Der bewaffnete Flügel der Hamas hat am Donnerstag gewarnt, dass Israels anhaltende Luftangriffe und der Artilleriebeschuss in Gaza das Leben der Geiseln gefährden, die freigelassen werden sollen. „Jede Aggression und jeder Artilleriebeschuss in diesem Stadium durch den Feind könnte die Freilassung eines Gefangenen in eine Tragödie verwandeln“, teilten die Ezzedine Al-Qassam Brigaden auf Telegram und bezogen sich dabei auf die Dutzenden israelischen Geiseln, die seit dem Angriff vom 7. Oktober 2023 in Gaza festgehalten werden.
Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, erklärte Abu Obeida, Sprecher des bewaffneten Hamas-Flügels, ein Angriff Israels habe einen Ort getroffen, an dem sich eine der Frauen befand, die „in der ersten Phase des Waffenstillstandsabkommens“ freigelassen werden sollte. Nähere Einzelheiten nannte er nicht.
Nach monatelangen indirekten Verhandlungen für ein Abkommen in dem seit 15 Monaten andauernden Krieg im Gazastreifen hatten die Vermittler Katar und USA am Mittwoch einen Durchbruch und die Einigung auf ein Abkommen verkündet. Demnach soll am Sonntag eine zunächst sechswöchige Waffenruhe in Kraft treten, während der 33 israelische Geiseln nach und nach im Austausch für palästinensische Gefangenen freigelassen werden sollen.
Israel verschärft Angriffe auf den Gazastreifen
Kurz nachdem die Nachricht im Gazastreifen Freude und Hoffnung ausgelöst hatte, griff die israelische Luftwaffe erneut Ziele im Palästinensergebiet an. Nach Angaben des Zivilschutzes von Gaza seien die israelischen Angriffe auf das Gebiet „eskaliert“. Mindestens 80 Menschen seien getötet und Hunderte weitere verletzt worden, hieß es. Mahmud Bassal, Sprecher des Zivilschutzes, sagte am Donnerstag der AFP, seine Teams hätten nach einem Angriff auf die nördliche Stadt Jabalia die Leichen von fünf Kindern geborgen.
Das israelische Militär (IDF) teilte mit, es habe in den vergangenen 24 Stunden „etwa 50 terroristische Ziele im gesamten Gazastreifen“ angegriffen. Dabei seien unter anderem „Mitglieder der Terrororganisationen Hamas und Islamischer Dschihad, militärische Infrastruktur, Munitionsdepots, Raketenwerferstellungen, Waffenproduktionsstätten und Beobachtungsposten“ ins Visier genommen worden.
Netanjahu: Hamas lehnt Teile des Gaza-Deals ab
Israels Premierminister Benjamin Netanjahu wirft nach Verkündung der Einigung des Gaza-Deals der Hamas vor, Teile des Abkommens abzulehnen. Eine Kabinettssitzung dazu wurde verschoben. Netanjahu machte keine näheren Angaben zu den Punkten des am Mittwoch angekündigten Abkommens, die die Hamas angeblich abgelehnt habe. Einem Bericht der israelischen Zeitung Haaretz zufolge soll die Abstimmung nun am morgigen Freitag erfolgen.
Wie der israelische Rundfunk Kan jedoch berichtet, informierte die für die Geiseln zuständige Direktion in Netanjahus Büro die Familien der Entführten darüber, dass die radikalislamische Palästinenserorganisation in den letzten Stunden Forderungen hinzugefügt habe, die im Widerspruch zum Abkommen stünden. „Zu diesem Zeitpunkt sind die Einzelheiten der Vereinbarung noch nicht endgültig festgelegt und das Verhandlungsteam setzt seine Bemühungen fort, eine Lösung zu finden“, heißt es in dem Bericht.
In einer ersten Reaktion auf Netanjahus Ankündigung erklärte die Hamas, sie halte sich an die Waffenruhe, die am Sonntag in Kraft treten sollte. (mit AFP)
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