Hans-Georg Koller sammelt Oldtimer, die schon in Filmen zu sehen waren

In den alten F 8 passt auch die Drehorgel hinein

Julia Schmidt
3 Min

Mein Lieblingsauto ist eigentlich immer das, das gerade fährt und die Strecke auch durchhält", sagt Hans-Georg Koller. Der 66-jährige Rentner sammelt seit fast vier Jahrzehnten Oldtimer. Etwa 20 DKW, P 70 und Trabis stehen abgedeckt in den Schuppen auf seinem Grundstück in Dahlewitz. So genau weiß Koller die Zahl nicht, die meisten der Wagen sind stark reparaturbedürftig, andere dienen nur noch als Ersatzteilspender. Was andere als Schrott bezeichnen, sind für ihn Liebhaberstücke. Wie der Kombi der Marke DKW-F 8. Der hat es sogar schon zu einiger Berühmtheit gebracht. Im Frühjahr 1989 war er im Defa-Film "Lehrer Wanske" mit Kurt Böwe zu sehen. Und nach der Wende stand er im Fernsehfilm "Der Trinker" vor der Haustür des Hauptdarstellers Harald Juhnke. Koller selbst hatte eine Statistenrolle abbekommen er spielte eine Drehorgel. Wegen des Leierkastens mag er den alten F 8 besonders. "Ich kann in dem Wagen mein Instrument unterbringen, ohne es auseinander bauen zu müssen", sagt Koller. Denn der Rentner zieht häufig im schwarzen Anzug und mit Melone als Triorgel-Hannes durch die Lande und spielt nach Bestellung auf Flohmärkten und Straßenfesten. Aber seine große Leidenschaft bleiben die alten Autos. Angefangen hatte es mit der Mangelwirtschaft schon zu Beginn der 60er Jahre. "In der DDR gab es kaum Autos. Also hat man jede alte Karre wieder hergerichtet", sagt er. Das war für ihn kein Problem er arbeitete als Mechaniker auf dem Busbahnhof in Treptow. Um Ärger zu vermeiden, meldete er seine Autos ab und stellte sie unter, bevor er ein neues Modell auf seinen Namen eintragen ließ. "Außerdem lief immer ein zweites Auto auf den Namen meiner Frau", sagt Koller. Trennen konnte er sich von keinem der Wagen. So hat er heute verschiedene Modelle der DKW-Reihe, des P 70 und dessen Nachfolgers Trabant. Alles Autos für den kleinen Mann, wie er sagt. Der DKW-F2-Pritschenwagen von 1932 ist das älteste Modell und noch fahrtüchtig. Eine Rarität ist das P-70-Taxi. Es wurde in den 60er Jahren entwickelt, als es nicht genügend Taxen gab. Statt zwei Türen wie beim Prototyp hatte es zwar vier, aber das Entwicklungskollektiv hatte die Kofferklappe vergessen. Also war es als Taxi ungeeignet, es blieb bei der Versuchsserie. Das wohl schönste Stück der Sammlung ist ein DKW-F 8 Cabrio. Das 1953 im Karosseriewerk Dresden als Exportartikel für Schweden produzierte Auto rettete Koller 1978 vor dem Verschrotten. Er schenkte es seiner Frau zur Silberhochzeit. Sonja Koller hat die ganzen Jahre seine Leidenschaft mitgetragen. Bis zu einer schweren Krankheit 1988 ist sie wie ihr Mann Rallye gefahren, bis 1993 dann als Co-Pilotin. Die 62-Jährige schwärmt noch immer von den Touren an die Ostsee und nach Thüringen. Jetzt wünscht sie sich etwas mehr Ruhe für den Gatten. "Es ist nicht mehr so einfach, in diesem Alter stundenlang unter den Autos zu liegen", sagt sie. Schweren Herzens trennten sich Kollers jetzt von einem DKW-F 1 und F 2. "Die Autos zerfallen nur, wenn sie lange herumstehen." Hans-Georg Koller arbeitet aktiv in der Interessengemeinschaft Berliner Oldtimerfreunde, die 1990 aus dem Motorclub Post Berlin und kleinerer Klubs aus dem Umland entstanden ist. Er gilt auch als Ansprechpartner für den Trabi-Club Dahlewitz. Der 66-Jährige will mit seinem Hobby weitermachen, so lange es geht. "Denn DKW heißt nicht umsonst ,Des Knaben Wunsch ", sagt er. Auch wenn dieser schon älter ist. Wer Interesse an Kontakten zu den Berliner Oldtimerfreunden hat: Hans-Georg Koller, Telefon: 033708/3 02 60.

Lesen Sie hier mehr über die Urväter der Lifestyle-Kombis.

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