Grundlagenforscher und Ärzte sollen künftig noch enger kooperieren. Erste Erfolge bei mehreren Leiden

Deutsche Genforschung wächst zusammen

Franziska Beckmann
3 Min

In Berlin haben Wissenschaftler jetzt erste Ergebnisse aus den beiden großen Genforschungsprogrammen in Deutschland vorgestellt. "Binnen eineinhalb Jahren ist es uns gelungen, bei mehreren Leiden Gene zu finden, welche die Krankheiten mitverursachen", sagte Stefan Schreiber, Sprecher des Projektkomitees beim Nationalen Genomforschungsnetz (NGFN), gestern bei einer Pressekonferenz.Die von dem Netz geförderten Wissenschaftler halten in diesen Tagen ihr erstes gemeinsames Symposium mit Kollegen vom Deutschen Humangenomprojekt (DHGP) ab. Auf der Veranstaltung wollen die mehr als 550 Teilnehmer den Stand der Forschung diskutieren und darüber beraten, in welcher Form die beiden Programme weitergeführt werden sollen.Forscher des vor sieben Jahren ins Leben gerufenen Humangenomprojekts waren bereits maßgeblich an der Entschlüsselung des menschlichen Erbguts beteiligt. Im Jahr 2000 wurde zusätzlich das Genomforschungsnetz gegründet. "Das NGFN soll dazu beitragen, dass Erkenntnisse aus der molekularbiologischen Grundlagenforschung rasch und effizient zur Entwicklung neuer Therapien genutzt werden können", sagte Peter Lange vom Bundesforschungsministerium. Das Ministerium fördert beide Programme. Schwerpunkt des NGFN ist die Erforschung der großen Volksleiden. Dazu zählen Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs, Infektionen, Erkrankungen des Nervensystems sowie umweltbedingte Leiden, etwa Allergien. "Über die Gene, die zur Entstehung dieser Krankheiten beitragen, wissen wir noch sehr wenig", sagte Schreiber. Es gebe daher auch noch keine Therapien, die wirklich an den Ursachen der Leiden ansetzen. Forscher des Nationalen Genomforschungsnetzes sind auf dem Weg zu neuen Verfahren bereits einen Schritt weitergekommen: Bei drei Erkrankungen - nämlich Epilepsie, Asthma und der so genannten Crohn-Krankheit - konnten sie jetzt Gene identifizieren, die offenbar wesentlich zur Entstehung der Leiden beitragen. "Wir haben die Erbinformation von mehr als dreitausend Patienten untersucht", berichtete Schreiber. Der Wissenschaftler erforscht an der Universität Kiel die Crohn-Krankheit, ein entzündliches Darmleiden. Schreiber rechnet damit, dass die entdeckten Gene in ungefähr fünf bis zehn Jahren zur Entwicklung neuer Therapien führen werden. Entscheidend für den Erfolg solcher Projekte sei die Zusammenarbeit von Forschern verschiedener Fachrichtungen, etwa Ärzten, Bioinformatikern und Molekularbiologen.Um große Mengen an Erbinformation zu untersuchen, müssen die Wissenschaftler über ausgefeilte Technologien verfügen. Auch daran wird im NGFN geforscht: So haben Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg eine neue Generation von DNA-Chips entwickelt. Mit Hilfe der Chips könnten gezielt jene Gene untersucht werden, die nachweislich mit einer bestimmten Krankheit in Zusammenhang stehen, sagte Annemarie Poustka vom Deutschen Krebsforschungszentrum bei der Pressekonferenz. "Auf diese Weise haben wir bereits mögliche Ansatzpunkte für eine Therapie bei Nierenzellkrebs gefunden", berichtete Poustka. Um die Zusammenarbeit zwischen Grundlagenforschern und Ärzten noch effektiver zu machen, sollen DHGP und NGFN vom Jahr 2004 an zu einem einzigen Programm zusammengeführt werden. Martin Hrabé de Angelis vom Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit betonte bei der Pressekonferenz: "Wir hoffen, dass das Programm dann trotz der angespannten Haushaltslage in ähnlicher Größenordnung weiterlaufen kann wie bisher."Weitere Informationen zu den Programmen gibt es im Internet:www.dhgp.dewww.ngfn.de"Wir haben die Erbinformationen von mehr als dreitausend Patienten untersucht. " Stefan Schreiber, Nationales Genomforschungsnetz

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