Washington ist auf der einen Seite eine Metropole der Macht, auf der anderen Seite ein politisch entmachtetes Bundesdorf, dessen Bürger nicht einmal im Kongress ein Mitspracherecht haben. Unter den zirka sechshunderttausend Bürgern der amerikanischen Hauptstadt herrscht ein entsprechender Zynismus: Sie beherbergen zwar das Kapitol und das Weiße Haus, unterliegen aber dennoch dem Diktat eines vom Kongress ernannten Finanzgremiums, das praktisch eigenhändig über das Haushaltsgebaren entscheidet. Schon während der ersten 170 Jahre ihres Bestehens war die amerikanische Hauptstadt Washington D.C. streng unter der Kontrolle des Kongresses. Erst 1973 verabschiedete der Kongress ein Gesetz, wonach die Bürger ihren Stadtrat und Bürgermeister selbst bestimmen dürfen. Korruption, steigende Kriminalität und ausufernde Defizite veranlassten die Parlamentarier, die Hauptstadt wieder an die Kandare zu nehmen. 1995, Washington stand unmittelbar vor der Pleite, wurde ein unabhängiges "financial control board" eingerichtet. Das vom Kongress eingesetzte Gremium hatte den Auftrag, nach mehr als zwei Jahrzehnten verschwenderischer und von Vetternwirtschaft geprägter Haushaltspolitik die Finanzen wieder in Ordnung zu bringen. Seitdem sind die Kompetenzen Washingtons wieder beschränkt.
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