MÜNCHEN. Daniel van Buyten war bislang nicht als großer Redner bekannt; als Ottmar Hitzfeld noch Trainer beim FC Bayern war, da saß der belgische Abwehrspieler immer brav auf der Ersatzbank, sah zu und kümmerte sich nach dem Spiel um seinen Freund Franck Ribéry. Aber Daniel van Buyten ist jetzt schon wieder ein Jahr älter geworden. "Ich bin keine 22 mehr", sagt er, sondern eben schon 30, und als 30-Jähriger darf man ruhig auch mal was erzählen aus seinem Leben und überhaupt. Also nahm der Innenverteidiger Daniel van Buyten dieses 5:1 seines FC Bayern gegen Hannover 96 am Samstagnachmittag zum Anlass, in einer rund halbstündigen Tour durch die Mixed Zone der Münchner Arena ein paar Vorträge zu halten. Das war natürlich nett von ihm, und das passte auch irgendwie zur Gesamtstimmung an diesem Tag.Da waren zum einen die netten Hannoveraner: Die taten einfach so, als spielten sie in der Dritten Liga, und ließen die Münchner Tor um Tor erzielen, damit die ihren Trainer Jürgen Klinsmann doch noch behalten konnten. Und zum anderen der nette Uli Hoeneß: Der Münchner Manager verneinte jegliche Vermutung, man habe zuletzt intern über die Position des Trainers diskutiert, er wünschte allen "einen schönen Abend noch" und schenkte Leih-Stürmer Landon Donovan zum Abschied eine Armbanduhr. Und nicht zuletzt der nette Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge: Der sagte vor dem Spiel, man habe "großes Vertrauen in Jürgen Klinsmann", und tauchte nach dem Spiel gar nicht mehr auf.Sie haben allesamt aber dann doch ein bisschen geflunkert. Hätten die Münchner gegen Hannover verloren, wäre es eng geworden für den Projektleiter Jürgen Klinsmann an der Säbener Straße.Ein paar Tage vor der Partie gab es deshalb eine Mannschaftssitzung, in der wohl ein paar klare Worte fielen, was wiederum den langen Vorträgen van Buytens zu entnehmen war. Was genau besprochen wurde? Van Buyten gab dazu keine Antwort, und Torwart Michael Rensing behauptete schelmisch grinsend: "Das ist ja schon wieder ein paar Tage her, da kann ich mich gar nicht mehr dran erinnern." Jedenfalls war das Resultat, dass "jeder Einzelne von uns heute konzentrierter war als sonst", wie van Buyten fand. Er selbst hatte mit dem Treffer zum 1:1 die Wende in dieser Partie gebracht.Die Wende in der Gesamtlage aber ist noch lange nicht erreicht. Zwar merkte Torwart Michael Rensing an, er habe sich über den Sieg gefreut, "für uns und für den Trainer", Manager Uli Hoeneß aber gab auf die schon obligatorische Frage, ob Jürgen Klinsmann auch am 34. Spieltag noch Trainer des FC Bayern sei, nur die Auskunft, man wolle "jetzt gar nichts mehr sagen" und "von Spiel zu Spiel schauen". Bedingungsloser Zuspruch hört sich anders an, aber was sollte Hoeneß auch sagen, er wollte es mit dem Flunkern ja nicht übertreiben.Der Mann, der seit Tagen und Wochen im Zentrum der Diskussionen beim FC Bayern steht, gab sich dagegen so wie immer: Jürgen Klinsmann lächelte und sagte, die Stimmung in der Mannschaft sei "natürlich bestens", und dann gebrauchte er ein paar Mal sein neues Lieblingswort. "Wir müssen jetzt nachlegen", sagte Klinsmann. Das dürfte nicht allzu schwer werden: In der Bundesliga stehen als nächste Gegner der VfL Bochum und der Karlsruher SC auf dem Programm, in der Champions League kommt am Dienstag Sporting Lissabon, gegen das die Bayern das Achtelfinal-Hinspiel mühelos 5:0 gewonnen hatten. Ein wenig profitieren sie auch davon, dass ihnen die Spielplanersteller und Ausloser die richtigen Gegner zum richtigen Zeitpunkt beschert haben.Immerhin aber haben sich die Bayern nun schon ein wenig verbessert: Sie haben die Ausfälle von Luca Toni und Franck Ribéry verkraftet, und sie haben gegen Hannover "endlich mal die Standardsituationen umgesetzt" (Klinsmann). Die Erklärung für die Besserung lieferte van Buyten: "Wir sitzen alle in einem Boot", was banal klingt und auch ein wenig plump - doch gerade Daniel van Buyten war zuletzt öffentlich auf einem anderen Ozean als Klinsmann unterwegs.Voll hinter dem TrainerDass der Belgier nun sagte, er habe sein Tor "auch für den Trainer" geschossen, und er sei "glücklich beim FC Bayern, wenn ich auf dem Platz bin", das zeigt, dass sie sich ja doch zumindest Mühe geben. Dennoch blieb am Sonnabend der Eindruck, dass die schwierige Zeit in München noch längst nicht zu Ende ist. "Ich für meine Person", formulierte Torwart Michael Rensing etwas merkwürdig, "stehe voll und ganz hinter dem Trainer". Ob dieser Samstag aber auch allgemein das Ende der Diskussionen um den Trainer war, fuhr Rensing fort, "das werden wir erst in den kommenden Wochen sehen".------------------------------"Wir haben die Pflicht, Meister zu werden." Jürgen Klinsmann------------------------------Foto: Ja, bei dem Kunstwerk, das Jürgen Klinsmann pantomimisch darstellt, handelt es sich um Munchs "Der Schrei".
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