BERLIN. Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich beeilt: Zwei Wochen nach Amtsübernahme ist der neue Verteidigungsminister gestern zum Antrittsbesuch nach Afghanistan gereist. Es ist seine ersten richtige Auslandsreise, nur bei der Nato in Brüssel ist er zuvor schon kurz gewesen. Sein Vorgänger Franz Josef Jung hatte vier Wochen gebraucht, ehe er kurz vor Weihnachten 2005 bei den deutschen Truppen in Afghanistan auftauchte.Es gibt genug Gründe für eine Reise nach Afghanistan. Die Präsidentenwahl ist vom Vorwurf des Betrugs überschattet. Der Erfolg der internationalen Truppen steht nach acht Jahren immer noch in Frage. Aus den USA kommt der Wunsch nach weiteren Soldaten. Ein deutscher Oberst hat im September einen Luftangriff befohlen, bei dem auch Zivilisten ums Leben kamen. In Berlin wird der Ruf nach einem Zeitplan für den Truppenabzug immer lauter. Gleich nach seiner Ankunft in Kabul machte Guttenberg aber deutlich, dass sein Besuch vor allem ein Ziel hat: Es geht nicht darum, Zusagen zu machen, sondern sich ein Bild von der Lage zu verschaffen. "Wir stehen zu unserem Einsatz. Aber wir wollen wissen, was die afghanische Regierung als nächste Ziele plant", sagte er."Kriegsähnliche Zustände"Guttenberg hat sich dazu mit Präsident Hamid Karsai getroffen, dessen Legitimität seit der umstrittenen Wahl mehr denn je in Frage steht. Er habe sehr deutlich die Erwartung formuliert, "dass die Regierung Karsai in Vorlage zu treten hat", sagte Guttenberg. Er habe unter anderem die Korruption und Karsais Regierungsführung angesprochen. Weitere Verpflichtungen Deutschlands in Afghanistan seien abhängig von den Ergebnissen der für Januar geplanten Afghanistan-Konferenz sowie vom Verhalten der afghanischen Regierung.Die Obergrenze für das deutsche Afghanistan-Mandat wird bei der Verlängerung des Mandats im Dezember zunächst einmal nicht erhöht. 4 500 Soldaten kann die Bundeswehr bislang entsenden. Deutsche Militärs gehen davon aus, dass die Zahl steigen wird. Im Gespräch waren mindestens 7 000 Soldaten.Guttenberg hat sich in Kabul auch mit dem Kommandeur der internationalen Truppe Isaf, dem US-General Stanley McChrystal, getroffen, der eine substanzielle Aufstockung der Truppen fordert. Nach Angaben der Washington Post widerspricht ihm allerdings der US-Botschafter in Afghanistan, Karl Eikenberry in einem vertraulichen Bericht an die US-Regierung. Eikenberry habe dies unter anderem mit der Unberechenbarkeit Karsais begründet, schreibt die Zeitung.In Afghanistan traf der Minister auch mit deutschen Soldaten zusammen. "Sie haben gemerkt, es gibt eine andere Wortwahl", sagte er denen. Guttenberg spricht jetzt - anders als sein Vorgänger - im Zusammenhang mit Afghanistan von Krieg. "Kriegsähnliche Zustände", diesen Begriff wiederholt Guttenberg nun auch vor Ort.Doch es gibt bei ihm nicht nur eine andere Wortwahl, sondern auch eine andere Kleidung: Anders als seine Vorgänger hat Guttenberg auch in Afghanistan nicht auf Anzug und Krawatte verzichtet.------------------------------Nato will 2010 mit Truppenabzug beginnenDer US-Botschafter in Kabul, Karl Eikenberry, hat Medienberichten zufolge die amerikanische Regierung davor gewarnt, zusätzliche Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Zuerst sollten Fortschritte der afghanischen Regierung im Kampf gegen Korruption und Missmanagement abgewartet werden.US-Präsident Barack Obama hat alle bisher vorgelegten Pläne für eine neue Afghanistan-Strategie abgelehnt. Diskutiert wurden vier Optionen. Die Minimal-Variante sah die Entsendung von 10 000 zusätzlichen Soldaten vor, die Maximal-Lösung - wie vom Chef der Afghanistan-Truppe gewünscht - 40 000.Die Nato will nächstes Jahr die Verantwortung für einzelne Gebiete in Afghanistan an einheimische Sicherheitskräfte übertragen. Das teilte das Nato-Hauptquartier gestern mit. Hintergrund ist, dass viele der 28 Mitgliedstaaten des Bündnisses ihre Soldaten aus der Krisenregion zurückziehen möchten.------------------------------Foto: Abmarsch: der Verteidigungsminister im Kreise von Bundeswehrsoldaten auf dem Weg ins Militärflugzeug.
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