Hafenarbeiter in zahlreichen Ländern haben am Freitag gegen Waffentransporte über zivile Häfen und für bessere Arbeitsbedingungen gestreikt. Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich Beschäftigte in 113 Häfen in 22 Ländern. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete von Störungen im Güter- und Fährverkehr.
Mehr als 25 Gewerkschaften unterstützten die Arbeitsniederlegungen. Ursprünglich war der Aktionstag von Gewerkschaften in Italien, Frankreich, Griechenland, dem spanischen Baskenland, der Türkei und Marokko ausgerufen worden. Aktionen gab es unter anderem in Piräus, Genua, Le Havre und Valencia sowie im marokkanischen Tanger Med und im indischen Nhava Sheva.
Fährverkehr in Griechenland unterbrochen
In Griechenland beteiligten sich nach Reuters-Angaben rund 3000 Hafenarbeiter und Seeleute am Streik. Im Hafen von Piräus wurde der Güterumschlag beeinträchtigt, Fährverbindungen zu griechischen Inseln wurden eingestellt. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtete, streikten Seeleute auch für höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Sicherheit an Bord.
In Frankreich rief die Gewerkschaft CGT zu Arbeitsniederlegungen in Häfen wie Le Havre, Marseille, Dünkirchen und Rouen auf. In Italien fanden neben den Hafenprotesten Demonstrationen im Rahmen eines landesweiten Generalstreiks statt. Die Verkehrsbehinderungen fielen dort nach AP-Angaben geringer aus als erwartet, nachdem die Regierung Beschäftigte zur Wiederaufnahme der Arbeit verpflichtet hatte.
Gewerkschaften gegen militärische Nutzung der Häfen
Die beteiligten Gewerkschaften fordern, zivile Häfen nicht für den Transport von Waffen, Munition, Militärgerät und Soldaten zu nutzen. Sie wenden sich gegen Kriege im Nahen Osten, darunter den Gazakrieg, und verweisen auf getötete und verletzte Seeleute in Konfliktgebieten vom Persischen Golf bis zum Schwarzen Meer.
Zudem verlangen die Beschäftigten besseren Schutz für Seeleute. Dazu gehört nach Reuters-Angaben die Forderung, auf Schiffen, die Kriegsgebiete durchqueren, Ärzte an Bord zu haben. Die Gewerkschaften kritisieren außerdem die zunehmende Automatisierung der Häfen.
Die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) unterstützt die Proteste. Auch die deutsche Gewerkschaft Verdi gehört nach Angaben des Verbandes zu den Organisationen, die sich an den Aktionen beteiligen oder ihre Solidarität erklärt haben. Einer Veröffentlichung der Hamburger Linken zufolge hatte die Verdi-Fachgruppe Luftverkehr und Maritime Wirtschaft für Freitagmittag zu einer Kundgebung gegen Krieg und Militarisierung vor dem Lagerhaus G im Hamburger Hafen aufgerufen.
Wirtschaftliche Folgen begrenzt
Wie stark der internationale Warenverkehr insgesamt beeinträchtigt wurde, blieb zunächst offen. Eine Protestgruppe erklärte, durch die Aktionen würden rund 52.000 Container aufgehalten und Warentransporte im Wert von 2,8 Milliarden US-Dollar behindert. Reuters konnte diese Angaben nicht unabhängig überprüfen.
Fachleute rechnen laut AP bei einem eintägigen Streik nicht mit größeren Auswirkungen auf den Welthandel. Marcus Baker vom Versicherungsberater Marsh erklärte, verderbliche Waren und zeitkritische Lieferungen könnten allerdings betroffen sein.
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