VON M. KUNERT UND M. RAABEMARZAHN. Mit einem Festakt im Freizeitforum Marzahn ist gestern abend der 20. Jahrestag der Gründung des Bezirkes begangen worden. Unter den rund 400 Gästen befanden sich auch Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) sowie der erste Bürgermeister von Marzahn, Gerd Cyske.Zu den Ehrengästen gehörte auch Günter Peters. Der 70jährige kann als einer der Väter der größten Plattensiedlung Europas gelten: Von 1960 bis 1980 fungierte er als Stadtbaudirektor im Magistrat von Ost-Berlin und trug damit auch die Verantwortung für den Aufbau des neu entstehenden Stadtteils Marzahn."Wir hatten Ende der 60er Jahre 90 000 Wohnungssuchende in der Stadt. Die sollten möglichst schnell versorgt werden und dafür kam nur industrielles Bauen in Frage", sagt Peters. Für Neubau in solchen Dimensionen war in der Stadt kein Platz. Bei der Standortsuche damals wurden Karow-Nord, wo sich gegenwärtig das größte Wohnungsneubaugebiet befindet, und das spätere Hellersdorf verworfen. "Die Erschließung war zu teuer. Im Nordosten, im heutigen Marzahn, gab es neue Industrie, und deshalb waren Heizkraftwerk, Klärwerk und Hauptwasserleitung schon vorhanden", sagt Peters.Elf Geschosse in 100 TagenDas Bautempo war enorm. Am 8. Juli 1977 wurde die allererste Platte gesetzt, für einen Elfgeschosser. Am 30. November desselben Jahres konnten die ersten Neu-Marzahner einziehen. Zehn Jahre später hatten 150 000 Menschen hier einen Neubau bezogen. "So ein Elfgeschosser wurde in 109 bis 111 Tagen fertig. Das schafft man mit keiner anderen Bauweise", meint Peters.Er habe sich schon früh gegen den großflächigen Abriß und für die Sanierung von Altbaugebieten eingesetzt. Ein Ergebnis sei sein Modernisierungskonzept vom Ende der 70er Jahre für den Arnimplatz im Bezirk Prenzlauer Berg. Doch beim Neubau auf freier Fläche favorisiert er die "Platte" nach wie vor. Was er inzwischen an Großsiedlungen in anderen großen Städten zwischen Moskau und San Francisco sah, hat Peters nicht beirrt: "Die Leute haben hier in Marzahn gute Wohnungen bezogen. Und diese Häuser können sehr lange stehen, wenn man sich um die Erhaltung bemüht."Schlechte FassadenfarbenAuch aus heutiger Sicht sieht Peters deshalb keine Fehler beim Bau der großen Plattensiedlungen im Ostteil der Stadt. Bis auf die äußere Gestaltung. "Aber da hatten wir ja nur so schlechte Farben zur Verfügung, daß die Häuser nach zwei Jahren schon wieder häßlich ausgesehen hätten. Damit war nicht viel auszurichten", so Peters.
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