Die Berliner Wagenburg steht. Doch ob die aus Liebe zum Verein als wesentlichem Kitt geformte Einheit bei Hertha BSC angesichts der sportlichen und wirtschaftlichen Turbulenzen Stand halten kann, wird sich womöglich schon diese Woche entscheiden. Nach einer surreal harmonischen Mitgliederversammlung bedankte sich Präsident Kay Bernstein am Sonntag für „eine aufregende, wilde, sehr vielschichtige Versammlung“.
Bernstein und Dardai garantieren Wohlfühl-Faktor
Dass die befürchtete Fan-Revolte in der Messe ausblieb, hängt maßgeblich mit den Personen Bernstein und Pal Dardai zusammen, die den blau-weißen Anhängern diesen lange vermissten Wohlfühl-Faktor garantieren. „Lasst uns die Reihen geschlossen halten. Es ist eine schwierige Zeit. Wir haben so viel, was positiv ist. An anderen Dingen müssen wir arbeiten, dass Hertha irgendwann wieder erfolgreich ist“, lautete Bernsteins Botschaft an die Mitglieder des Hauptstadt-Krisenklubs.
Ein Abstieg von Hertha würde sich auf die gesamte Bundesliga negativ auswirken
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Für Trainer Dardai begann sein Beitrag zur multiplen Rettung mit dem ersten Training am Montag. Alle sportlichen Mühen könnten aber umsonst sein, wenn Bernstein und Geschäftsführer Thomas Herrich bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) mit ihrem Konzept um Investor 777 Partners nicht punkten können. Auf die Frage eines Mitgliedes musste Herrich am Sonntag zwangsläufig einräumen, dass die Lizenz natürlich noch nicht gesichert ist. Das ist aber ohnehin seit einiger Zeit klar. „Bis zum 7.6. um 15.30 Uhr müssen wir die Auflagen erfüllen. Wir sind zuversichtlich, dass wir es schaffen werden“, sagte Herrich.
Hertha BSC kann bereits am Wochenende absteigen
Wirtschaftlich geht es um Millionenlöcher. Sportlich um fünf Punkte. So groß ist der Abstand auf Platz 16, der zumindest die erneute Relegationsteilnahme bringen würde. Es helfen nur noch Siege, am Sonnabend (15.30 Uhr) gegen den VfL Bochum und eine Woche später beim VfL Wolfsburg. Die Crux: Auch bei einem Erfolg gegen Bochum wäre am Sonntag schon der Abstieg besiegelt, wenn Schalke gegen Frankfurt gewinnt und Stuttgart in Mainz. Sie sind halt nicht mehr Herr aller Geschicke bei der Hertha.
Angesichts des sich abzeichnenden Abstiegs in die Zweite Liga erwartet Sportdirektor Benjamin Weber einen größeren Umbruch innerhalb des Kaders. Manche Verträge enden mit Ablauf der Spielzeit, zudem wird es endgültige Abschiede bei den verliehenen Spielern geben. Andreas „Zecke“ Neuendorf, Direktor Akademie und Lizenzspielerbereich, verlangte in der Berliner Messehalle 18, fünf der besten Jugendspieler pro Jahr bei den Profis zu integrieren. Solche Forderungen kommen gut an in der Berliner Wagenburg.
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