Sportlich hat die Hansa-Kogge gerade einen Lauf, abseits des Rasens sieht es für den Rostocker Verein momentan allerdings etwas anders aus. Denn sechs Wochen nach einem Freundschaftsspiel beim FC Watford holt den Drittligisten FC Hansa Rostock ein Vorfall ein, der weit über Fußball hinausgeht. Das Rechercheportal Exif berichtet jetzt, dass sich Rostocker Hooligans in England mit Anhängern der Glasgow Rangers und von Olympique Lyon geprügelt haben sollen.
Aber das ist noch nicht alles. Die Recherche von Exif schlug am 4. September ein wie eine Bombe. Der Verein reagierte laut NDR noch am Donnerstag mit einer klaren Stellungnahme und kündigte konsequente Maßnahmen an.
Was den Fall besonders brisant macht: Ein Foto zeigt mutmaßlich Beteiligte, die vor einer Hakenkreuz-Flagge posieren, einige sollen dabei den Hitlergruß gezeigt haben. Auf den veröffentlichten Bildern zu sehen ist auch einschlägige Kleidung, die auf die organisierte Neonazi-Szene hindeutet.
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Das Bildmaterial war offenbar zunächst auf einem einschlägigen X-Account aufgetaucht und verschwand kurz darauf wieder. Exif dokumentierte nicht nur den Inhalt, sondern auch eine Aufforderung aus der Hooliganszene, das Material schnell zu löschen. Der Account „Hooligans.cz Official“ soll kommentiert haben: „Fucking fast delete.“
Hansa reagiert sofort und gibt Erschütterndes zu
Der FC Hansa Rostock ließ keine Zeit verstreichen, veröffentlichte noch Donnerstagabend eine Stellungnahme, in der sich der Verein unmissverständlich von den bekanntgewordenen Vorfällen aus England distanzierte.
„Für uns steht fest: Rechtsextremismus, nationalsozialistische Symbolik und menschenverachtendes Gedankengut haben beim F.C. Hansa Rostock keinen Platz“, erklärte der Club. Man habe umgehend die Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern, Bundespolizei, Staatsschutz, DFB informiert und Kontakt zur Stadionverbotsstelle aufgenommen.
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Doch mit der Distanzierung allein war es nicht getan. Der Verein musste auch eingestehen, dass einige der abgebildeten Personen aus dem eigenen Umfeld bekannt sind – und nicht nur als Gesichter aus der Kurve des Ostseestadions. „Besonders erschütternd ist für uns in diesem Zusammenhang, dass einzelne der im Bericht abgebildeten Personen auch bei Veranstaltungen im Vereinsumfeld, unter anderem bei unserem Kinderfest, dabei waren“, teilte Hansa mit.
Der Verein betonte aber, dass ihm Hinweise auf den nun bekannt gewordenen Hintergrund dieser Personen zum damaligen Zeitpunkt nicht vorlagen. Man werde auch diesen Aspekt umfassend prüfen und bewerten.
Stadionverbote und Vereinsausschlüsse drohen
Der Verein kündigte an, eventuelle Verbindungen der Betroffenen zu Hansa-Rostock systematisch zu durchleuchten. „Dies umfasst neben einer möglichen Vereinsmitgliedschaft auch bestehende oder frühere geschäftliche, organisatorische oder anderweitige Beziehungen zum Verein“, erklärte Hansa. Sollten dabei Verbindungen festgestellt werden, die mit den Grundsätzen und Werten des Vereins nicht vereinbar sind, würden diese konsequent beendet.
Und diese Konsequenzen wären weitreichend. Im Raum stehen Stadionverbote, die Beendigung von Geschäftsbeziehungen und Vereinsausschlüsse. Ob der DFB darüber hinaus ein sportrechtliches Verfahren einleitet, ist noch offen. Die bloße Kontaktaufnahme mit der Stadionverbotsstelle ist noch kein Verfahren, aber ein deutliches Signal.
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Ein Fußballfest mit dunklem Nachspiel
Das Spiel am 25. Juli in Watford war das erste Gastspiel des FC Hansa bei einem englischen Verein in der 60-jährigen Vereinsgeschichte. Mehr als 6000 Fans reisten in die Stadt nordwestlich von London – eine Kulisse, die selbst den Gastgeber beeindruckte. Watford FC beschrieb die Atmosphäre rund ums Stadion ausdrücklich als positiv. Das Ergebnis lautete am Ende 3:0 für die Hornets.
Der jetzt von Exif ans Licht gebrachte Vorfall soll abseits des Stadiongeländes an einem Drittort stattgefunden haben, getrennt vom eigentlichen Spielbetrieb und von der großen Mehrheit der friedlichen Fans. Die Vorwürfe richten sich demnach gegen eine kleine Gruppe, nicht gegen die Tausenden Fans, die die Reise nach England als einmaliges Fest begingen. Für den Verein aber sind die Fragen, die dieser Skandal aufwirft, alles andere als klein.
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