António Guterres trat 2017 mit einem klaren Anspruch an. Frieden sollte zum Kern seiner Amtszeit bei den Vereinten Nationen werden. „Konfliktprävention ist nicht nur eine Priorität, sondern hat die oberste Priorität“, sagte er am 10. Januar 2017 vor dem Sicherheitsrat. Er wollte mehr Diplomatie, mehr Vermittlung und vor allem früheres Eingreifen, bevor Konflikte entstehen. Nun gut, hehre Ziele, zwei Amtszeiten und zehn Jahre später muss sich der Portugiese an den Ergebnissen messen lassen.
Machen wir es kurz: Guterres’ Bilanz ist verheerend. Die Zahl der aktiven staatlichen Konflikte ist laut dem renommierten Osloer Friedensforschungsinstitut (PRIO) von 54 (2016) auf 65 (2025) angestiegen. Dazu zählen nicht nur zahlreiche regionale Bürgerkriege wie in Myanmar, Sudan oder Haiti, sondern auch gewaltige zwischenstaatliche Kriege in der Ukraine und im Iran. In keinem dieser zentralen Konflikte gelang der UN unter Guterres eine dauerhafte politische Friedenslösung.
Sicherlich ist die Rolle der UN nicht nur auf die direkte Beendigung von Konflikten begrenzt. Unmittelbare humanitäre Hilfe in Krisengebieten ist etwa ein sinnvoller Beitrag. Im Ukraine-Krieg ermöglichte die UN-Vermittlung zudem ein Getreideabkommen und damit den Export ukrainischer Agrarprodukte für den Weltmarkt. Auch beim Waffenstillstand in Libyen (2020) und beim äthiopischen Tigray-Abkommen (2022) spielte die UN mit. Bei den entscheidenden Verhandlungen lag die Initiative jedoch vielfach bei den Staaten oder regionalen Organisationen.
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Doch gerade dies ist die alles entscheidende Aufgabe der Vereinten Nationen. Punkt. Es heißt bereits im ersten Satz der Präambel klar: „Wir, die Völker der Vereinten Nationen [sind] fest entschlossen, künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren.“ Konkret sagt Kapitel 1, Artikel 1: „Die Vereinten Nationen setzen sich folgende Ziele: den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren.“ Da nützen auch alle gut gemeinten und gut klingenden Initiativen zum Schutz der Meere, zur Digitalisierung und zum Klimawandel nichts. Ohne ihrer Kernaufgabe nachzukommen, erübrigt sich diese Organisation selbst.
Damit zeigt Guterres’ Amtszeit vor allem die strukturelle Grenze des Amtes. Die UN kann Frieden fordern, vermitteln, überwachen und die Folgen von Kriegen begrenzen. Wenn Staaten allerdings bereit sind, militärische Gewalt einzusetzen und ihre Interessen durchzusetzen, reichen die Instrumente des Generalsekretärs nicht aus. Der Abstand zwischen Guterres’ Anspruch, Kriege zu verhindern, und der tatsächlichen Möglichkeit der UN, dies durchzusetzen, ist auch ein Signal für die Unfähigkeit der UN als Ganzes.
In seiner letzten Rede vor der Vollversammlung resümierte António Guterres seine Amtszeit als Generalsekretär. Besonders stolz war er darauf, dass die UN zumindest Geschlechterparität in der Führungsstruktur und Belegschaft erreicht haben. Die Betonung der Geschlechterfrage in einer ohnehin privilegierten Organisation zeigt einmal mehr die Zahnlosigkeit des Papiertigers António Guterres.
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