Bücherfrage der Woche

Hengameh Yaghoobifarah: Wir drehen uns im Kreis

Die Bücherfrage der Woche gilt „Habibitus“, dem Buch, das die Kolumnen von Hengameh Yaghoobifarah versammelt. Viele Themen sind aktuell geblieben.

Cornelia Geißler Redaktion: Cornelia Geißler
3 Min
Hengameh Yaghoobifarahs jüngstes Buch enthält ältere Texte, die nicht veraltet sind. 

Hengameh Yaghoobifarahs jüngstes Buch enthält ältere Texte, die nicht veraltet sind. 

© Tobias Brust

Zeitungskolumnen werden für den Tag geschrieben. Beim Wiederlesen erinnert man sich manchmal kaum an den Anlass oder denkt mit Ärger, vielleicht gar Rührung daran. Erscheinen solche Kolumnen nach Jahren in einem Buch und wirken wie in einem Gespräch miteinander, zeigt das die literarische Qualität des eigentlich journalistischen Genres. Jetzt erscheint so ein Sammelband von Hengameh Yaghoobifarah unter dem Titel der taz-Kolumne „Habibitus“ bei Blumenbar. Fragen wir Hengameh Yaghoobifarah selbst: Wie ging es Ihnen beim Wiederlesen der Texte – macht Sie die Haltbarkeit eher froh oder wütend?

Hengameh Yaghoobifarah: Beim Auswählen hatte ich Kopfschmerzen, weil ich oft dachte: Diese Texte sind teilweise so alt, auch mein Schreibstil hat sich geändert. Ein bisschen habe ich mich für mein jüngeres Selbst geschämt. Bei manchen Kolumnen, die ich vergessen hatte, musste ich auch lachen. Schließlich waren es nur wenige Texte, bei denen ich das Gefühl hatte, deren Thema hat sich erledigt.

Denn nicht nur das eigene Schreiben anzuschauen, war eine Achterbahnfahrt, vielmehr traf das auf die Themen zu: Wir drehen uns die ganze Zeit im Kreis. Ein Text, der vor vier Jahren tagesaktuell war, passt immer noch, weil sich die Debatte wiederholt. Eine ganze Reihe von Texten, die sich nicht auf konkrete Ereignisse beziehen, wenn es zum Beispiel um Vokuhilas geht, um Crocs oder die deutsche Essenskultur, sind einfach aktuell geblieben, weil sie polarisieren. Natürlich ist die Kolumne, die am meisten auf Widerstand gestoßen ist, mit der ich die Polizei auf den Müllhaufen geschickt habe, auch dabei. Die Diskussion hat sie zu einem Politikum gemacht. Wenn ich auf sie verzichtet hätte, könnte man denken, ich würde diese Kolumne bereuen.

Fast sieben Jahre habe ich die Kolumne für die taz geschrieben, dann dachte ich, es kann mal jemand anderes den Platz einnehmen. Die Textformen, die mich gerade mehr interessieren, haben einen längeren Atem. Ich bin gerade ganz froh, nicht mehr in diesem Loop zu sein, alle zwei Wochen ein Thema zu finden, und schreibe an meinem zweiten Roman. Ich hatte übrigens nicht selber die Idee zu dem Buch, sondern Fatma Aydemir, die die Kolumne in der Redaktion betreut hat. Sie war traurig, dass ich aufhöre. Das Buch jetzt zu haben, fühlt sich gut an, wie ein Abschluss dieser Phase meines Lebens.

Lesung am 9.6., 20 Uhr, Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Straße 141

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