Kollegen unterstützen ihn dabei. Die Stute Flamme, ein Schwarzwälder Kaltblut, ist einer der Stargäste im Showprogramm der Messe.Der Messe-TÜV: Michael Hille garantiert den Gästen Sicherheit.Kummerkasten für die Aussteller: Maro Regensburger beantwortet Fragen aller Art. Immer wieder zieht sie den Plan mit der Hallenbelegung zu Rate.Der Inspektor auf Streife: Robert Langrzik kontrolliert Rettungswege und Notausgänge in den mehrstöckigen Hallen 7 bis 10.Warten auf den Einsatz: Hardy Häusler fährt mit dem Rettungswagen bis zu zehn Mal am Tag raus. Drei Wagen sind auf der Messe.
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