Antisemitismus

Glocken und stehende Straßenbahnen um 12.03 Uhr: Halle gedenkt der Opfer des Anschlags von 2019

Halle gedenkt der Opfer des antisemitischen Anschlags von 2019. Um 12.03 Uhr stoppen die Bahnen. Abends wollen sich Menschen auf dem Marktplatz.

4 Min
Am 9. Oktober 2019 hatte der Deutsche Stephan B. schwer bewaffnet erst versucht, in eine Synagoge einzudringen.

Am 9. Oktober 2019 hatte der Deutsche Stephan B. schwer bewaffnet erst versucht, in eine Synagoge einzudringen.

© Jan Woitas/dpa

Mit mehreren Veranstaltungen gedenkt Halle am Freitag der Opfer des antisemitischen Anschlags vom neunten Oktober 2019. Der Attentäter Stephan B. hatte am 9. Oktober 2019 versucht, sich an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, Zugang zur Synagoge zu verschaffen.

Er scheiterte an der Tür und erschoss vor dem Gotteshaus die 40-jährige Jana S. An einem Dönerimbiss erschoss der Täter zudem den 20-jährigen Kevin S. Weitere Menschen wurden verletzt.

Schon am Abend vor dem Jahrestag haben sich rund 230 Menschen vor dem früheren Dönerimbiss in Halle versammelt.

An diesem Freitag setzt die Stadt das Gedenken an die Opfer des Anschlags von Halle fort. Geplant sind eine Schweigeminute um 12.03 Uhr, läutende Kirchenglocken und anhaltende Straßenbahnen. Am Abend folgt eine zentrale Gedenkfeier auf dem Marktplatz.

Hunderte erinnern am früheren Dönerimbiss an Kevin S.

Bereits am Donnerstagabend kamen nach Angaben des MDR rund 230 Menschen in der Ludwig-Wucherer-Straße zusammen. Für das Gedenken wurde die viel befahrene Straße gesperrt, auch der Straßenbahnverkehr ruhte zeitweise. Betroffene und Hinterbliebene kamen in Redebeiträgen zu Wort. Ismet Tekin, der den Imbiss gemeinsam mit seinem Bruder betrieben hatte, erinnerte an die Tat vor sieben Jahren.

Auch an das zweite Todesopfer wurde erinnert: Jana L. wurde 2019 vor der Synagoge erschossen. Sie sang im Frauenchor „Missklang“, der am Gedenkort Lieder anstimmte, die sie gern gesungen hatte. Chorleiterin Viola Rieck war wie in den Vorjahren dabei.

Schweigeminute um 12.03 Uhr – warum in Halle die Bahnen stoppen

Den Mittelpunkt des Gedenktags bildet die Schweigeminute um 12.03 Uhr. Das ist der Zeitpunkt, an dem am 9. Oktober 2019 die ersten tödlichen Schüsse fielen.

Stadtweit läuten dann die Kirchenglocken. Die Hallesche Verkehrs-AG lässt ihre Fahrzeuge am nächsten geeigneten Abstellpunkt anhalten und informiert per Durchsage in den Bahnen und an den Haltestellen über das Gedenken.

Schon am Vormittag legt die Stadt an beiden Gedenktafeln Kränze nieder – vor der Synagoge in der Humboldtstraße 52 und in der Ludwig-Wucherer-Straße 12.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

An der Synagoge spricht um 12 Uhr Max Privorozki, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Gedenkworte. Nach der Schweigeminute können Besucher am Denkmal „Neun-Zehn-Neunzehn“ im Hof der Synagoge Steine ablegen. Die Beigeordnete für Kultur und Sport, Dr. Judith Marquardt, nimmt an dem Gedenken teil. Zum stillen Gedenken in der Synagoge wird den Angaben zufolge auch Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) erwartet.

Zentrale Gedenkfeier um 17 Uhr auf dem Marktplatz

Am Abend lädt die Stadt gemeinsam mit dem Evangelischen Kirchenkreis Halle-Saalkreis zur zentralen Gedenkveranstaltung. Sie beginnt um 17 Uhr am Geoskop auf dem Marktplatz.

Zur Andacht spricht Superintendentin Ute Niethammer, die Gedenkrede der Stadt hält Bürgermeister Egbert Geier. Vorgesehen ist ein Gebet auf Deutsch und Hebräisch. Die Teilnehmer sind eingeladen, Kerzen mitzubringen, die am Ende gemeinsam entzündet werden.

Was am 9. Oktober 2019 in Halle geschah

Am 9. Oktober 2019, dem jüdischen Feiertag Jom Kippur, versuchte der Rechtsterrorist Stephan B., die Synagoge in der Humboldtstraße zu stürmen. Er scheiterte an der Tür.

Vor dem Gotteshaus erschoss er die 40-jährige Jana L., kurz darauf an einem Dönerimbiss den 20-jährigen Kevin S. Weitere Menschen wurden verletzt. Der Attentäter verbüßt eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der frühere Dönerladen ist heute ein Begegnungsort, an dem Menschen zusammenkommen, um zu reden oder gemeinsam zu kochen.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner