Gutachten: Sicherheit ist nicht gewährleistet / Kritik an Pollern

Jüdische Gemeinde gibt Gebäude auf

Marlies Emmerich Claudia Fuchs
3 Min

CHARLOTTENBURG. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin will noch in diesem Jahr ihr Verwaltungsgebäude in der Joachimstaler Straße aufgeben. "Das Vorderhaus ist nicht sicher genug", sagte Gemeindechef Albert Meyer der Berliner Zeitung. Das Gebäude, in dem die Rabbinerbüros, die orthodoxe Synagoge und Teile der Gemeindeverwaltung untergebracht sind, wird seit Anfang Dezember durch Betonpoller gesichert, die vorher vor der Synagoge in der Oranienburger Straße standen. "Diese nützen aber letztlich nichts", sagte Meyer. Der Gemeindevorstand wolle deshalb möglichst schnell mehrere Etagen im benachbarten Allianzhaus anmieten. "Dort konzentrieren wir dann die gesamte Verwaltung", so Meyer. Das Gemeindehaus in der nahe gelegenen Fasanenstraße solle dann ausschließlich als jüdisches Zentrum für Kultur genutzt werden. Noch im Februar will sich das Gemeindeparlament mit den Umzugsplänen befassen.Der Auszug aus dem alten Backsteingebäude war bereits 1996 in einer Untersuchung angeregt worden. Eine weitere Analyse - nach den Anschlägen auf Synagogen in Istanbul - kam Ende 2003 erneut zu dem Schluss, "dass technische Maßnahmen nur unzureichenden Schutz . bieten". Eine Vollsperrung der Joachimstaler Straße hatte die Gemeinde abgelehnt, ebenso eine übereilte Räumung des Areals. Um das Haus vor möglichen Anschlägen zu schützen, wurden im Dezember Poller aufgestellt.Doch gegen die hat nicht nur die Gemeinde etwas einzuwenden. Auch den Bezirk stören die Betonteile. "Wir wollen uns nicht gefallen lassen, wie man die City-West verstellt", sagte Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU). Poller, die in Mitte als störend empfunden wurden, habe man in seinem Bezirk abgeladen. Er habe Verständnis dafür, dass die aktuelle Situation besondere Schutzmaßnahmen erfordere - aber der Bezirk sei im Vorfeld nicht über das Vorhaben informiert worden. Weil sich auch Anlieger über die Poller beschwerten, hat Gröhler nach eigener Aussage im Dezember schriftlich beim Polizeipräsidenten angefragt, ob die Poller eine Dauerlösung darstellen. "Eine Antwort habe ich aber noch nicht bekommen", sagt er. Auch Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) ist mit dem Zustand nicht zufrieden. "Es muss eine Lösung gefunden werden, die Schutz bietet, aber auch ins Stadtbild passt. " Bei der Polizei bestätigt man indirekt, dass die Poller nicht optimal sind. "Wir arbeiten jetzt an einer allgemeinverträglichen Lösung", sagte Polizeisprecherin Christine Ro- ther. Ob die Poller ausgewechselt und wie in Mitte durch andere Sicherheitsvorkehrungen ersetzt werden, könne sie jedoch nicht sagen. "Die Lösung des Problems wird aber nicht auf die lange Bank geschoben. "Poller-Odyssee // Erster Standort: Im April 2003 wurden vor der Jüdischen Synagoge an der Oranienburger Straße 56 Betonquader aufgestellt. Die 1,50 Meter breiten und einen Meter hohen Poller sollten die Einrichtung vor möglichen Anschlägen schützen.Die Demontage: Nach Protesten von Anliegern, Senatsvertretern und der Jüdischen Gemeinde wurden die Klötze im August demontiert und durch Metallpoller ersetzt. Kosten: rund eine halbe Million Euro.Neue Standorte: Einige Klötze stehen seit Ende November vor der Britischen Botschaft in der Wilhelmstraße in Mitte, weitere 15 wurden im Dezember vor dem Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde an der Joachimstaler Straße aufgestellt.BERLINER ZEITUNG/MIKE FRÖHLING Beton-Wall: Seit Anfang Dezember stehen 15 Poller vor dem Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde in der Joachimstaler Straße.

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