Der FC Hansa Rostock will aufsteigen, nach drei Jahren endlich in die 2. Bundesliga zurückkehren. Trainer Daniel Brinkmann konnte diese Ambition in den ersten fünf Spielen nicht ausreichend für die Hansa-Verantwortlichen mit Ergebnissen unterstreichen. Nach einer 0:4-Niederlage gegen Viktoria Köln musste er gehen.
Seine Co-Trainer sprangen im Gespann als Interimslösung ein und holten immerhin vier Punkte in zwei Spielen. Und nun steht die Dauerlösung parat. André Breitenreiter soll die Hansa-Kogge wieder nach oben führen. Dass er aufsteigen kann, hat er bereits mehrfach bewiesen. Doch seine besten Zeiten als Trainer hat der 52-Jährige hinter sich.
Breitenreiters rasanter Aufstieg
Begonnen hatte Breitenreiters Trainerkarriere äußerst vielversprechend. Sein persönlicher Aufstieg verlief rasant. Den TSV Havelse, seine erste Station als Übungsleiter, führte er von Platz 15 in der Regionalliga Nord binnen drei Jahren auf Platz zwei, wonach er den SC Paderborn in Liga Zwei übernahm, den er auf Anhieb zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in die Bundesliga führte.
Den Klassenerhalt packte er damals nicht, doch nach einem Jahr in der Bundesliga nahm er den Job als Chefcoach vom FC Schalke 04 an. Eine Stelle, die damals noch prestigeträchtiger war, als sie es heute ist. Und so bildete die Saison 2015/16, in der dies geschah, wohl den Höhepunkt Breitenreiters Karriere ab. Mit den Königsblauen spielte er damals noch international in der Europa League, für die sich der Klub dank Platz fünf in der Bundesliga auch unter ihm erneut qualifizierte.
Doch auf Schalke hatte man die Champions League erwartet. Und Breitenreiter musste gehen. Das sorgte damals durchaus auch für Unverständnis und die Gelsenkirchener erreichten seitdem nur noch ein einziges Mal eine einstellige Platzierung in der Bundesliga.
Trainer Andre Breitenreiter feiert mit seiner Ehefrau den Aufstieg mit Hannover 96.
© Huebner/Ulrich
Trotzdem musste Breitenreiter noch einmal neu Anlauf nehmen, landete bei Hannover 96 in der Zweiten Bundesliga, wo er erneut den Aufstieg und anschließend den Klassenerhalt schaffte, im dritten Jahr aber auf Platz 17 entlassen wurde. Es folgte ein Jahr in der Schweiz beim FC Zürich, mit dem Breitenreiter seinen bislang größten Erfolg feierte, die Schweizer Meisterschaft gewann und sich erneut für einen Job in der Bundesliga empfahl.
Drei Rückschläge in Folge
Doch dann begann die Abwärtsspirale. Nach 19 Spielen und Platz 14 in der Bundesliga war bei der TSG Hoffenheim Schluss. Breitenreiter übernahm Huddersfield Town in der englischen zweiten Liga und wurde nach zwei Siegen aus 13 Spielen auf dem vorletzten Platz entlassen. Auch bei Hannover 96 sollte es nicht noch mal klappen. Nach drei Siegen in ebenfalls 13 Spielen war auch in Niedersachsen Schluss.
Und nun, nach knapp eineinhalb Jahren Pause, schlägt Breitenreiter eine Liga tiefer bei Hansa Rostock auf. „Die große Strahlkraft des Clubs und die außergewöhnliche Unterstützung der Fans haben mich von Anfang an genauso begeistert wie die offenen und überzeugenden Gespräche mit den Verantwortlichen. Ich spüre hier positive Energie und möchte mit vollem Einsatz meinen Teil dazu beitragen, gemeinsam ein erfolgreiches neues Kapitel aufzuschlagen“, ließ er sich in der Pressemitteilung des Vereins zitieren.
Welcher Breitenreiter kommt nach Rostock?
Hansa-Sportchef Amir Shapourzadeh lobt in der Mitteilung: „Er weiß ganz genau, worauf es bei einem Traditionsverein wie Hansa ankommt, kann eine Mannschaft weiterentwickeln und auf Erfolgskurs bringen.“
Breitenreiters vergangenen Erfolge beweisen dies natürlich. Die Frage für den FC Hansa Rostock ist aber: Welchen André Breitenreiter bekommt die Kogge? Schalke ist zehn Jahre her, die Meisterschaft in der Schweiz, die letzte Saison, in der Breitenreiter Erfolg hatte, liegt auch schon vier Jahre zurück. Grundsätzlich ist das nicht lange her, der Fußball aber entwickelt sich stets und schnell weiter.
Amir Shapourzadeh freut sich über den neuen Coach.
© Friso Gentsch
In den vergangenen vier Jahren ging es für den 52-Jährigen stetig bergab und die Hanseaten müssen hoffen, dass ihr Verein nicht nur der nächste Schritt auf dem Weg nach unten ist. Breitenreiter hat zwar wiederholt bewiesen, nach Rückschlägen auch wieder Erfolge feiern zu können: Nach dem Abstieg mit Paderborn übernahm er Schalke, nach der Entlassung dort kam der Aufstieg mit Hannover und als er dort zum ersten Mal gehen musste, wurde er Meister in der Schweiz.
Doch auf die jüngsten drei Rückschläge hatte er keine Antwort parat. Hansa Rostock ist vielleicht seine letzte Chance darauf. Und der Verein ist darauf angewiesen, dass er sie noch einmal in sich hat.
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