Häftling überwindet sechs Meter hohe Mauer in Plötzensee / Sicherheit inzwischen verschärft

Riesensprung in die Freiheit

Lutz Schnedelbach
3 Min

Mit einem spektakulären Sprung aus acht Meter Höhe ist am Donnerstagvormittag Mike M. in die Geschichte der Jugendstrafanstalt Plötzensee eingegangen. Der 20-Jährige sprang während eines Hofgangs gegen neun Uhr in seiner Anstaltskleidung über die Gefängnismauer.Mike M. aus der Müllerstraße in Wedding wurde in der vergangenen Woche in die Jugendstrafanstalt gebracht. Das Amtsgericht Tiergarten hatte ihn zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Er war beim Betrügen und beim Fahren ohne Führerschein erwischt und angeklagt worden. Die Wärter versuchen jetzt von den Insassen herauszubekommen, wann sich der blonde Mike M. dazu entschloss, zu fliehen.Gesehen haben die Beamten den Sprung nicht. Es sei jedoch die einzige Möglichkeit zur Flucht gewesen, außerdem wiesen Spuren auf der Mauer darauf hin, so die Anstalt. Die Justizangestellten sind sehr beeindruckt von dem Sprung. Aus acht Meter Höhe über die fünf Meter entfernte Mauer zu springen sei eine artistische Meisterleistung, sagte ein Wärter. "Das hat noch keiner geschafft. Ich kann es noch gar nicht fassen. " Stacheldraht verlegt Weil solch ein Satz als unmöglich galt, war das Dach des Haftgebäudes, von dem der 1,74 Meter große Mike M. sprang, nicht zusätzlich gesichert worden. Wir sind nicht auf die Idee gekommen, dort Stacheldraht zu verlegen, hieß es. Auch den Mitgliedern der Sicherheitskommissionen, die Gefängnisse inspizieren, kam es nicht in den Sinn, das Dach zu sichern. Seit Donnerstagmittag ist das nun anders. Auf dem Dach wurde so genannter Natodraht verlegt. Die Sicherheitsvorkehrungen auf und neben der Außenmauer wurden außerdem verstärkt.Die Anstaltsleitung sowie Beamte der Justizverwaltung untersuchen jetzt die Flucht. Noch wissen sie nicht, wie der 20-Jährige auf das Dach des an den Hof angrenzenden Gebäudes gekommen ist und warum es den Aufsehern nicht aufgefallen war, dass Mike M. beim Hofgang nicht mehr dabei war. Geprüft werde auch, ob andere Gefangene dem Häftling geholfen haben oder die Flucht durch Unaufmerksamkeit des Wachpersonals begünstigt worden ist. Erste Ergebnisse der Untersuchung werden in der kommenden Woche erwartet. Von Mike M. fehlt indes jede Spur. Besonderes Kennzeichen des Jungen: blaue Augen und ein Muttermal am Kinn.Der Ausbruch war gegen 9. 10 Uhr vom Wachpersonal bemerkt worden. Die Polizei wurde informiert. Daraufhin erhielten Funkwagenbesatzungen den Auftrag, nach dem jungen Mann zu suchen. Die stadtweite Fahndung hat bisher nichts gebracht. Polizisten schließen nicht aus, dass sich Mike M. bei seinem Sprung verletzt hat.Die Jugendstrafanstalt in Plötzensee, in der rund 450 Jugendliche und Heranwachsende eingesperrt sind, zählt zu den sichersten Haftanstalten Berlins. Der letzte spektakuläre Ausbruch ist vier Jahre her. Drei Rumänen, die wegen Raub, Vergewaltigung und Körperverletzung verurteilt worden waren, sägten einen Gitterstab des Dachfensters im Haus 2 durch, kletterten aufs Dach und seilten sich auf die Gefängnismauer ab. Von dort sprangen sie in ein Gebüsch. Es dauerte eine Stunde, bis die Flucht entdeckt wurde. Bis heute ist unklar, woher die Gefangenen das Werkzeug hatten, um den Gitterstab durchzusägen."Das hat noch keiner geschafft. Ich kann es noch gar nicht fassen. " Ein Wärter.Grafik: Flucht aus der Jugendstrafanstalt Plötzensee.Foto: Mike M. sprang vom Dach aus über diese sechs Meter hohe Mauer der Jugendhaftanstalt in Plötzensee.

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