Nahost

Gespräche über Gaza-Waffenruhe: Hamas-Chef reist zu Gesprächen nach Kairo

Al-Hajja reist erstmals seit seiner Wahl nach Ägypten. Die Beratungen fallen in eine Woche, in der auch Trumps Unterhändler Jared Kushner in Israel und Ägypten erwartet wird.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Chalil al-Hajja führt die Hamas-Delegation an, die in Kairo mit ägyptischen Regierungsvertretern über die Waffenruhe im Gazastreifen beraten soll.

Chalil al-Hajja führt die Hamas-Delegation an, die in Kairo mit ägyptischen Regierungsvertretern über die Waffenruhe im Gazastreifen beraten soll.

© Emmanuel Dunand/AFP

Der neue Hamas-Chef Chalil al-Hajja reist am Sonntag mit einer hochrangigen Delegation nach Kairo, um dort mit ägyptischen Regierungsvertretern über die Waffenruhe im Gazastreifen zu beraten. Das berichteten die Nachrichtenagenturen Anadolu und AFP unter Berufung auf Hamas-Kreise.

Für al-Hajja ist es der erste Besuch in Ägypten, seit er Ende Juli die Führung der islamistischen Bewegung übernommen hat.

Nach Angaben eines Hamas-Vertreters gegenüber Anadolu soll al-Hajja am Vormittag mit dem Chef des ägyptischen Auslandsgeheimdienstes, Hassan Rashad, zusammenkommen. Im Mittelpunkt stünden Gespräche über die Absicherung der seit Oktober vergangenen Jahres geltenden Feuerpause im Gazastreifen.

Ranghohe Delegation begleitet Hamas-Chef

Zur Delegation gehören laut Anadolu neben al-Hajja auch der Vorsitzende des Hamas-Schura-Rats, des obersten Führungsgremiums der Organisation, Mohammed Darwisch, der Chef der Auslandsvertretung, Chaled Maschal, der Hamas-Verantwortliche für das Westjordanland, Zaher Dschabarin, sowie Basem Naim, Leiter des Büros für arabische und islamische Beziehungen.

Al-Hajja übernahm im Juli die Führung der Hamas und wurde Nachfolger von Jihia al-Sinwar, der im Oktober 2024 bei einem Gefecht mit israelischen Soldaten im Gazastreifen getötet worden war. Der 1960 in Gaza-Stadt geborene Chefunterhändler setzte sich bei der Wahl knapp gegen den langjährigen Hamas-Anführer Chaled Maschal durch.

Al-Hajja vertritt innerhalb der Organisation einen härteren Kurs und gilt als enger Partner des Iran, während Maschal stärker auf die arabischen Golfstaaten setzt. Seit 2023 lebt al-Hajja in der katarischen Hauptstadt Doha.

Bei einem israelischen Angriff auf die Hamas-Führung in Doha im September 2025 hatten die Mitglieder der Verhandlungsdelegation nach Angaben von Hamas-Quellen überlebt. Getötet wurden demnach jedoch unter anderem ein Sohn al-Hajjas und sein Büroleiter. Ein weiterer Sohn starb laut Reuters im Mai bei einem israelischen Angriff im Gazastreifen.

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Streit über 15-Punkte-Plan

Die Gespräche fallen in eine Phase erhöhter diplomatischer Aktivität. In der kommenden Woche wird der Schwiegersohn und Unterhändler von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, nach Israel und Ägypten reisen. Begleitet wird er nach Angaben des Senders Al Jazeera von Nickolay Mladenov, dem Beauftragten des sogenannten „Board of Peace“ für Gaza.

Hintergrund der Beratungen ist ein 15-Punkte-Plan, dem die Hamas nach eigenen Angaben zugestimmt hat und der die Übergabe ihrer Waffen an ein neues palästinensisches Regierungsgremium vorsieht. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies den Plan am vergangenen Sonntag zurück. Israelische Streitkräfte würden „keinen Rückzug durchführen, bevor die Hamas tatsächlich entwaffnet ist“, zitierte Al Jazeera Netanjahu.

Hamas-Politbüromitglied Basem Naim hatte am Freitag gegenüber AFP erklärt, man erwarte, dass die Vermittler und die US-Regierung weiter Druck auf Netanjahu ausübten, damit dieser sich an den Fahrplan halte. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters hält Israel weiterhin mehr als 60 Prozent des Küstengebiets besetzt. Ihre formale Regierungsgewalt habe die Hamas an ein technokratisches palästinensisches Komitee abgegeben.

Nach Angaben palästinensischer Behörden, die Al Jazeera zitiert, wurden seit Inkrafttreten der Waffenruhe im Oktober mehr als 1250 Palästinenser im Gazastreifen durch israelischen Beschuss getötet. Am Samstag seien bei israelischen Luftangriffen und Artilleriebeschuss zwei weitere Menschen ums Leben gekommen, 14 wurden verletzt.

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